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Ratgeber Rente, Geld, Versicherungen 8:2010
vom

Waldinvestments

Auf dem Holzweg

Mit Edelhölzern Geld verdienen und gleichzeitig Gutes für das Klima tun - das versprechen Waldinvestments. Doch Anleger sollten vor lauter Bäumen die Risiken nicht übersehen. Viele Geschäftsmodelle sind undurchsichtig.

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01.10.2010 | Die Idee klingt ebenso einfach wie überzeugend: Wer sein Geld in die Wald- und Forstwirtschaft investiert, erzielt eine vergleichsweise krisensichere und inflationsstabile Rendite. Weil Bäume anders als andere Rohstoffe ganz von alleine wachsen, steigt ihr Wert mit der Zeit automatisch an - auch in Finanzkrisen und Rezessionen. Je mehr der Baum an Höhe und Umfang gewinnt, desto wertvoller wird die Anlage -, und zwar unabhängig davon, was an der Börse passiert.

Das Investment ist zudem nicht nur für den Geldbeutel gut, sondern stiftet auch ökologischen und sozialen Nutzen: Weil Bäume während ihres Wachstums mehr Kohlendioxid aufnehmen als sie abgeben, dienen sie dem Klimaschutz. Zugleich bremsen sie die Erosion fruchtbarer Böden, schaffen im besten Fall Schutzzonen für Tiere und Pflanzen.

Diese Symbiose von Ökologie und Ökonomie, die Anbieter von Holzinvestments immer wieder gern beschwören, lässt sich glänzend vermarkten. Kein Wunder daher, dass das Geschäft der Baumanbieter boomt. Rund 450 Millionen Euro Anlegerkapital wollten allein die Initiatoren geschlossener Fonds 2009 am deutschen Beteiligungsmarkt einsammeln. Ein Grund dabei: Weil das Geschäft mit Anteilen von Immobilien oder Schiffen zunehmend schwieriger geworden ist, haben sie nunmehr die Holzklasse für sich entdeckt. Doch auch die Anbieter von Waldaktien, Waldaktienfonds und -zertifikaten wetteifern um Kunden. Neuerdings gibt es sogar Baumanleihen und partiarische Darlehen. Das sind Darlehen, bei denen statt Zinsen eine Gewinnbeteiligung gezahlt wird. Wieder andere offerieren Termingeschäfte auf Holz oder verkaufen und verpachten bewirtschaftete Waldflächen in Parzellen weiter - sind also im Immobiliengeschäft aktiv.

Die Fülle der Angebote ist für Anleger nicht nur verwirrend. Ein Blick hinter die Geschäftsmodelle zeigt: Jeder Anbieter investiert in einer anderen Gegend, pflanzt andere Bäume und hat sein ganz eigenes Geschäftsmodell, wie er Anleger am Baum- und Forstertrag beteiligen will. Entsprechend unterschiedlich sind die in Aussicht gestellten Renditen. Die Bandbreite reicht von 3,0 bis 15 Prozent pro Jahr. Dabei wird immer über die gesamte Laufzeit gerechnet.

Denn mit Ausnahme liquider börsennotierter Investments, wie Aktien, offenen Fonds und Zertifikaten, sind Forstinvestments keine kurzfristige Anlage. Die ersten Erträge sind je nach Baumart nach acht bis elf Jahren zu erwarten, im Schnitt beträgt die Laufzeit bis zur Ernte sogar 20 bis 25 Jahre. Anleger brauchen also einen langen Atem. Waldanlagen sind vor allem selten Investments, die laufende Erträge bringen. Meist wird lediglich auf eine hohe Endausschüttung spekuliert. Die fließt erst bei Laufzeitende und wird aus dem Verkauf des Waldes und/oder des Waldgrundstücks finanziert.

Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg rät bei den Produkten daher zu großer Skepsis: "Die Unwägbarkeiten sind immens." Auch eine grüne Rendite ist längst nicht immer garantiert. Zwar sichern alle Anbieter eine "nachhaltige Forstwirtschaft" zu und die meisten wollen ihre Forste auch zertifizieren lassen. Der Grund ist simpel: Ohne Öko-Label lässt sich Holz heute kaum noch vermarkten. Wie genau es der Anbieter mit der Ökologie nimmt, verrät daher eher ein Blick auf das gewählte Zertifizierungsverfahren. Manche wählen das PEFC-Verfahren, andere das als strenger geltende Siegel des FSC.

Anbieter wie Jamestown oder die KG Allgemeine Leasing GmbH & Co (KGAL) konzentrieren sich zum Beispiel auf Waldflächen im Südosten der USA. Das kommt nicht von ungefähr: Die USA sind der größte Produzent und Verbraucher von Holzprodukten. Mit 300 Millionen Hektar zählen die USA zu den waldreichsten Staaten der Welt. Zugleich sind sie einer der größten Nutzer von Holz als Baumaterial: 95 Prozent aller amerikanischen Eigenheime werden aus Holz gebaut.

