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ÖKO-TEST Februar 2011
vom

Rechtsschutzversicherungen

Recht so!

Guter Rechtsschutz ist nicht zwangsläufig ein teures Vergnügen. Das zeigen die Ergebnisse unseres Vergleichstests zum Familienrechtsschutz. Die Anbieter werben mit zahlreichen Spezialtarifen und Sonderpaketen um die Gunst der Kunden. Vor allem aber sollen die Policen vor existenzbedrohenden Risiken schützen.

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28.01.2011 | Der Winter 2010/11 bescherte den deutschen Karosseriebauern volle Auftragsbücher- und den Gerichten eine Flut von Klagen. Denn bei vereisten Straßen und schlechter Sicht kommt es schnell zu Unfällen. In der Folge häufen sich Streitfälle, die vor Gericht ausgefochten werden. Gut, wenn es sich nur um einen Blechschaden handelt. Denn bei Personenschäden ist guter Rat teuer: ein klassischer Fall für eine private Rechtsschutzversicherung.

Nach Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) entfielen 30 Prozent der Schäden, die Kunden der deutschen Rechtsschutzversicherer in 2009 meldeten, auf den Bereich des Verkehrsrechts. Jörg von Fürstenwerth, Geschäftsführer des GDV, erklärt: "Dort drohen hohe Risiken, beispielsweise wenn es um eine mögliche Invalidität geht. Die Streitwerte klettern dann schnell auf mehrere 100.000 Euro, daraus ergeben sich erhebliche Prozesskosten." Schon in erster Instanz summieren sich demnach bei einem Streitwert von 100.000 Euro die Anwalts- und Gerichtskosten auf bis zu 11.000 Euro. Wenn eine Partei die nächsthöhere Instanz anruft, können daraus fast 22.000 Euro werden. "Dabei sind weitere Kosten, etwa für Zeugen und Sachverständige, noch nicht berücksichtigt", so von Fürstenwerth.

Die Weltfinanzkrise rückte noch ein anderes Rechtsgebiet in den Fokus der Öffentlichkeit: das Arbeitsrecht. Aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Lage gab es viele Kündigungen. Laut dem GDV entfielen in 2009 zirka 20 Prozent der gemeldeten Schadensfälle auf diese Sparte. Für den Einzelnen geht es dabei schnell um existenzbedrohende Risiken. Wer den Schutz durch eine Versicherung hat, kann sich leichter wehren, wenn es Probleme mit dem Job gibt. Insgesamt 640.000 Verfahren hätten die Versicherer 2009 im Arbeitsrecht reguliert, sagt von Fürstenwerth, das seien dreizehn Prozent mehr gewesen als im Vorjahr. Dafür wendeten die Gesellschaften den Angaben zufolge insgesamt 530 Millionen Euro auf. Laut Informationen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht Bafin, bei der die Aufsicht über die Assekuranzen liegt, nahmen sie in 2009 insgesamt 3,37 Milliarden Euro an Beiträgen ein. Davon wurden knapp 68 Prozent oder 2,29 Milliarden Euro für die Schadenregulierung eingesetzt. Auf die Kosten für den Versicherungsbetrieb entfielen stolze 31 Prozent (1,04 Milliarden Euro).

In Deutschland sind 42 Prozent der Bevölkerung durch einen von 20,6 Millionen Rechtsschutzverträgen abgesichert. Das teilt das gemeinnützige Essener Soldan Institut für Anwaltsmanagement in seiner Studie Rechtsschutzversicherungen und Anwaltschaft mit. Die Sparte sei im vergangenen Jahrzehnt allerdings einer der Verlierer auf dem Versicherungsmarkt gewesen, sagt Dr. Matthias Kilian, Leiter des Instituts. Seit 2002 sei die Versicherungsquote überdurchschnittlich stark zurückgegangen. "Das hat vor allem damit zu tun, dass der Bedarf für die Absicherung in anderen Bereichen wächst, weil der Staat seine Wohlfahrtsleistungen immer weiter einschränkt. Der Rechtsschutz wird vielfach nicht als erste Priorität gesehen und eingespart", so Kilian. Im Rahmen der Studie wurden laut Kilian die Angaben von 1.400 Anwälten ausgewertet. Die Juristen bewerteten die Zusammenarbeit mit den Versicherern demnach insgesamt als zufriedenstellend. Allerdings unterschieden sie deutlich zwischen Gesellschaften, mit denen sie gute und weniger gute Erfahrungen gemacht haben. Laut der Studie ist der Anbieter Advocard demnach tatsächlich "Anwalts Liebling". Überwiegend positiv fielen auch die Rückmeldungen der befragten Anwälte zu HUK und Auxilia aus.

Wir wollten wissen, welchen Leistungsumfang die Versicherten von einer Rechtsschutzpolice erwarten können und zu welchem Preis. Alle untersuchten Angebote mussten unsere Mindestanforderungen für einen Versicherungsschutz erfüllen, der die wesentlichen existenzbedrohenden Risiken wirksam abdeckt. Zudem sollte er alle Familienmitglieder erfassen, auch unverheiratete Partner und volljährige Kinder in Ausbildung oder Studium. Grundlage jedes Vertrags sind die Allgemeinen Bedingungen für die Rechtsschutzversicherung (ARB) des jeweiligen Anbieters. Die Standards der Musterbedingungen des Versicherungsverbandes durften nicht unterschritten werden. Zudem flossen die Empfehlungen des Arbeitskreises EU-Vermittlerrichtlinie in die Festlegung des Mindestleistungsprofils ein. Laut Hans-Ludger Sandkühler, Rechtsanwalt und Sprecher des Arbeitskreises, haben Vermittler, Vertreter der Versicherungswirtschaft und Verbraucher die Empfehlungen gemeinsam erarbeitet.

Das Testergebnis

Die Anbieter liegen dicht zusammen. Nur drei von sechs möglichen Rängen wurden vergeben. Von den 43 Tarifen in unserem Vergleich erreichten 29 den ersten Rang (68 bis 73 Punkte). Das günstigste Angebot in der Spitzengruppe kostet weniger als 200 Euro. Weitere neun Tarife sind für 200 bis 250 Euro verfügbar. Die Höchstpunktzahl von 73 (möglich waren 84 Punkte) erreichten je zwei Angebote.

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