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72 Unisextarife bei Risikolebensversicherungen im Test

ÖKO-TEST Februar 2013
vom 25.01.2013

Risikolebensversicherungen, Unisextarife

Am Ende gewinnen immer...

Seit dem 21. Dezember 2012 gibt es bei Versicherungen den "kleinen Unterschied" nicht mehr: Frauen und Männer zahlen seither die gleichen, insgesamt höheren Beiträge. Am Ende gewinnen also immer nicht die Deutschen, sondern die Versicherungen.

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25.01.2013 | Bisher waren viele Versicherungen, zum Beispiel die Renten- und die Krankenversicherung, für Frauen teurer als für Männer. Die Assekuranzen haben dies damit begründet, dass Frauen länger leben und somit mehr Leistungen erhalten. Dagegen kam die Risikolebensversicherung für das weibliche Geschlecht günstiger. Die Police zahlt im Todesfall an die Hinterbliebenen - und die Herren der Schöpfung sterben statistisch gesehen nun mal früher als die Frauen.

In der neuen Versicherungswelt sollten nun die einen mehr zahlen, die anderen entsprechend weniger. Das wäre für die Versicherungen allerdings nur ein Nullsummenspiel. Was liegt da näher, als die neue Tarifstruktur für eine allgemeine Beitragserhöhung zu nutzen. Diese Befürchtung hatte auch die EU-Kommission und die Versicherer daher gemahnt, die neuen Unisextarife sollten nicht mit Mehrkosten einhergehen.

ÖKO-TEST hat jetzt nachgeprüft, ob die Mahnung gewirkt hat und insgesamt 72 Risikolebensversicherungen für Nichtraucher und Raucher von 36 verschiedenen Anbietern untersucht, die Anfang 2013 bereits ihre Unisexprämien veröffentlicht hatten. Die Bisexprämien hatten wir bereits im September 2012 ermittelt. Erhoben wurden die Prämien für eine 20 Jahre laufende Absicherung von 250.000 Euro für eine(n) 30-jährige(n) kaufmännische(n) Angestellte(n), die/der nicht übergewichtig ist und keine gefährlichen Hobbys hat.

Das Testergebnis

Im Durchschnitt teurer: Nichtraucher - ob Frau oder Mann - zahlen nach den neuen Unisextarife aktuell im Durchschnitt knapp 200 Euro pro Jahr. Vorher lag die Prämie für Frauen bei rund 155 Euro und für Männer bei rund 219 Euro. Insgesamt zahlt ein Paar heute also rund fünf Prozent mehr. Für Raucher - Frau oder Mann - gilt aktuell ein jährlicher Zahlbeitrag von fast 414 Euro. Vorher zahlten Frauen 309 und Männer 453 Euro. Ein rauchendes Paar würde nach Unisex im Schnitt somit rund 8,7 Prozent mehr zahlen. Zahlbeiträge sind zudem nicht garantiert. Sie entstehen, weil die Versicherer die Überschüsse, die durch Risikogewinne und Zinsen entstehen, sofort mit dem Beitrag verrechnen. Die garantierten maximalen Höchstbeiträge liegen deutlich höher - und die Tendenz ist ganz ähnlich wie bei den Zahlbeiträgen. Unterm Strich gewinnen also die Versicherer, weil die Prämien nun insgesamt höher liegen. Die Assekuranzen begründen dies mit einem Sicherheitszuschlag, weil sie nicht wissen, wie viele Kunden sie vom jeweiligen Geschlecht künftig gewinnen. Verbraucherschützer kritisieren das Verhalten hingegen. "Unter dem Deckmäntelchen des Unisex die Prämiensumme insgesamt zu erhöhen, ist ein Schlag ins Gesicht der Verbraucher", sagt Axel Kleinlein vom Bund der Versicherten (BdV) aus Hamburg.

Frauen zahlen viel mehr, Männer wenig weniger: Für Frauen brachte die Unisexreform eine deutliche Prämiensteigerung. Sie liegt im Durchschnitt aller untersuchten Nichtrauchertarife bei gut 26 Prozent. Nicht rauchende Frauen zahlen somit für den 250.000-Euro-Schutz jährlich rund 41 Euro mehr. Für ni

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Weitere Informationen

Ausgewählt zum Test wurden grundsätzlich nur Risikolebensversicherungen, die unabhängig von einem anderen Vertrag abgeschlossen werden können. Als Überschusssystem wurde die Beitragsverrechnung gewählt. Hier ist die gewünschte Versicherungssumme garantiert, die Beitragshöhe nicht. Die Überschüsse, die die Versicherungen erwirtschaften, reduzieren den maximal möglichen Jahresbeitrag auf den aktuellen Zahlbeitrag. Für alle Modellfälle ist die Versicherungssumme 250.000 Euro. Die Modellkunden sind 30-jährige kaufmännische Angestellte, haben keine gefährlichen Hobbys und kein Übergewicht (Größe 180 cm; Gewicht 80 kg). Erhoben wurden im September 2012 die Beiträge für Männer und Frauen, jeweils Raucher und Nichtraucher sowie Anfang Januar 2013 Unisexbeiträge für Nichtraucher und Raucher. Sämtliche Daten wurden durch den Versicherungsberater Georg Pitzl aus Bobingen, am Markt ermittelt und von ÖKO-TEST den Versicherungsunternehmen für eine Verifizierung zurückgespielt. Die Bewertung wurde ebenfalls von ÖKO-TEST vorgenommen. Zur Ermittlung der Gesamtnote wurde in jedem Modellfall der Unterschied zwischen höchstem und niedrigstem Zahlbeitrag sowie zwischen höchstem und niedrigstem Maximalbeitrag in vier gleich große Klassen geteilt (ohne Berücksichtigung des Nettotarifs).