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26 Unfallversicherungen mit Hilfeleistungen für Senioren im Test

ÖKO-TEST Dezember 2014
vom 28.11.2014

Unfallversicherungen mit Hilfeleistungen für Senioren

Hier kriegen Sie geholfen

Immer mehr Menschen leben allein. Und immer mehr Menschen leben sehr lange. Nach einem Unfall sind sie fast immer auf fremde Hilfe angewiesen. Das kann teuer werden. ÖKO-TEST hat daher Unfallversicherungen mit Hilfeleistungen genau unter die Lupe genommen.

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28.11.2014 | 8,6 Millionen Menschen über 60 Jahre lebten im vorigen Jahr in Deutschland in einem sogenannten Einpersonenhaushalt. 2005 lag diese Zahl noch bei 8,1 Millionen, wie das Statistische Bundesamt feststellt. Wer als Älterer auch nur einen kleinen Unfall erleidet und zeitweilig in seiner Bewegungsfähigkeit eingeschränkt ist, hat vor allem als Single ganz plötzlich ein großes Problem. Oder aber der Partner ist selbst pflegebedürftig und kann nicht helfen. Was an Problemen dann auf die Kranken zukommen, zeigt ein fiktiver Fall, den der Malteserhilfsdienst aus Köln auf Basis seiner täglichen Erfahrungen darstellt

Maria Gerlach aus Dresden ist 72 Jahre alt und seit zwei Jahren verwitwet. Die beiden erwachsenen Kinder leben mit ihren Familien in Leipzig und bei Stuttgart. Beim Einkauf stürzt Frau Gerlach von einer Treppe im Supermarkt - ein typischer Alltagsunfall - und zieht sich hierbei eine schmerzhafte Knieprellung zu. Ferner sind zwei Finger der rechten Hand ausgekugelt. In der Unfallchirurgie des Krankenhauses Dresden-Friedrichstadt werden Frau Gerlach die verletzten Finger im Rahmen einer ambulanten Operation wieder eingerenkt, genäht und per Verband fixiert. Schnell wird klar, dass die Dresdnerin in den nächsten Wochen auf fremde Hilfe angewiesen sein wird. Durch ihre Knieprellung ist sie stark in ihrer Mobilität eingeschränkt. Auch durch ihre verletzte rechte Hand wird sie auf Unterstützung im Haushalt angewiesen sein. Der Sohn aus Stuttgart engagiert daher einen privaten Hilfsdienst, der für die ersten 48 Stunden eine Tag- und Nachtwache stellt. Es wird ein Hausnotrufgerät installiert und eine Pflegekraft beauftragt, die beim An- und Auskleiden sowie bei der Körperpflege hilft. Zusätzlich liefert mittags ein örtlicher Dienst ein warmes Mittagessen. Für die regelmäßige Nachbehandlung im Krankenhaus und Fahrten zur Krankengymnastik kommt ein Fahrdienst. Insgesamt wird Frau Gerlach fünf Monate lang von dem privaten Hilfsdienst unterstützt. Dafür zahlt ihr Sohn insgesamt 4.750 Euro - fast 32 Euro pro Tag. Von ihrer Rente hätte Frau Gerlach diesen Aufwand nicht bezahlen können. Doch solche Leistungen sind glücklicherweise versicherbar.

ÖKO-TEST hat für diese Untersuchung Top-Unfallpolicen ausgewählt, die auch Hilfeleistungen einschließen. Sie sollen nach einem Unfall mit Invaliditätsfolgen eine Kapitalleistung erbringen. Die Grundsumme beträgt 100.000 Euro und erreicht über die sogenannte Progression bis zu 500.000 Euro, wenn der Versicherte Vollinvalide wird. Fast 96 Prozent aller Unfälle haben nach einer Auswertung der Münchener Rück aber einen Invaliditätsgrad von unter 50 Prozent zu Folge. "Daher ist es sinnvoll, schon bei kleineren Invaliditätsgraden über die Progression eine hohe Leistung zu erzielen", sagt der Bochumer Versicherungsberater Marco Krieter.