Obendrein sind Wald- und Forstinvestments in den USA längst fester Bestandteil der Vermögensanlage institutioneller Investoren. So gehören zum Beispiel die Universitätsfonds von Harvard und Yale weltweit zu den größten Waldbesitzern, ebenso Stiftungen und Pensionskassen.

Mit idyllischer Forstwirtschaft haben US-Holzfarmen aber wenig gemein. Bis auf wenige Ausnahmen handelt es sich um industriell bewirtschaftete Plantagen. Beliebt sind große Monokulturen in Klimazonen, die schnelles Wachstum ermöglichen. Auch bei der Baumpflege wird nichts dem Zufall überlassen, notfalls sorgen Dünger und Chemie dafür. Es wird immer wieder durchgeforstet, da die Entfernung von Unterholz vor Bränden schützt. Etwa ein Drittel des Holzes wird entnommen, um das Wachstum der übrigen Bäume zu fördern. Dadurch können die Forste die gesamte Vermarktungskette bedienen: Faserholz oder "pulp wood" geht als Industrieholz an die Papier- und Pelletsindustrie. Span- und Sägeholz wird in der Baubranche vermarktet, das Schnittholz in der Bau- und Möbelindustrie.

Das professionelle Management spiegelt sich in den Erträgen wider, wie die Entwicklung des Ncreif Timberland Property Index eindrucksvoll zeigt. Das Forstbarometer, das rund 300 Grundstücke in den USA mit einer Gesamtfläche von über vier Millionen Hektar Wald und einem Marktwert von fast 18 Milliarden US-Dollar erfasst, legte seit 1987 fast jährlich um 15 Prozent zu - und stellt damit viele andere Anlageklassen in den Schatten. Erst zwei Mal, 2001 und Anfang vergangenen Jahres, rutschte der Index infolge der Turbulenzen an den Finanzmärkten leicht in die roten Zahlen. Mit minus 6,54 Prozent im vierten Quartal 2001 und minus 1,2 Prozent im zweiten Quartal 2009 waren die Verluste - verglichen mit Aktien und Anleihen - aber noch moderat.

Dennoch gilt: Zweistellige Renditen wie in der Vergangenheit werden Anleger auch am vergleichsweise großen und transparenten US-Forstmarkt in Zukunft wohl kaum dauerhaft erzielen. Zum einen gehen die hohen Steigerungssätze des Timberland-Index nicht allein auf die Forsterträge zurück. "In den Index fließen auch die Waldbodenpreise mit ein. Das macht etwa die Hälfte der Rendite aus", weiß Forstwissenschaftler Thomas Knoke von der Technischen Universität München. Zum anderen hat die Finanzkrise auch die Holzwirtschaft erwischt. Der Kollaps des US-Immobilienmarktes traf die Branche schwer. Die Zahl der Neubauten ist 2008 auf ein Rekordtief gesunken, allein das drückt in den USA schon auf die Holzpreise. Auch die Papier- und Holzindustrie hat weltweit kräftige Gewinneinbrüche hinnehmen müssen.

Dass die weltweite Nachfrage nach Holz- und Holzprodukten für längere Zeit sinkt, halten Experten jedoch für unwahrscheinlich. Allein durch das Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum - die UN geht davon aus, dass 2050 rund neun Milliarden Menschen die Welt bevölkern - wird mit einer Verdoppelung des Holzverbrauchs gerechnet. Die weltweite Klimaschutzpolitik und die verstärkte Förderung des Einsatzes erneuerbarer Energien werden diesen Trend nach Einschätzung des Instituts für Weltforstwirtschaft in Hamburg noch verstärken. Denn als nachwachsender Rohstoff ist Holz nicht nur als Baumaterial und in der Möbelwirtschaft begehrt, sondern auch als Basis für Papier und als alternativer Brennstoff zu Öl und Gas.

Während also das Umfeld für Holzinvestments wie geschaffen ist, bleibt die Auswahl der geeigneten Anlageform schwierig. Die klassische Form der Holzanlage ist eigener Waldbesitz. Das klingt verlockend, ist aber kompliziert. Ein Forst wächst nicht von allein, sondern muss fachkundig bewirtschaftet werden. Auch die Vermarktung ist nur etwas für Kenner. Zwar wird der Rohstoff weltweit gehandelt. Es gibt aber keine einheitliche Börse und auch keinen Weltmarktpreis dafür. Der Kubikmeter Teak kann je nach Qualität und lokalen Marktverhältnissen zwischen 275 und 3.500 US-Dollar kosten. Das belegt jedenfalls der ITTO-Report der Internationalen Tropenholz Organisation (ITTO), der alle zwei Wochen über die Marktentwicklung informiert.

