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ÖKO-TEST Januar 2018
vom

Vergleichsportale für Zahnzusatzversicherungen

Mager und intransparent

Millionen Kunden haben bereits eine private Zahnzusatzversicherung abgeschlossen. Und der Boom hält an. Befeuert wird er durch immer mehr Vergleichsportale im Internet. ÖKO-TEST hat sie unter die Lupe genommen.

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28.12.2017 | Ein Besuch beim Zahnarzt ist nicht nur für viele Menschen unangenehm, sondern meist auch teuer. Denn seit 2005 zahlen die Kassen nur noch sogenannte Festzuschüsse. "Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen die Hälfte dessen, was als ausreichende, notwendige und wirtschaftliche Basistherapie definiert ist", erläutert die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Wer seine Zahngesundheit regelmäßig kontrollieren lässt, erhält bis zu 65 Prozent - aber weiterhin nur von der einfachen Regelversorgung.

Wählt der Patient einen höherwertigen Zahnersatz - oder wird "sanft" vom Zahnarzt dazu gedrängt -, bleibt der Kassenzuschuss gleich. Der Verbraucher muss einen viel höheren Eigenanteil zahlen. Was der in Heller und Cent ausmacht, rechnet das Münchener Preisvergleichsportal für Zahnbehandlung, Medikompass.de, vor. So zahlt der Patient aus eigener Tasche für Zahnfüllungen im Schnitt bundesweit 449 Euro, für Zahnkronen 945 Euro, für Zahnbrücken 1.876 Euro, für Zahnimplantate 4.680 Euro und für Implantatprothesen sogar 8.668 Euro.

Und jeder zweite Mensch in Deutschland braucht Zahnersatz. Das zeigt eine Mitte 2016 veröffentlichte Umfrage. Von fast 2.000 Befragten ab 18 Jahren hatten insgesamt rund 52 Prozent angegeben, dass sie eine Krone, Brücke, ein Implantat oder eine Prothese benötigen. Von denjenigen, die derzeit noch keinen Zahnersatz haben, gehen über die Hälfte davon aus, dass es in Zukunft der Fall sein wird. Auftraggeber der Studie ist der Verband der Privaten Krankenversicherungen (PKV-Verband), der mit solchen Botschaften erfolgreich den Absatz von privaten Zahnzusatzversicherungen forciert. Allein 2016 schlossen rund 500.000 Kunden eine solche Police ab. Insgesamt dürfte es derzeit fast 16 Millionen Verträge am Markt geben.

Immer öfter werden sie per Internet - vor allem über Vergleichsportale - geschlossen. Sie sind der populäre Verkaufstresen - stehen aber zunehmend in der Kritik. "Wir müssen sicherstellen, dass die Verbraucher sich auf die Zuverlässigkeit, die Objektivität und die Transparenz der Portale verlassen können", erklärt Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamts. Die Behörde hat nun eine "Sektorenuntersuchung" zu den Vergleichern eingeleitet, in der sie mögliche Verstöße gegen Verbraucherrecht aufklären will. Ende 2017 wurden erst einmal Fragebögen versandt. Bis zum Ergebnis dürfte es dauern.

Für den Sektor "Vergleichsportale für Zahnzusatzversicherungen" gibt es schon heute Ergebnisse von ÖKO-TEST. Wir haben 30 Links, die sich aus der Google-Suche nach dem Schlagwort "Zahnversicherung Vergleich" ergaben ausgewertet. Bei 18 Portalen konnten wir online einen Vergleich zur Zahnzusatzversicherung aufrufen. top-tarif nahm seine Seite Anfang Dezember vom Netz, wie das Unternehmen uns mitteilte und wie wir feststellen konnten. Daher wurden 17 Portale anhand von zwei Musterkunden untersucht, die Anfang Februar 2018 35 und 55 Jahre alt sind. Ihre Zähne sind gesund. Sie möchten Zahnbehandlung, Zahnersatz und Prophylaxe absichern. Ziel ist, das höchstmögliche Leistungsniveau zu erhalten, um Eigenbeteiligungen aus der gesetzlichen Regelversorgung möglichst klein zu halten und weitgehend kostenfrei eine höherwertige Versorgung wählen zu können. Aufgrund des guten Gesundheitszustandes ist Langzeitschutz geplant. Zudem favorisiert der Kunde Tarife mit Altersrückstellungen, um hohe Preissteigerungen im Alter zu vermeiden. Gleichzeitig haben wir auf Basis der aktuellen Rechtsprechung für die Versicherungsvermittlung im Internet die Transparenz der Portale analysiert.

Das Testergebnis

Vergleichsportale vergleichsweise schlecht: Kein Portal weist alle wirklich leistungsstarken Tarife aus. Daher landet keines auf dem 1. oder dem 2. Rang. Und in Sachen Transparenz patzen sie alle: "Mangelhaft" ist hier das "beste" Testergebnis.

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