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ÖKO-TEST Oktober 2013
vom

Genossenschaftsbeteiligungen

Renditebringer

In der momentanen Niedrigzinsphase sind attraktive Geldanlagen rar. Doch es gibt noch Geheimtipps: Genossenschaftsbanken und Bau- und Sparvereine zahlen ihren Mitgliedern üppige Dividenden. ÖKO-TEST verrät, worauf Sie dabei achten müssen.

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27.09.2013 | Wohin mit dem Geld? Diese Frage stellen sich angesichts der anhaltenden Finanzkrise immer mehr ratlose Anleger. Denn scheinbar haben sie nur die Wahl zwischen Pest und Cholera. Sichere Sparanlagen bringen kaum mehr als ein Prozent Rendite und schaffen daher nicht einmal den Inflationsausgleich. Höher verzinste Anlagen, wie Unternehmensanleihen, Aktien oder Investmentfonds, sind mit hohen Risiken oder zumindest heftigen Kursschwankungen behaftet. Immobilien sind vereinzelt schon überteuert, zudem erfordern sie hohes Eigenkapital und langfristige Bindung. Bleibt als Ausweg oft nur noch Gold und Tagesgeld.

Dabei gibt es jenseits der ausgetretenen Geldanlagepfade durchaus interessante Alternativen, um Geld sicher und ertragreich anzulegen: Beteiligungen an einer Genossenschaftsbank oder einer Wohnungsgenossenschaft mit Spareinrichtung. Das sind zwar unternehmerische Beteiligungen, doch sie versprechen gute und stabile Renditen. Das Verlustrisiko ist bei sorgfältiger Auswahl zudem vergleichsweise gering. Die vorwiegend auf ihren Heimatmarkt konzentrierten rund 1.100 deutschen Genossenschaftsbanken sind zum Beispiel von den Krisen am Finanzmarkt, in Griechenland oder Zypern, weitgehend verschont geblieben. Dafür sorgt bereits die Beschränkung auf das klassische, regionale Spar- und Kreditgeschäft. Dass ein Institut Pleite geht, kommt so gut wie nie vor. Dazu trägt aber auch das Prinzip der Verbundhaftung bei. Genossenschaftsbanken sind im Verband der Volks- und Raiffeisenbanken zusammengeschlossen. Hier bürgt jedes Institut für das andere und fängt strauchelnde Kreditgenossen im Notfall wieder auf.

Die Bau- und Sparvereine dagegen sind zwar in erster Linie Wohnungsunternehmen. Rund 48 der bundesweit etwa 2.000 Wohnungsgenossenschaften besitzen jedoch zusätzlich eine eingeschränkte Bankerlaubnis. Die ermöglicht es ihnen, neben Wohnungen auch Spareinlagen anzubieten. Durch diese Zusatzfunktion fallen sie unter das Gesetz über das Kreditwesen und unterstehen der Bankenaufsicht durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (BaFin). Aus Anlegersicht ist das ein großer Vorteil. Denn so wird ihre finanzielle Lage ähnlich wie bei Banken regelmäßig kontrolliert. Viele Bau- und Sparvereine rühmen sich daher, wirtschaftlich besonders stabil zu sein - und zwar vor allem im Vergleich zu den anderen Wohnungsgenossenschaften, aber auch im Vergleich zu manchen Geschäftsbanken. Denn mit der Spareinrichtung verbessern die Wohnungsgenossen nicht nur ihre Eigenkapitalausstattung. Für die Sicherheit der Ersparnisse stehen sie gleichzeitig mit ihrem Immobilienbesitz gerade.

Grund genug für ÖKO-TEST, die vergleichsweise sicheren Beteiligungsangebote von 38 der 100 größten Genossenschaftsbanken und von 19 der 48 Wohnungsgenossenschaften mit Spareinrichtung näher unter die Lupe zu nehmen. Dabei wurde nicht nur untersucht, welche Ertragschancen und welche Risiken bei Genossenschaftsbeteiligungen drohen, sondern auch, was die Gesellschaften ansonsten für die Mitgliederförderung tun. Denn die Beteiligung an einer Genossenschaft ist mehr als eine reine Kapitalanlage. Schließlich soll eine Genossenschaft "mittels gemeinschaftlichem Geschäftsbetrieb" ihre Mitglieder fördern. So steht es jedenfalls im Gesetz.