Außerdem muss der Besitz groß genug sein, um sich rentabel bewirtschaften zu lassen. In Deutschland war der Waldbesitz daher lange Zeit den Reichen und dem Adel vorbehalten, wie der Fürstenfamilie von Thurn und Taxis. Mittlerweile soll Waldbesitz aber auch für Durchschnittsbürger erschwinglich sein. Möglich machen das sogenannte Direktinvestments, die deutsche Anbieter wie Miller Forest, Forest Finance, Rainforest-Invest, die schweizerische Life Forestry oder die spanische EcoBosQues anbieten.

Das Modell ist meist ähnlich: Anleger pachten oder kaufen eine vergleichsweise kleine, aufzuforstende Fläche in Costa Rica, Ecuador, Paraguay oder Panama und schließen gleichzeitig einen Dienstleistungsvertrag für die Aufforstung des Waldgrundstücks ab. Der Preis für das Komplettpaket, der je nach Anbieter und Grundstücksgröße zwischen 1.500 (1/10 Hektar) und 30.000 Euro (ein Hektar) kosten kann, wird im Voraus fällig. Wenn alles gut geht, gibt es am Ende der Laufzeit von 15 bis 25 Jahren das eingezahlte Kapital plus eine ordentliche Rendite zurück. Je nach Produkt und Anbieter werden Renditen von umgerechnet 3,3 bis 14,9 Prozent pro Jahr versprochen.

Läuft es schief, kann der Kapitaleinsatz aber auch komplett verloren gehen. Denn das Geld fern der Heimat über Jahre und Jahrzehnte in verhältnismäßig kleine und meist wenig transparente Projekte zu stecken, birgt ein hohes Risiko. Zudem handelt es sich auch bei Direktinvestments um Angebote des sogenannten Grauen Kapitalmarkts, die keinerlei staatlicher Aufsicht unterliegen. Das bedeutet: Anleger müssen selbst abschätzen, ob die Anbieter seriös, die Angebote fair und die Vertragsbedingungen transparent sind.

Obendrein drohen rechtliche Risiken. Viele interessante Waldgebiete liegen in Ländern mit wackeligem Rechtsstaat. Was also geschieht mit dem Vermögen der Waldbesitzer, wenn ein Staat nachmacht, was südamerikanische Länder mit der faktischen Enteignung von Erdöl- und Gasförderern bereits vorgemacht haben? Im Zweifel ist selbst eine Grundbucheintragung in Südamerika das Papier nicht mehr wert, auf dem sie geschrieben steht, wenn der Präsident unter patriotischen Vorgaben den Wald per Dekret den ausländischen Investoren entreißt.

Auch die Natur birgt Gefahren. Schädlingsbefall, Brand oder Sturm sowie Überschwemmungen können die Bäume vernichten. Schlampiges Forstmanagement hebelt die schönste Renditerechnung ebenfalls aus. Zudem sind die Kostenstrukturen schwer zu durchschauen - sofern sie überhaupt aufgedeckt werden. Die Renditeprognosen sind meist vage und selten nachprüfbar. Und nicht zuletzt droht zumindest bei ausländischen Anlagen ein Währungsrisiko. Die Holzpreise werden in US-Dollar kalkuliert. Fällt der Greenback, sind also auch die Wälder weniger wert - in Euro umgerechnet. "Für Anleger ist die Vielfalt der Vertragsmodelle und Risiken kaum zu durchschauen, geschweige denn zu vergleichen", warnt daher Nauhauser.

Zudem tummeln sich auch schwarze Schafe im Geschäft. Ein warnendes Beispiel ist der Fall der Züricher Firma Prime Forestry. Für Anleger klang deren Angebot nach einer richtig guten Sache: Teakholz in Panama, auf ökologisch bewirtschafteten Plantagen mit fair bezahlten Arbeitern - wer hier investierte, durfte sich als Retter des Regenwaldes fühlen. Obendrein winkte eine zweistellige Rendite. Den Investoren, genannt Baumpartner, die beispielsweise 28.000 Euro für einen Hektar Land mit 1.100 Bäumen einzahlten, wurde eine Verzinsung von 14 Prozent versprochen. Zum Beweis der Redlichkeit sorgte der damalige Vorstandsvorsitzende Emil Meier für einen seriösen Auftritt und band honorige Leute in das Projekt ein, wie die ehemalige schweizerische Geschäftsführerin des World Wildlife Fund (WWF), Carol Franklin. Die Wälder wurden werbewirksam FSC-zertifiziert. Und wer genauer wissen wollte, was mit seiner Einlage geschieht, dem wurde eine Plantagentour für 1.270 Dollar exklusive Flug offeriert. Und vor Ort bekamen die Investoren auch tatsächlich Bäume zu sehen.

