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136 Rückkaufsmöglichkeiten von Rentenabschlägen im Test

ÖKO-TEST Juni 2017
vom 26.05.2017

Rückkauf von Rentenabschlägen

Der Staat zahlt mehr

Wer ab 50 freiwillig Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung steckt, macht ein gutes Geschäft. Denn unterm Strich bringt das mehr Geld als jede private Vorsorge. ÖKO-TEST zeigt, welche Möglichkeiten auch gesetzlich Pflichtversicherten neuerdings offenstehen - und wie hoch das Rentenplus durch Sonderzahlungen ist.

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26.05.2017 | Reicht die Rente? Diese bange Frage stellt sich vor allem die Generation 50+ mindestens einmal pro Jahr, wenn die persönliche Renteninformation in der Post liegt. Denn bis zur Rente ist es nicht mehr weit. Doch es bleibt gerade noch ausreichend Zeit, um letzte Lücken zu schließen. Nur die Frage nach dem "wie" wird in Zeiten anhaltender Niedrigzinsen immer komplizierter. Denn geschenkt wird Vorsorgesparern nichts mehr - vor allem keine üppigen und sicheren Zinsen.

Der Blick in die Renteninfo, die seit 2004 jedes Jahr von der Deutschen Rentenversicherung (DRV) an alle Versicherten über 27 mit mindestens fünf Beitragsjahren verschickt wird, um sie über die aktuellen und künftigen Ansprüche zu informieren, führt daher oft zu tiefer Verunsicherung. Denn immer mehr Bürger bezweifeln, dass die drohenden Lücken mit zusätzlicher privater Altersvorsorge geschlossen werden können. Was dabei jedoch oft übersehen wird: Arbeitnehmer können freiwillig mehr Geld in die gesetzliche Rente (GRV) einzahlen und so ihr Alterseinkommen aufbessern. Das lohnt sich im derzeitigen Niedrigzinsumfeld besonders. Denn die Rendite der GRV ist mit rund drei Prozent zwar nicht üppig, doch vor dem Hintergrund von verschwindend geringen Minizinsen für risikolose Geldanlagen ausgesprochen attraktiv.

Für sozialversicherungspflichtig Beschäftigte sind die Möglichkeiten allerdings begrenzt. Pflichtversicherte haben nur zwei Chancen auf ein freiwilliges Rentenplus: Sie können für Zeiten ihrer Schul- und Hochschulausbildung Beiträge nachzahlen. Das geht aber nur bis zum 45. Lebensjahr. Oder sie können freiwillig Beiträge in die GRV einzahlen, um spätere Abschläge auszugleichen, falls sie früher in Rente gehen. Diese Möglichkeit stand schon bislang allen Versicherten offen, die mindestens 55 Jahre alt sind und es bis 63 voraussichtlich auf 35 Beitragsjahre in der GRV bringen. Sie wurde aber kaum genutzt. Denn auch die GRV selbst wies kaum darauf hin. Bislang machen daher gerade mal 1.000 Bürger vom Rückkauf der Abschläge Gebrauch.

Mit dem neuen Flexi-Gesetz, das 2016 verabschiedet wurde, hat der Gesetzgeber das bislang kaum genutzte Türchen allerdings deutlich weiter aufgestoßen. Ab 1. Juli dieses Jahres wird es auch Versicherten ab 50 möglich sein, etwaige Rentenabschläge mit freiwilligen Beiträgen auszugleichen. Zudem müssen sie dafür nicht mehr so viel Geld auf einmal in die Hand nehmen wie bislang. Denn der Ausgleichsbetrag kann über die Jahre bis zum 63. Lebensjahr gestreckt werden. Solche Teilzahlungen sind nicht nur leichter zu schultern, sondern auch steuerlich sinnvoll. Denn so können die Beiträge jedes Jahr ganz oder zumindest teilweise im Rahmen der Altersvorsorgeaufwendungen bei der Steuererklärung abgesetzt werden . Der besondere Clou liegt allerdings darin, dass man die Ausgleichszahlungen auch leisten kann, wenn man gar nicht früher in Rente gehen will. Mit der Zahlung halten sich Versicherte lediglich die Option auf eine abschlagsfreie vorzeitige Rente offen. Entsche