Das Testergebnis

Üppige Renditen. Verglichen mit herkömmlichen Geldanlagen werden Genossenschaftsbeteiligungen geradezu fürstlich verzinst. Wohnungsgenossenschaften schütten derzeit im Schnitt 3,49 Prozent Dividende an ihre Mitglieder aus. Bei Genossenschaftsbanken sind im Schnitt sogar 5,35 Prozent Dividende drin. Bisweilen können die Mitglieder sogar noch höhere Erträge erzielen. Denn bei immer mehr Genossenschaftsbanken hängt die Ausschüttung auch davon ab, wie viel Geschäfte ein Mitglied mit seiner Bank macht. Der Grund ist simpel: Reine Geldanleger, die lediglich eine ordentliche Dividende abräumen wollen, sind zunehmend unerwünscht. Anders sieht es dagegen mit Mitgliedern aus, welche die Dienstleistungen "ihrer" Bank eifrig nutzen.

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Weitere Informationen

Untersucht wurden Beteiligungen an Genossenschaftsbanken und Wohnungsgenossenschaften mit Spareinrichtung, die eine eingeschränkte Bankerlaubnis besitzen und wie Genossenschaftsbanken der Aufsicht durch die BaFin unterliegen. In die engere Auswahl kamen nur Genossenschaften, die zumindest laut Satzung den Erwerb von mehr als einem Genossenschaftsanteil pro Mitglied zulassen. Bei den Banken wurde die Vorauswahl zudem auf die 100 größten Institute begrenzt.
Für alle Beteiligungen wurde ein Gesamtrang ermittelt, der sich primär aus dem Rang für die Dividende 2012 ergänzt um die Noten bei der Risikobewertung und um die Noten für die finanzielle Mitgliederförderung zusammensetzt. Daneben wurde auch die Flexibilität der Verträge, gemessen an der Kündigungsfrist und einer eventuell nachfolgenden Frist bis zur Auszahlung des Kapitals, bewertet. Diese Note floss aber nicht in den Gesamtrang ein. Sowohl für die Beteiligungen an den Genossenschaftsbanken als auch für die Beteiligungen an Wohnungsgenossenschaften mit Spareinrichtung wurde dabei zwar ein einheitliches Bewertungsschema entwickelt. Die Bewertung selbst erfolgte aber ausschließlich auf Basis der Daten der jeweiligen Genossenschaftsgruppe.
Sowohl bei den Genossenschaftsbanken als auch bei den Wohnungsgenossenschaften wurden zur Ermittlung des Gesamtranges zunächst die Dividenden 2012 bewertet. Dazu wurde die Differenz zwischen der höchsten und der niedrigsten gezahlten Dividende in der jeweiligen Gruppe ermittelt und in sechs gleich große Klassen eingeteilt. So wird deutlich wer seinen Mitgliedern eine attraktive Ausschüttung gewährt. Um allerdings auch das Beteiligungsrisiko angemessen zu berücksichtigen, wurde im zweiten Schritt ermittelt, welches Anlagerisiko die Genossenschaftsmitglieder zumindest theoretisch eingehen. Dabei wurde zunächst geprüft, ob bei Konkurs der Gesellschaft nicht nur die Kapitaleinlage verloren ist, sondern ob und in welcher Höhe noch eine Nachschusspflicht besteht. Diese auf Euro und Cent-Basis ermittelten Werte wurden anschließend in Relation zur Kapitaleinlage gesetzt, so dass sich eine prozentuale Risikokennziffer ergibt. Anschließend wurde die Differenz zwischen einer risikolosen Geldanlage (0 Prozent Verlustrisiko) und dem maximalen prozentualen Risiko der jeweiligen Genossenschaftsgruppe ermittelt und wiederum in sechs gleiche Klassen eingeteilt. Diese wurden allerdings unterschiedlich bewertet. Da Genossenschaftsbanken durch die Institutssicherung praktisch vor einem Konkurs geschützt sind, wurde das Risiko bei alleinigem der Verlust der Kapitaleinlage (100 % Kapitalrisiko) noch als "gering" eingestuft. Sofern eine Nachschusspflicht in Höhe der Kapitaleinlage besteht, gab es ein "mäßig". Bei einer Nachschusspflicht in Höhe der doppelten Kapitaleinlage ein "erhöht", bei höherer Nachschusspflicht ein "hoch". Wohnungsgenossenschaften mit Spareinrichtung wurden dagegen einen Tick schlechter bewertet, da der Selbsthilfefonds des Bundesverbandes deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen primär die Spareinlagen der Wohnungsgenossenschaften sichert und eine Institutssicherung daher nicht zwingend ist. Sofern keine Nachschusspflicht