Dass sie ihr Geld in Wahrheit nur verbrannt hatten, merkten Anleger erst, als die Staatsanwaltschaft 2006 die Geschäftsräume der Firma in Zürich durchsuchen ließ. Wie sich herausstellte, hatten die Prime-Forestry-Chefs die Kassen geplündert und den Großteil der Anlagegelder in die Karibik verschoben. Etwa 3.000 Baumpartner, darunter viele Kleinanleger aus Ostdeutschland, hätten womöglich ihren gesamten Kapitaleinsatz verloren, wenn Carol Franklin nicht eine Auffanggesellschaft gegründet hätte, um das Land - und damit wengistens einen Teil des Geldes - zu retten.

Das Desaster war nach Meinung von Marktkennern sogar absehbar. Denn die Teak-Investments wurden immer um ein Vielfaches zu teuer verkauft. Anleger zahlten seinerzeit umgerechnet etwa 24.000 Euro für einen frisch bepflanzten Hektar Teak. Das war viel zu teuer, meint Precious Woods, eine auf nachhaltige Forstwirtschaft in Südamerika spezialisierte Aktiengesellschaft aus der Schweiz. Nach deren Berechnung entsprach der Kaufpreis seinerzeit dem Wert von erntereifem, 18 Jahre alten Teakholz. Ein neu bepflanztes Grundstück hätte dagegen nur wenige 1.000 Euro kosten dürfen.

Prime Forestry war zudem nicht der einzige Fall, bei dem Investoren mit unrealistischen Gewinnannahmen über den Tisch gezogen wurden. "Bei Direktinvestments und Beteiligungen sollten Anleger die Seriosität und Kompetenz des Anbieters vor dem Einstieg daher akribisch prüfen, sofern sie überhaupt zugreifen", warnt daher Dorothea Mohn vom Verbraucherzentrale Bundesverband. Dubiose Offerten sind aber bei allen Graumarktangeboten auch weiterhin nicht ausgeschlossen.

Wem geschlossene Fonds, Beteiligungen oder Direktinvestments zu riskant sind, kann aber auch auf offene Investmentfonds, Aktien oder Zertifikate ausweichen. Die Schweizer Privatbank Pictet bietet seit vergangenem Jahr zum Beispiel einen Aktienfonds an, der weltweit in Unternehmen der Forstwirtschaft investiert. Schwerpunkt beim F(Lux)-Timber sind Firmen, die Wälder und Forstanlagen besitzen oder verwalten. Die Catella Real Estate hat sogar einen offenen Immobilienfonds aufgelegt, der in Waldflächen mit unterschiedlichen Baumarten investiert. Während der Fonds selbst aber nur institutionellen Anlegern ab 500.000 Euro Anlagesumme offensteht, können sich Kleinanleger über das von Alceda Star in Luxemburg aufgelegte Zertifikat an der Weltentwicklung beteiligen.

Vergleichsweise kostengünstig ist die Anlage in börsennotierten Indexfonds (ETF), die einen Waldaktienindex nachbilden. Einen solchen ETF auf den Stand&Poors Global Timber Forestry Index, der die 25 größten börsennotierten Unternehmen der Holz- und Forstwirtschaft repräsentiert, hat I-Shares im Angebot. Daneben gibt es zahlreiche Zertifikate, die auf verschiedene Holzaktienfonds oder -indizes setzen.

Wirklich nachhaltige Aktien sind in solchen Indizes jedoch selten zu finden. Denn nachhaltige Unternehmensperlen auf dem Holzsektor sind rar. Eine Ausnahme ist der Hamburger Bambusproduzent Asian Bamboo, der weltweit zu den führenden Bambusspezialisten mit nachhaltiger Forstwirtschafts- und Anlagepolitik. Daneben gibt es die österreichische THI sowie die Schweizer Precious Woods AG, die sogar zu den 20 nachhaltigsten Aktien der Welt zählt.

Schwierige Öko-Siegel

Waldinvestments sind nicht per se ökologisch. Es kommt vielmehr auf die Art der Bewirtschaftung an. Bei nachhaltiger Forstwirtschaft ist zum Beispiel Kahlschlag ausgeschlossen, das Holz wird umweltgerecht gewonnen, naturnahe Wälder erhalten und auf den Einsatz von chemischen Dünge- oder Pflanzenschutzmitteln weitgehend verzichtet. Um auch gegenüber Investoren sowie den Holzabnehmern zu dokumentieren, dass sie nachhaltige Forstwirtschaft betreiben, können sich Waldbesitzer und forstwirtschaftliche Betriebe zertifizieren lassen. Derzeit gibt es zwei Gütesiegel, das PEFC (Pan-European-Forest-Certifikation und das FSC-(Forest Stewardship Council)-Zertifikat. Das PEFC-Siegel geht auf die Beschlüsse der Umweltkonferenz von Rio 1992 zurück. Es steht aber im Ruf, laschere Kriterien anzuwenden und eher der industriellen Forstwirtschaft nahezustehen. Das FSC-Siegel wurde ebenfalls nach Rio ins Leben gerufen und setzt sich für ökologische und soziale Mindeststandards bei der Waldbewirtschaftung sowie den Erhalt von Naturwäldern ein. Die Kriterien gelten als strenger.

