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42 Tierkrankenversicherungen im Test

ÖKO-TEST Mai 2011
vom 29.04.2011

Tierkrankenversicherungen

Tierisch viele Fallstricke

Krankheitsschutz gibt es auch für Haustiere. Tierhalter können ihren Hund oder ihre Katze versichern. Doch die Policen sind kompliziert und oft im Ergebnis mager, wie unser Test zeigt.

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29.04.2011 | Auf allen Kanälen trommelt derzeit eine Handvoll Assekuranzen für den tierischen Krankenschutz. Das Herz der Tierfreunde ist schnell erreicht und das Marktpotenzial immens. "Wir gehen davon aus, dass weniger als fünf Prozent der in Deutschland lebenden Hunde und Katzen krankenversichert sind", schätzt Patrick Döring, Vorstand der Agila Haustierversicherung aus Hannover. Damit gibt es noch über zehn Millionen potenzielle vierbeinige Kunden. Kein Wunder, dass sich selbst Großkonzerne wie die Allianz auf das Geschäft stürzen. Es ist nämlich fast ohne Risiko und verspricht satte Gewinne.

ÖKO-TEST hat 42 Tarife von fünf Anbietern für den Krankenschutz von Hunden und Katzen intensiv auf ihre Leistungsstärke geprüft. Allein der Vorstand der Uelzener Versicherung lehnte kundenunfreundlich in diesem Jahr die Teilnahme am Test ab. Geholfen hat uns die langjährige Tierärztin Dr. Marietta Bartels aus Düsseldorf, mit der wir ein Fallszenario aus der täglichen Tierarztpraxis entwickelt haben. "Die meisten Kunden haben mit den tatsächlichen Krankheitskosten keine Erfahrung. Sie selbst haben ja eine Kassenkarte", sagt Bartels. Doch Tiere sind immer Privatpatienten. Abgerechnet wird nach der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT). Laut Expertin Bartels rechnen viele Kollegen in Großstädten den dreifachen Satz der Gebührenordnung ab. Die so entstehenden Kosten wurden daher als Basis der Analyse festgelegt. Im Testfall sind ein Hund und eine Katze zwei Jahre lang gesund. Lediglich Vorsorgeuntersuchungen fallen an. Außerdem werden die Tiere sterilisiert. Im dritten Jahr erwischt es die Vierbeiner dann richtig. Sie müssen aufwendig ambulant behandelt und zweimal operiert werden.

Das Testergebnis

Grundsätzlich gibt es bei Tierkrankenversicherungen Ausschlüsse, Wartezeiten, Selbstbeteiligungen, gedeckelte Versicherungssummen und unterschiedliche Leistungen. Das Kleingedruckte macht die Angebote zum Buch mit sieben Siegeln. Schon vor dem Abschluss der Versicherung steht die Rosinenpickerei: Schutz gibt es nur für gesunde Tiere. Werden später angeborene Krankheiten diagnostiziert, geht der Besitzer leer aus.

Die Agila-Haustierversicherung versucht in diesem Punkt, möglichem Ärger von vorneherein aus dem Weg zu gehen und hat einen "Plus"-Tarif eingeführt, den es nur beim Tierarzt gibt. Der checkt auf Kosten der Agila die Gesundheit. Ein kluger Schachzug: Die Police vom Tiergott in Weiß wird wohl kaum vom Kunden hinterfragt. Tatsächlich ist das Angebot aber deutlich leistungsschwächer als der herkömmliche, über Vermittler oder das Internet verkaufte Tarif.

Im schlechtesten Fall spart bei der Hundeversicherung Tierpartner Top der Axa Assistance der versicherte Kunde in unserem Modelfall nur knapp zehn Prozent, während er beim Agila Tierkrankenschutz gut 57 Prozent seines Aufwands ersetzt bekommt. Für Katzen liegt die Quote zwischen mageren 17,7 Prozent bei der Tierkrankenversicherung Optimal (Allianz) und mehr als 60 Prozent bei der Agila Tierkrankenschutz.

Wese

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