besteht und in einem Worst-Case-Szenario nur der Kapitaleinsatz verloren geht, wurde das Risiko daher mit "mäßig" bewertet. Bei einer Nachschusspflicht bis in Höhe der Hälfte der Kapitaleinlage gab es ein "erhöht", bei Nachschusspflicht in Höhe der vollen Kapitaleinlage ein "hoch", bei darüber hinausgehenden Werten ein "sehr hoch". Sofern das Risiko über den Verlust der Kapitaleinlage hinaus geht (Risikoklasse "mäßig" bis " hoch" bei den Genossenschaftsbanken und Risikoklasse "erhöht" bis "sehr hoch" bei den Wohnungsgenossenschaften), führte jede Erhöhung des Risikos zu einer Abwertung des Gesamtranges - und zwar um jeweils einen Fünftel eines Ranges oder 0,2 Prozentpunkte pro Risikoklasse, die über den Verlust der Kapitaleinlage hinausgeht.
Anschließend wurde die finanzielle Mitgliederförderung bewertet. Dazu wurde bei den Genossenschaftsbanken geprüft, ob die Institute ihren Kunden bei ihren eigenen Dienstleistungen oder denen ihrer Verbundpartner Kostenvorteile offerieren. Für ein kostenloses Girokonto gab es dabei zwei Punkte, für das Angebot vergünstigter Versicherungen, vergünstigter Kredite und bei Zinsvorteilen bei Geldanlagen jeweils pauschal einen Punkt. Ein Mitglieder-Bonusprogramm, das zu höheren Ausschüttungen bei der Dividende je nach Nutzung der Bankdienstleistungen führt, schlug mit 6 Punkten zu gute. Die Summe der Punkte wurde für jede Bank individuell ermittelt, anschließend die Differenz zwischen höchster und niedrigster Punktzahl (keine finanzielle Mitgliederförderung) berechnet und in sechs gleiche Klassen eingeteilt. Jede Klasse führt zu einer Verbesserung des Gesamtranges um 0,2 Prozentpunkte je Note, so dass maximal eine Verbesserung um einen Rang erreicht werden konnte.
Bei den Wohnungsgenossenschaften wurde ähnlich verfahren. Bewertet wurde aber nur die Mitgliederförderung, welche die Wohnungsgenossenschaften durch die Spareinrichtung erfahren. Etwaige Vorteile bei der Wohnungsvergabe und / oder den Mietkonditionen etc. blieben außen vor. Um zu ermitteln, welche Zinsvorteile die Wohnungsgenossenschaften ihren Mitgliedern bieten, wurden die Konditionen für eine klassische Spareinlage mit dreimonatiger Kündigungsfrist und die Konditionen für ein Zwölf-Monatsanlage ( Festgeld oder Sparbrief) bewertet und mit den Durchschnittskonditionen der Banken verglichen. Die so ermittelten Zinsvorteile wurden anschließend jeweils nach obigem Muster in sechs gleichgroße Klassen eingeteilt und mit Noten bewertet. Anschließend wurde ermittelt, ob die jeweilige Spareinrichtung ihren Mitgliedern auch Sparpläne und weitere Sparangebote (jenseits der üblichen Festzinsangebote bei Sparbriefen und Festgeld) offeriert. Sofern beides geboten wird, gab es die Note eins für Zusatzangebote, sofern nur eines geboten wird, die Note zwei, sofern nur eingeschränkte Zusatzangebote (z.B. Sparpläne nur für Kinder) offeriert werden, die Note drei, und falls keine weiteren Sparanlagen offeriert werden, die Note vier. Die Einzelnoten für die Mitgliederförderung wurden anschließend zu einer Gesamtnote gebündelt, die sich je zu einem Drittel aus den Noten bei den Spareinlagen, 12-Monats-Einlagen und den Zusatzangeboten zusammensetzt. Die Gesamtnote bei der Mitgliederförderung floss wie bei den Banken rangerhöhend in die Ermittlung des Gesamtranges ein, der sich aus der Note für die Dividende 2012 plus etwaigen Abwertungen aus der Risikobewertung und etwaigen Aufwertungen aus der Mitgliederförderung zusammensetzt.
Sämtliche Details der Genossenschaftsbeteiligungen wurden von ÖKO-TEST anhand der online erhältlichen Daten und Dokumente (Flyer, Satzungen, Geschäftsberichte) auf den Homepages der Genossenschaften erhoben oder direkt bei den Genossenschaften erfragt und den Genossenschaften anschließend zur Verifizierung zurückgespielt. Die nachfolgende Bewertung von Rendite, Risiko und Mitarbeiterförderung erfolgte durch ÖKO-TEST. Sofern dazu die durchschnittlichen Marktkonditionen von Banken notwendig waren, wurden diese per 30.08.2013 erhoben.