Doch auch das FSC-Zertifikat wird kritisiert. Denn die Kriterien werden den Gegebenheiten vor Ort angepasst. So kam es in den vergangenen Jahren immer wieder vor, dass auch größere Monokulturen zertifiziert wurden, selbst mit Eukalyptus. Dabei werden Monokulturen ökologisch ohnehin kritisch gesehen. Plantagen mit Eukalyptus gelten sogar als umweltschädlich, weil ihr hoher Wasserbedarf den Boden auslaugt und den Grundwasserspiegel senkt. Die Umweltschutzorganisation Robin Wood ist in 2009 wegen Bedenken bei der Zertifizierung aus dem FSC ausgetreten. Andere Kritiker, darunter auch Gründer des FSC wie Simon Counsell, berichten auf www.FSC-watch.org immer wieder über aktuelle Probleme und mahnen Reformen an.

Als Hauptproblem beim FSC gilt vor allem die Zertifizierung. Kritiker wie Pro Regenwald e.V. bemängeln, dass die Zertifizierer nicht wirklich unabhängig sind. Denn der Betrieb sucht sich den Zertifizierer selbst aus und bezahlt ihn. Genau wie in der Finanzwirtschaft stellt sich daher die Frage, welchen Wert ein bezahltes Rating hat. Mehr noch: Weil durch die vorgeschriebenen regelmäßigen Kontrollen in den Folgejahren weitere Einnahmen winken, sind Interessenkonflikte bisweilen vorprogrammiert.

In grau-grünem Nebel

Bei einem Großteil der Waldinvestments handelt es sich um sogenannte Offerten des "Grauen Kapitalmarkts". Eine Ausnahme bilden lediglich börsennotierte Wertpapiere. Der Graumarkt dagegen ist staatlich nicht geregelt und überwacht. Anleger sollten daher besonders kritisch sein. Hier drohen unüberschaubare Risiken, denn die gesetzlichen Anlegerschutzvorschriften sind minimal.

Grundsätzlich gilt:

Prospektpflicht gilt für alle öffentlichen Angebote, mit denen ein größerer Personenkreis zur Beteiligung an geschlossenen Fonds (Kommanditbeteiligung, Treuhandbeteiligung), nicht in Wertpapieren verbrieften Namensschuldverschreibungen, Genussscheinen etc. aufgefordert wird. Der Prospekt nach dem Prospektgesetz muss alle Angaben enthalten, die zur rechtlichen und wirtschaftlichen Beurteilung der Anlage notwendig sind und über die Vermögens- und Ertragslage des Anbieters informieren. Er muss von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (BaFin) genehmigt und dort hinterlegt werden. Die BaFin prüft aber nur auf Vollständigkeit und nicht inhaltlich. Die BaFin-Prüfung ist daher kein Gütesiegel. Ob ein Prospekt hinterlegt wurde, findet man unter http://ww2.bafin.de/database/VPInfo/index1.jsp

Wichtig: Direktinvestitionen, bei denen Anleger lediglich einen Einzelvertrag (Kauf-, Pacht-, Dienstleistungsvertrag) mit dem Anbieter schließen, fallen nicht unter die Prospektpflicht. Hier greifen also nicht einmal die Mindeststandards zum Anlegerschutz.

Prospektgutachten. Ob die Angaben im Prospekt plausibel sind und Anleger eine echte Chance haben, die versprochenen Renditen auch zu erzielen, verrät daher nur ein Gutachten durch einen Wirtschaftsprüfer nach dem sogenannten IDW-S4-Standard. Ob es ein Prospektgutachten gibt, lässt sich am ehesten unter www.geschlossene-fonds.de und www.anlegerschutzauskunft.de recherchieren.

Leistungsbilanz. Der Verband Geschlossener Fonds (VGF) fordert von seinen Mitgliedern zudem die Aufstellung einer jährlichen Leistungsbilanz nach einheitlichem Standard. Sie muss u.a. eine Aufstellung der bisher angebotenen Vermögensanlagen enthalten und exakt aufzeigen, wie sich diese jeweils entwickelt haben (Soll-Ist-Vergleich). So können Anleger erkennen, ob und wie realistisch der Anbieter kalkuliert. Wer Mitglied des VGF ist und eine Leistungsbilanz hinterlegt hat, finden Sie unter www.leistungsbilanzportal.de. Auch www.geschlossene-fonds.de und www.anlegerschutzauskunft.de geben Hinweise.