Doch genau dieses Risiko scheuen die Versicherer, wenn es um Senioren geht. Wer erst im fortgeschrittenen Alter eine Unfallversicherung kauft, erhält in der Regel deutlich weniger Leistung

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Weitere Informationen

Zur Bewertung der Unfallversicherung wurden die einzelnen Leistungen mit Punkten bewertet. Dafür wurde die Differenz zwischen höchster und niedrigster Summe der Gliedertaxen für den Verlust eines Daumens, eines Fußes, eines Auges, des Geschmacksinns und einer Niere in drei gleich große Klassen (erhöht bis sehr hoch) geteilt und mit 4, 6 und 8 Punkten bewertet. Für ein Endalter von über 75 Jahren, bis zu dem der Vertrag unverändert weitergeführt werden kann, gab es 1 Punkt, ist die Fortführung unbegrenzt möglich, 3 Punkte. Die Differenz zwischen der höchsten und der niedrigsten Summe der Progression bei 30, 40, 50, 60 und 70 Prozent Invalidität wurde in vier gleich große Klassen geteilt (mäßig bis sehr hoch) und mit 0, 2, 4 und 6 Punkten bewertet. Zur Ermittlung des Preisniveaus wurde die Summe der Progression in Bezug zur Jahresprämie gesetzt. Die Differenz zwischen der höchsten und der niedrigsten sich daraus ergebenden Kennzahl für die Zahlungsverpflichtung der Versicherer wurde in drei gleich große Klassen geteilt (unter- bis überdurchschnittlich). Liegt die niedrigste Frist für Feststellung bzw. die Geltendmachung der Invalidität über 30 Monate, wurden 3 Punkte vergeben, für über 21 Monate 2 Punkte, für über 15 Monate 1 Punkt. Der Obliegenheitsschutz bei verspäteter Arztkonsultation wurde mit 1 Punkt bewertet. Versicherte Bergungskosten über 10.000 Euro wurden mit 1 Punkt bewertet, über 30.000 Euro mit 2, über 40.000 Euro mit 3 Punkten. Eine Leistungskürzung von mehr als 25-prozentiger Mitwirkung von Gebrechen am Unfall wurde mit 1 Punkt bewertet, von mehr als 50 Prozent mit 2 Punkten, verzichtet der Versicherer auf eine Leistungskürzung, wurden 4 Punkte vergeben. Die Mitversicherung von Invalidität durch a) Eigenbewegung, b) Einnahme schädlicher Stoffe, c) Lebensmittelvergiftung, d) Alkoholeinfluss, e) Fahren unter Alkohol, f) Bewusstseinsstörung durch Medikamente, g) Bewusstseinsstörung durch Schlaganfall oder Herzinfarkt, h) Bewusstseinsstörung durch Herz- und Kreislaufstörungen, i) Insektenstiche/Zeckenbisse, j) psychische und nervöse Störungen aufgrund einer unfallbedingten Erkrankung, k) Oberschenkelhalsbruchs als Unfall wurden jeweils mit ja / eingeschränkt/nein und 2 bis 0 Punkten bewertet. Genauso wurde eine mögliche Zahlung der Versicherer als Sofortleistung bei schwersten Verletzungen bewertet. 2 Punkte wurden für eine Sofortleistung von mindestens 10.000 Euro vergeben. Zur Bewertung der Unfallversicherung wurde die Differenz zwischen höchster und niedrigster aus allen Leistungen erreichter Gesamtpunktzahl in vier gleich große Klasse (Rang 1 bis 4) geteilt.
Auch zur Bewertung der Hilfeleistungsversicherung wurden die einzelnen Leistungen mit Punkten bewertet. Mit 10 Punkten wurde bewertet, wenn Hilfeleistungen bezahlt werden, falls "unfallbedingt die versicherte Person zu Hause bei den gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen des täglichen Lebens der Hilfe bedarf". 12 Punkte wurden vergeben, wenn zusätzlich auch nach einem "Krankenhausaufenthalt aufgrund einer Krankheit" gezahlt wird. 8 Punkte wurden vergeben, wenn die "Kostenübernahme nur nach Abschluss einer ärztlichen Behandlung, bei Oberschenkelhalsbruch, auch wenn nicht unfallbedingt (ohne äußere Einwirkung)", erfolgt. Wird die Kostenübernahme eingeschränkt auf "nur nach stationärem Aufenthalt von 16 Wochen oder nach schwerer Unfallverletzung (z. B. Amputation der Hand)", wurden 0 Punkte vergeben. Die Gesamtbewertung des Tarifs kann dann nicht besser als 4. Rang sein.
Bei den Leistungen für Menüservice, Hausnotruf, Begleitung zu Ärzten und Behörden, Fahrdienst zu Ärzten, Behörden und Therapien, Einkäufe und Besorgungen, Wohnungsreinigung, Wäschepflege und Grundpflege wurde die Differenz zwischen höchster und niedrigster Leistung (bei einigen Leistungen 0,00 Euro) in sechs gleichgroße Klassen geteilt (sehr niedrig bis sehr hoch) und mit 1 bis 6 Punkten bewertet, keine Leistung mit 0 Punkten. Zur Berechnung der Zahlungen wurden für die Installation einer Hausnotrufanlage 45 Euro und für den monatlichen Betrieb 30 Euro angesetzt. Für Fahrdienste wurden pro Fahrt von und zum Arzt, zur Behörde oder Therapie 60 Euro veranschlagt. Der Aufwand für die Begleitung zu Ärzten oder Behörden, für Einkäufe und Besorgungen, für Wohnungsreinigung sowie für Wäschepflege wurde mit jeweils 15 Euro pro Stunde veranschlagt. Für eine Stunde Grundpflege nach Sozialrecht wurde mit 27 Euro gerechnet. Beim Menüservice wurden für eine Mahlzeit acht Euro und die Zahl der berechtigten Personen mit bis zu drei (Versicherter, Partner, ein Kind) angenommen. Die Einzelpreise sind Schätzwerte, die über das Internet, bei privaten Hilfsanbietern sowie vom Malteser Hilfsdienst in Köln, dem Deutschen Roten Kreuz Baden-Württemberg und der Caritas in Düsseldorf erhoben wurden. Als höchste Frequenz für Fahrdienste, Begleitung sowie Einkaufen wurden je drei Leistungen zu je zwei Stunden pro Woche angenommen, bei Wohnungsreinigung und Wäschepflege je zwei Leistungen zu je zwei Stunden, bei Grundpflege 21 Stunden pro Woche.

