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20 Rapsöle im Test

ÖKO-TEST November 2017
vom 26.10.2017

Rapsöl

Voll Fett

Von Ernährungsexperten empfohlen, für die kalte und heiße Küche geeignet und zudem preiswert: Rapsöl ist das beliebteste Pflanzenöl der Deutschen. Aber ist es auch so gut wie sein Ruf? Unser Testergebnis zeigt: Mit den raffinierten Ölen können es die nativen leider kaum aufnehmen.

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26.10.2017 | Einen Paukenschlag nennen es die einen, "nichts Neues" sagen die anderen: Eine globale Ernährungsstudie kommt zu dem Schluss, dass ein hoher Kohlenhydratkonsum mit einem erhöhten Sterblichkeitsrisiko einhergeht. Personen, die stattdessen mehr Fett zu sich nahmen, lebten länger.

Die Autoren der PURE-Studie (Prospective Urban Rural Epidemiology Study) fordern jetzt, die weltweiten Ernährungsempfehlungen zur Kohlenhydrat- und Fettzufuhr aufgrund dieser Erkenntnisse zu überdenken. Eine Forderung, die der Ernährungsmediziner Professor Michael Ristow von der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich unterstützt. "Mehrere große Studien haben in den vergangenen Jahren gezeigt, dass Fette weniger problematisch sind als angenommen", sagt Ristow. Auf der anderen Seite gelte es inzwischen als allgemein akzeptiert, dass ein hoher Zuckerkonsum ungünstig für die Gesundheit sei. Diese Erkenntnisse fließen mittlerweile auch in die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) ein. Der Vergleich der aktualisierten "10 Regeln der DGE" mit der Vorgängerversion zeigt: Der Antifett-Feldzug ist vorüber. Empfehlungen wie "bevorzugen Sie fettarme Produkte" und "Fett ist besonders energiereich, daher kann zu viel Nahrungsfett Übergewicht fördern, möglicherweise auch Krebs" sind gestrichen.

Die Regeln in Bezug auf mit Zucker gesüßte Lebensmittel und Getränke finden sich hingegen verschärft. Die Formulierung wechselte von "nur gelegentlich verzehren" zu "vermeiden Sie diese möglichst". Die grundlegenden Richtwerte der DGE, wonach die Energiezufuhr zu mehr als 50 Prozent aus Kohlenhydraten und zu 30 Prozent aus Fetten bestehen sollte, bleiben aber erhalten. Daran ändert auch die neue Studie nichts. "Entscheidend ist nicht nur die Menge der Makronährstoffe, sondern auch deren Qualität", erklärt Professor Dr. Jan Frank, Präsident der Society of Nutrition und Food Science an der Universität Hohenheim. Die Forscher der Studie hätten diesen Aspekt völlig vernachlässigt. Sie hätten nicht erhoben, welche Arten von Kohlenhydraten die befragten Personen zu sich nahmen. "Low Carb" an sich ist also nicht die Lösung. Entscheidend ist, dass die Kohlenhydrate nicht über Zucker und helles Mehl, sondern über Vollkornprodukte und Gemüse aufgenommen werden. Ähnliches gilt auch für die Fettzufuhr. "Bei den Fetten sind pflanzliche Öle wie Rapsöle gegenüber tierischen Fetten zu bevorzugen", sagt Frank. "So hat Rapsöl zum Beispiel ein sehr günstiges Fettsäuremuster mit vielen ungesättigten Fettsäuren. Außerdem enthält es vergleichsweise viel alpha-Linolensäure." Diese Omega-3-Fettsäure kann Entzündungsreaktionen im Körper hemmen und ist - außer in ausgewählten pflanzlichen Ölen - sonst nur in fettreichem Fisch in größeren Mengen vorhanden. Bonuspunkte sammelt Rapsöl auch deshalb, weil Raps hier in Deutschland angebaut und verarbeitet werden kann.

Ob sich mit einer höheren Fettzufuhr - selbst mithilfe eines Superöls wie dem Rapsöl - wirklich das Leben verlängern läss

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Rapsöl ist das meistverkaufte Öl in Deutschland. Das Sortiment ist dementsprechend groß. Wir haben sowohl die Marktführer als auch Eigenmarken eingekauft und achteten auf einen Mix aus konventionellen und Bio-Produkten, aus nativen und raffinierten Ölen, der die Marktsituation abbildet. Auch "schonend gedämpfte" Rapsöle landeten im Einkaufswagen.

Die Inhaltsstoffe
Aufgrund seiner günstigen Fettsäureverteilung empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) Rapsöl ausdrücklich. Anhand der Leitsätze für Speisefette und Speiseöle haben wir deshalb das Fettsäuremuster und die Fettqualität überprüft. Aber auch Schadstoffe, die das Öl bereits beim Anbau, bei der Ernte oder während der Verarbeitung, Abfüllung und Lagerung verunreinigen können, standen auf dem Prüfprogramm, darunter Mineralölkohlenwasserstoffe, Pestizide und Weichmacher.

Die Sensorik
Saatig und leicht nussig sollen native Rapsöle schmecken. Modriger Geruch oder ranziger Geschmack dagegen zeugen von keiner guten Qualität. Deshalb haben elf Sensorikexperten die acht nativen Öle im Test anonymisiert verkostet und bewertet. Bei der Raffination aber auch beim schonenden Dämpfen verliert das Öl seinen arttypischen Geruch und Geschmack und es schmeckt neutral. Wir haben diese Öle deshalb nicht sensorisch untersuchen lassen.

Die Bewertung
Verbraucher kaufen native Öle auch aufgrund des typischen Geschmacks. Das Testergebnis Sensorik macht deshalb bei den nativen Ölen 40 Prozent des Gesamturteils aus. Noch wichtiger ist uns aber die Schadstoffbelastung. Dieses Testergebnis Inhaltsstoffe geht hier zu 60 Prozent in die Gesamtbewertung ein. Im Falle der raffinierten und gedämpften Öle macht dieses 100 Prozent aus.

So haben wir getestet

Geruch und Geschmack haben die Sensorikexperten anhand eines Prüfbogens beurteilt.

Video zum Thema

Video

ÖKO-TEST-Magazin 11/2017:

Rapsöl

Voll Fett.

Rapsöl ist das beliebteste Pflanzenöl der Deutschen. Es gilt als gesund, weil es ein sehr günstiges Fettsäuremuster mit vielen ungesättigten Fettsäuren hat. Außerdem enthält es vergleichsweise viel alpha-Linolensäure. Diese Omega-3-Fettsäure kann Entzündungsreaktionen im Körper hemmen. Allerdings nutzen die guten Fettsäuren gar nichts, wenn das Produkt mit Schadstoffen belastet ist. ÖKO-TEST wollte wissen, ob Rapsöle so gut sind wie ihr Ruf, und hat 20 native, raffinierte und gedämpfte Öle im Labor untersuchen lassen.