Diese Prüfpunkte sind aus Verbrauchersicht jedoch nur Mindestvorgaben. Eine Gewähr für den Anlageerfolg und die Seriosität des Anbieters geben auch sie nicht.

Der C02-Zertifikatehandel

Anbieter von Waldinvestments stellen ihren Anlegern auch mögliche Gewinne aus dem Verkauf von CO2-Emissionsrechten in Aussicht. Weil Bäume während ihres Wachstums mehr Kohlendioxid aufnehmen als sie abgeben, können sie das klimaschädliche Gas binden. Doch ob hier ein seriöser Geschäftszweig aufgebaut wird, muss erst die Zukunft zeigen. Das Kyoto-Protokoll erlaubt bislang nur Emissionsgutschriften aus Projekten, die brachliegende Waldflächen wieder aufforsten. Die offiziellen Richtlinien für solche Zertifikate sind streng. In der Datenbank der UNO sind derzeit gerade mal 13 Projekte weltweit gespeichert, die die Anforderungen erfüllen. Zum offiziellen Zertifikatehandel sind die aber noch nicht zugelassen.

Der Grund ist simpel: Die CO2-Bindung von Waldprojekten ist umstritten. Zum einen wird nach wie vor diskutiert, ob es überhaupt zuverlässige Berechnungsmethoden gibt, um den CO2-Gehalt in Wäldern zu erfassen. Denn Wald-Öko-Systeme sind höchst unterschiedlich. Bäume können je nach Alter, Wachstum, Art, Bodenbeschaffenheit und Klima unterschiedlich viel Kohlendioxid speichern. Je Hektar Land kann die Speichermenge zwischen 200 und 1.000 Tonnen CO2 liegen - und im Schnitt braucht ein Baum 70 Jahre, um eine Tonne CO2 zu kompensieren.

Fraglich ist aber auch, wie dauerhaft die Speicherung ist. So können Wälder durch Waldbrände und Schädlinge vernichtet werden, bei Holzschlag spielt sogar die spätere Nutzung eine Rolle. Kurz: Die Bewertung der CO2-Bindung ist mit großen Unsicherheiten behaftet. Eine neue Studie vom internationalen Verband forstwirtschaftlicher Forschungsanstalten (IUFRO) warnt sogar, infolge des Klimawandels könnte sich der Trend umkehren und die Wälder CO2 freisetzen statt es zu absorbieren.

Offizielle CO2-Zertifikate nach CDM-GoldStandard, das ist der höchste Standard für freiwillige Zertifikate, aus Waldprojekten gibt es bislang daher nicht. Gleichwohl hat sich längst ein privater Markt etabliert, der verschiedene eigene Standards für die Zertifizierung entwickelt hat. Und längst tummelt sich eine große Zahl von Anbietern, die mit Begriffen wie "carbon-free" oder "carbon-neutral" Privatpersonen und Unternehmen den Kauf von nicht regulierten CO2-Zertifikaten zur freiwilligen Kompensation von Treibhausgasemissionen offeriert - beispielsweise für Flugreisen. "Das ist ein völlig unkontrollierter Markt", kritisiert Thomas Brose vom Klima-Bündnis e.V. Ob die angestrebte CO2-Reduktion realitätsnah berechnet und wirklich erreicht wird, können Anleger kaum nachprüfen. Darüber hinaus fehlen transparente Regeln für die Nutzung. Schließlich muss auch sichergestellt werden, dass die freiwilligen CO2-Zertifikate nicht mehrfach verkauft, sondern stillgelegt werden. Eine entsprechende Datenbank gibt es bislang erst vom TÜV-Süd (Blue-Registry). Kurz: Der freiwillige CO2-Zertifikatehandel liegt derzeit noch tief im grau-grünen Nebel. Mit einer Checkliste zur Prüfung von Offerten aus dem freiwilligen Zertifikatehandel will das Umweltbundesamt bzw. die offizielle deutsche Emissionshandelsstelle aber etwas Licht ins Dunkel bringen. Die Checkliste gibt es im Internet unter www.umweltbundesamt.de/emissionshandel - Stichwort "Checkliste".



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Jamestown Timber 1, Tranche 2008/09

Was es ist: Bei Jamestown Timber beteiligen sich die Anleger an einem geschlossenen Fonds in den USA, der ein breit gestreutes Portfolio von Forstgrundstücken vorwiegend im Süden der USA professionell bewirtschaften und vermarkten will. Der Fonds will sich vor allem auf Forste mit jüngeren Kiefernbeständen im Süden der USA konzentrieren, die ein hohes Wachstumspozenzial haben. Anleger werden quasi Kommanditisten des US-Fonds. Die Mindestanlage beträgt 20.000 Dollar plus fünf Prozent Agio.