Leistet die Versicherung auch für die Pflege des Partners/Verwandten, haben wir 3 Punkte vergeben, für Haustierbetreuung und Gartenpflege/Schneeräumung jeweils 1 Punkt, für 48 Stunden Tag- und Nachtwache nach stationärer Entlassung 2 Punkte, für Pflege-Beratung und -schulung (ja/eingeschränkt/nein) 2 bis 0 Punkte. Erfolgt eine Leistungskürzung erst ab 75 Prozent Mitwirkung von Gebrechen am Unfall, wurden 3 Punkte vergeben, verzichtet der Versicherer auf eine Leistungskürzung 6 Punkte.

Für die Bewertung der Hilfeleistungsversicherungen wurden die sich aus allen Leistungen ergebende Gesamtpunktzahl und die Zahlungen für Hilfeleistungen in vier gleich große Klassen geteilt. Das Ergebnis floss zu gleichen Teilen in die Bewertung der Hilfeleistungen (Rang 1 bis 4) ein.

Anforderungen an den Tarif: Private Unfallversicherung mit Zusatzschutz für Hilfeleistungen. Die Unfallversicherung zahlt bei Invalidität durch Unfall eine Kapitalleistung. Der Zusatzschutz leistet, wenn die versicherte Person unfallbedingt zu Hause bei den gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen des täglichen Lebens der Hilfe bedarf. Hochwertigster uns bekannter Tarif des Anbieters; Versicherter: Büroangestellter 60 Jahre, Invaliditätsleistung 100.000 Euro, Progression mindestens 500 Prozent, Jahresprämie inklusive Versicherungssteuer bei Einjahresvertrag. Versicherungsbeginn 1.1.2015.
Die Daten wurden von Oktober 2014 über Maklerprogramme und im Internet erhoben den Unternehmen zu einer Plausibilitätsprüfung zurückgespielt.