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ÖKO-TEST Februar 2011
vom

Kinder-Invaliditätsversicherungen

Nicht günstig, aber gut

Beim guten Kinder-Risiko-Schutz werden die Angebote bunter. Für die Kunden sind sie noch schwerer zu durchschauen. ÖKO-TEST hat sich durch den Markt der Kinderinvaliditäts- und Schulunfähigkeitspolicen gearbeitet und zeigt Eltern, worauf sie achten müssen.

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28.01.2011 | Gegen das Risiko dauerhafter Behinderung lässt sich hervorragend mit einer besonderen, nur für Kinder erhältlichen Invaliditätsversicherung vorsorgen. "Diese Policen sichern die Familie finanziell vor den Folgen ab, wenn der Nachwuchs eine Behinderung aufgrund einer Krankheit oder eines Unfalls erleidet", so Versicherungsberater Georg Pitzl aus Bobingen. Allerdings ist der Markt seit unserem letzten Test deutlich unübersichtlicher geworden. Neben den klassischen Policen, die Invalidität durch Krankheit und Unfall absichern, gibt es nun auch Policen, die nur bei schwersten Krankheiten oder Schulunfähigkeit leisten.

Schon um diesen neuartigen Produkten gerecht zu werden, haben wir unser Bewertungssystem in Teilen geändert. Auch ein Urteil des Bundesgerichtshofs machte Änderungen nötig. Der hatte ein wichtiges Unterscheidungskriterium als rechtswidrig gerügt. Versicherer dürfen die Zahlung nicht mehr verweigern, wenn die Invalidität aufgrund einer angeborenen, aber beim Vertragsabschluss noch nicht diagnostizierten Krankheit eintritt.

Daher rückte bei diesem Test die Frage in den Vordergrund, unter welchen Voraussetzungen die Versicherungen zahlen müssen. Produkte, die wie der Schulunfähigkeits- oder Existenzschutz, die Leistungspflicht bei Behinderung durch Krankheit oder Unfall deutlich einschränken, wurden abgewertet. Wichtig ist uns in diesem Zusammenhang auch, wer entscheidet, ob die Versicherung zahlen muss: das Versorgungsamt oder ein von der Versicherung beauftragter Arzt bzw. die Versicherung selbst.

Dazu wurden wir auch durch einen traurigen Streit veranlasst. Er betrifft die Familie Braunfeld (Name von der Redaktion geändert) aus Schleswig-Holstein, die von der Kölner DEVK-Versicherung schwer enttäuscht ist. Für ihre kleine Tochter Bettina hatten die Eltern im Jahre 2009 eine DEVK Invaliditätsversicherung abgeschlossen. Im Juni 2010 erkrankt Bettina an Diabetes. Sofort stufte das Versorgungsamt das Kind als 50 Prozent schwerbehindert mit dem Merkzeichen "H" für Hilflos ein. Grund: Schon in den Vorsorgemedizinischen Grundsätzen des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales heißt es: "Beim Diabetes mellitus ist Hilflosigkeit bis zur Vollendung des 16. Lebensjahres, bei fortbestehender instabiler Stoffwechsellage bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres anzunehmen." Doch Entscheidungen der Versorgungsämter sind für die DEVK nicht bindend. Sie setzt auf ärztliche Gutachten. Im Fall der kleinen Bettina entschied der Kölner Versicherer allerdings schon am Schreibtisch anhand eines ausgefüllten Antwortbogens, dass dem Kind lediglich ein Viertel der versicherten Summe zustehe.

"Mit 25.000 Euro wollte sich der Versicherer einfach freikaufen", sagt der verbitterte Familienvater Andreas Braunfeld. Hätte die Familie akzeptiert, wären in Zukunft keinerlei Forderungen mehr möglich gewesen. Nach Recherchen der betroffenen Familie ist die DEVK nach dem gleichen Muster mit einer Familie in Süddeutschland verfahren. Erst nach juristischem Druck ist der Kölner Versicherer nun bereit, das erkrankte Kind von einem Experten der Universität Münster untersuchen zu lassen. Matthias Neeb, Fachanwalt für Versicherungsrecht aus Münster, der die Familie vertritt, fordert mindestens 50.000 Euro. Der Versicherer wollte sich gegenüber ÖKO-TEST zum Umfang seiner Leistungspflicht nicht äußern. Er will erst einmal das Ergebnis des Gutachters abwarten.

Für uns war der Fall jedenfalls Grund genug, die Art der Leistungsfallprüfung mit in die Bewertung der 25 untersuchten Tarife aufzunehmen.

Das Testergebnis

Die beiden Spitzenreiter sind relativ teuer. Bei einer 50-prozentigen Invalidität aufgrund einer Krankheit wird für jeden Beitragseuro nur eine Leistung von 212 Euro bzw. 280 Euro geboten. Auch der dritte Tarif auf dem 1. Rang leistet mit 315 Euro nur wenig mehr. Auf dem zweiten Rang landen unter anderem alle Tarife, die eine einmalige Kapitalleistung zahlen. Anders als bei Rententarifen gibt es nicht erst ab 50, sondern schon ab 25 Prozent Behinderung Geld, im Modellfall mindestens 25.000 Euro. Weiteres Plus der Kapitaltarife: Einmal gezahlt, kann das Geld nicht zurückgefordert werden. Bei Rententarifen kann zwar auch kein Geld zurückgefordert werden, doch die Zahlung wird eingestellt, wenn sich der Gesundheitszustand des Kindes bessert und der Grad der Behinderung auf weniger als 50 Prozent sinkt.

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