Was es bringt: Professionelle Forstinvestitionen im Süden der USA gelten als besonders rentabel, weil Kiefern dort drei- bis viermal so schnell wachsen wie in Europa. Zudem kann das Holz verschiedenen Vermarktungszwecken dienen, und zwar als Industrieholz für die Zellstoffproduktion in der Papierindustrie sowie für Holzpelletheizungen, als Span- und Sägeholz für den Bau und als Schnittholz für die Bau- und Möbelindustrie. Jamestown rechnet daher mit einer Rendite von fünf bis acht Prozent pro Jahr bei einer Anlagedauer von 15 Jahren. Zudem gibt es ein garantiertes Rückgaberecht (100 Prozent vom Eigenkapital ohne Agio) in Notfällen (längere Arbeitslosigkeit oder Berufsunfähigkeit, Insolvenz, Scheidung etc.). Die Einstiegskosten in den Fonds sind mit rund 13,3 Prozent vom Eigenkapital inklusive Agio vergleichsweise moderat. Außerdem will der Fonds kein Fremdkapital aufnehmen. Das minimiert das Risiko.

Wo es hakt: Weil bislang nur ein Forstgrundstück in South Carolina erworben wurde, kennen Anleger die einzelnen Investitionsgegenstände im Voraus nicht. Sie tragen daher ein hohes, sogenanntes "Blind-Pool"-Risiko. Darüber hinaus werden keine jährlichen Ausschüttungen zugesichert. Jamestown verfolgt ein flexibles Erntekonzept (nach Angebot und Nachfrage am Holzmarkt) und schüttet erst bei umfangreichen Holz- und/oder Grundstücksverkäufen aus. Die externe Mittelverwendungskontrolle erstreckt sich zudem nur auf die Investitionsphase. Eine zertifizierte Forstbewirtschaftung wird angestrebt, zudem setzt Jamestown auf klimaneutrale Energieproduktion und umweltfreundliches Bauen. Doch anders als bei Aufforstungsprojekten werden keine "dunkelgrünen" Ambitionen verfolgt.

Was wir davon halten: Jamestown gilt als führender Spezialist für US-Immobilienfonds und hat sein Team für den Waldfonds um ausgewiesene Forstspezialisten verstärkt. Das verspricht ein professionelles Management. Die bisherige Leistungsbilanz sowie diverse Ratingurteile belegen Transparenz und Seriosität. Für Anleger, die bereit sind, das wirtschaftliche Risiko zu tragen, also ein interessantes Investment - allerdings nur mit hellgrünen Tupfern.



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Forest Finance

Was es ist: Die Forest-Finance-Gruppe bietet Anlegern verschiedene Waldinvestmentprodukte an, mit denen sie sich an der ökologischen Waldwirtschaft in Panama beteiligen können. Das Angebot reicht vom BaumSparbuch für Sparer über WaldSparbücher und andere Angebote für die Einmalanlage wie Green Teak, Cacao- oder WoodStockInvest.

Was es bringt: Forest Finance will nach eigenen Angaben ertragreiche Investitionen und ökologisch sinnvolle Aktivitäten miteinander verbinden. Vermarktet werden Produkte zur Aufforstung von ehemaligem Weideland zu ökologischem Mischwald nach nachhaltigen Kriterien. Die Plantagen werden mit hochwertigen tropischen Edelhölzern beflanzt, darunter Teak und Amarillo. Aus der Ernte der Hölzer in spätestens 25 Jahren soll Anlegern eine üppige Rendite erwachsen - je nach Produkt - zwischen fünf bis elf Prozent pro Jahr. Einige bereits aufgeforstete Plantagen, die Forest Finance von seinem früheren Geschäftspartner Futuro Forestal übernommen hat, sind FSC-zertifiziert.

Wo es hakt: Forest Finance informiert ausführlich über seine ökologische Forstwirtschaft, die Lage bestehender Fincas und das Wachstum der Bäume. Doch über andere, ebenso wichtige ökonomische Details der Verträge, wie Kosten und Mittelverwendung, schweigt sich das Unternehmen mit Sitz in Bonn und Panama aus. Darüber hinaus werden in Prospekten und Verträgen widersprüchliche und missverständliche Begriffe verwandt, was Anleger verwirren kann. So handelt es sich bei dem "WaldSparbuch" mit "Einlageabsicherung", das Anlegern die Möglichkeit bietet, selbst "Waldbesitzer" zu werden, keinesfalls um ein herkömmliches Sparbuch. Ein Blick in den Vertrag zeigt, dass der Anleger lediglich einen Pacht- und Forstwirtschaftsvertrag über 25 Jahre abschließt. Dabei "erwirbt" er zwar je "Sparbuch" 1.000 m² Land in Panama. Eigentümer des Grundstücks, wie der Laie irrtümlich denken könnte, wird er aber nicht. Eigentum erwirbt er nur an den Bäumen, das Grundstück wird von Forest Finance lediglich an ihn verpachtet - deshalb sei ja auch nur von "Waldbesitzer" die Rede, gibt Forest Finance auf Nachfrage an.