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Weitere Informationen

Basis für die Berechnung der Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV)waren die aktuellen Daten zur gesetzlichen Rente (Beitragssatz, Durchschnittsverdienst, Rentenwert (EP)), wie sie die Deutsche Rentenversicherung Bund für das erste Halbjahr 2017 (stand 01.01- 30.06. 2017) veröffentlicht hat. Ausgehend von einem 50jährigen Durchschnitts- und einem gleichaltrigen Besserverdiener wurde jeweils ermittelt, wie hoch der Abschlagsbetrag ist, den beide derzeit jeweils aufwenden müssten, wenn sie in 13 Jahren im Alter von 63 Jahren vorgezogen in Rente gehen und die dann fälligen Abschläge von jeweils 14,4 Prozent ihrer dann vorhandenen Rentenansprüche ausgleichen wollen. Dabei wurde allerdings unterstellt, dass die ab 01.07.2017 geltenden Berechnungsregeln nach dem neuen Flexi-Gesetz in den Musterfällen bereits gelten würden. Das bedeutet: Unsere Musterkunden können ihren Antrag bereits mit 50 stellen und den Ausgleichsbetrag wahlweise in einer Summe oder ratenweise aufbringen. Die so ermittelten Leistungen der staatlichen Rentenversicherung (GRV) wurden anschließend den untersuchten privaten Vorsorgeangeboten gegenübergestellt. Da die GRV neben der Altersrente zusätzliche Leistungen wie eine Erwerbsminderungsrente, Rehabilitationsmaßnahmen und Hinterbliebenenrente umfasst, kamen dabei aber nur Klassiktarife mit Garantie in den Vergleich, die in der Ansparphase als Todesfallleistung mindestens Beitragsrückgewähr und im Rentenbezug als Todesfallleistung entweder eine maximale Rentengarantiezeit bieten oder das Restkapital nach Abzug bereits gezahlter Renten für Hinterbliebene ausschütten. Zudem wurden die GRV-Leistungen zuvor noch bereinigt. Da gesetzlich krankenversicherte Rentner bzw. all jene, die später Pflichtmitglieder in der Krankenversicherung der Rentner (KVdR) sind, auf die GRV den Arbeitnehmeranteil Krankenversicherung nebst Zusatzbeitrag je Krankenkasse und den vollen Pflegeversicherungsbeitrag zahlen müssen, wurden die ermittelten Bruttoleistung der GRV durchgängig um 10,85 Prozent Kranken- und Pflegeversicherungsbeitrag gekürzt. So kann der Leser auf Anhieb erkennen, welche Leistung für den gleichen Beitrag das Gros der Arbeitnehmer wahlweise beim Staat oder bei einem privaten Versicherer erzielen kann.

Weitere Vorgaben: Bei Ratenzahlung wurde unterstellt, dass die Musterkunden den Ausgleichsbetrag in monatlich gleichbleibenden Raten abstottern wollen. Im Fall der GRV müssten die Beiträge dafür zunächst sechs Monate lang ohne Zins angespart und dann als Halbjahresbeitrag überwiesen werden. Bei privaten Anbietern ins monatliche Zahlweise dagegen problemlos möglich. In allen Fällen wurde zudem geprüft, welche Leistungen sich sowohl bei der gesetzlichen Rente als auch bei privaten Anbietern ergeben, wenn die Musterkunden sich später anders entscheiden und doch erst mit 67 in Rente gehen - ohne den Ausgleichsbetrag noch einmal anzupassen. Bei der gesetzlichen Rente wurde dafür sowohl in den vier Jahren nach Erreichung des 63. Lebensjahres als auch im Rentenbezug eine Dynamisierung des zurückgekauften Rentenabschlags um 1,5 Prozent unterstellt. Bei privaten Anbietern wurde stattdessen die Laufzeit (Wartezeit) bis Rentenbeginn auf 17 Jahre verlängert (Tarife gegen Einmalbetrag) bzw. unterstellt, der Abschlagbetrag würde in - entsprechend geringeren - gleichbleibenden monatlichen Raten bis zum 67. Lebensjahr gezahlt (Tarife gegen Monatsbeitrag.

Folgende Musterfälle wurden untersucht: Renten gegen Einmalbeitrag: Musterfall 1: Mann, 50, (geb. 1.4.1967) Einmalbeitrag für eine aufgeschobene Leibrente: 47.854,55 Euro. Variante 1a: Rentenbeginn mit 63 Jahren; Variante 1 b: Rentenbeginn mit 67 Jahren. Musterfall 2: Mann 50, (geb. 104.1967) Einmalbeitrag für eine aufgeschobene Leibrente: 87.803,68 Euro. Variante 2a: Rentenbeginn mit 63 Jahren; Variante 2b: Rentenbeginn mit 67 Jahren.

Renten gegen laufenden Monatsbeitrag: Musterfall 1: Mann 50 (geb. 1.4.1967). Variante 1a: Monatsbeitrag 306,76 Euro, Rentenbeginn mit 63 Jahren; Variante 1b: Monatsbeitrag 234,58 Euro, Rentenbeginn mit 67 Jahren. Musterfall 2: Mann 50 (geb. 1.4.1967). Variante 2a: Monatsbeitrag 562,84 Euro, Rentenbeginn mit 63 Jahren; Variante 2b: Monatsbeitrag 430,41 Euro, Rentenbeginn mit 67 Jahren

Sämtliche Vertragsdaten wurden online oder im Rahmen des mystery-shoppings verdeckt am Markt bei Anbietern, Vermittlern und Onlineportalen erhoben, einer detaillierten Plausibilitätsprüfung unterzogen und den Anbietern anschließend zur Verifizierung zurückgespielt. Die Abschlagsbeträge zur gesetzlichen Rente wurden zuvor von ÖKO-TEST ermittelt und anschließend der GRV zur Verifizierung vorgelegt. Eine Überprüfung, ob die ausgewiesenen Überschusserträge vom jeweiligen Versicherer auch dauerhaft erwirtschaftet werden können, erfolgte nicht; genauso erfolgte keine Überprüfung, ob die unterstellte Erhöhung der GRV um 1,5 Prozent dauerhaft erwirtschaftet werden kann. Die abschließende Auswahl der Kriterien, die Bewertung der Inhalte und das abschließende Ranking der Tarife wurden allein durch ÖKO-TEST vorgenommen.

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ÖKO-TEST-Magazin 6/2017:

Rückkauf von Rentenabschlägen

Der Staat zahlt mehr.

Reicht die Rente? Diese bange Frage stellt sich vor allem die Generation 50+ spätestens immer dann, wenn die persönliche Renteninformation in der Post liegt. Grund genug für ÖKO-TEST, einmal zu prüfen, ob und für wen sich der Rückkauf von Rentenabschlägen lohnt oder ob das Geld dafür bei einem privaten Versicherer nicht vielleicht besser investiert ist.