Auch mit der Sicherheit, die Forest Finance Anlegern beim WaldSparbuch suggeriert, ist es bei näherer Betrachtung nicht weit her. So bleibt zum Beispiel offen, was mit den Bäumen passiert, falls Forest Finance oder die Tochter in Panama insolvent werden sollte. Als "Einlageabsicherung" räumt das Unternehmen seinen Anlegern lediglich eine Rückkaufgarantie zu einem fixen Preis ein: Wenn WaldSparer den 25 Jahre laufenden Vertrag nach vier Jahren kündigen, erhalten sie zehn Prozent der einbezahlten Summe zurück. Wer länger durchhält, bekommt mehr. Den vollen Kapitaleinsatz gibt es jedoch frühestens nach 13 Jahren zurück. Mit der Einlagesicherung deutscher Sparanlagen, an die unbedarfte Anleger beim Lesen des Prospekts denken könnten, hat die "Absicherung" beim WaldSparbuch also gar nichts zu tun.

Bleibt die Frage, wie und wo Ansprüche überhaupt geltend gemacht werden können, und zwar nicht nur bei Kündigung, sondern auch falls es mit Aufforstung, Pflege und Ernte nicht wie geplant klappt. Geschlossen wird der Vertrag mit der Forest Finance in Panama und der deutschen Mutter, der Forest Finance Service GmbH in Bonn. Laut AGB gilt deutsches Recht. Verwirrend nur: Harry Assenmacher, der Geschäftsführer beider Gesellschaften ist, unterschreibt den Vertrag lediglich als Geschäftsführer der panamaischen Gesellschaft. Das bedeutet: Klagen kann der Anleger zwar in Deutschland, durchsetzen muss er seine Ansprüche aber womöglich in Panama - ein schwieriges Unterfangen.

Auch die Kosten bleiben nahezu komplett im Dunkeln: Für ein Hektar Land in Panama inklusive Pacht, Aufforstung mit 1.100 Setzlingen und 25 Jahre Forstmanagement zahlt ein Investor - je nach Produkt und Grundstücksanteil - zwischen 23.000 bis 29.000 Euro. Zusätzlich gehen für die Ernte laut AGB später vier Prozent vom Verkaufserlös ab. Im Internet ist beim Produkt Green Teak jedoch von 15 Prozent "für die Umwandlung in Mischwald" die Rede. Eine Aufschlüsselung, wie viel vom Anlagebetrag auf die Pacht, die Setzlinge, die Forstdienstleistung sowie auf Vertrieb und Verwaltung entfallen, erhalten Anleger im Voraus nicht.

Anders bei der Konkurrenz. Dort werden die Kosten bisweilen ganz detailliert aufgeschlüsselt. Solchen Aufstellungen können wir entnehmen, dass - bei vergleichbarem Leistungsumfang und Preisen - oft 10 bis zu 20 Prozent vom Anlagebetrag als Vergütung für den Anbieter einkalkuliert sind. Bei Forest Finance dagegen gibt es "keine weiteren Einstiegskosten und Provisionen". Seltsam nur, dass wir im Internet (unter anderem bei www.eco-world.de, einem Internetportal des Altop-Verlags) gleich mehrere Meldungen finden, denen zufolge Forest Finance seine Provisionen für jeden vermittelten BaumSparVertrag-Kunden in diesem Sommer auf 60 Euro verdoppelt hat und mittlerweile "über 700 Partner" das "Forest-Finance-affiliate-Programm" nutzen. Außerdem gibt Forest Finance selbst an, dass fünf Prozent mehr Fläche jährlich aufgeforstet als verkauft oder verpachtet werden. Das sei als Risikopuffer zum Ausgleich von Elementarschäden gedacht. Falls der nicht gebraucht wird, fallen alle Erträge daraus an Forest Finance - sozusagen als fünfprozentige Prämie, wie Forest Finance es nennt. Doch auch dieser Risikopuffer muss irgendwie finanziert werden - und ist vermutlich im Kauf- oder Pachtpreis enthalten.

Verwirrend ist zudem, dass sogar bei Forest Finance selbst auf den ersten Blick gleiche Leistungen je nach Produkt unterschiedlich teuer sind. Während der Anleger für Pacht und Aufforstung bei WoodStockInvest 23.000 Euro für einen Hektar Land zahlt, kostet die gleiche Dienstleistung beim WaldSparbuch 25.100 Euro pro Hektar. Das sind 2.100 Euro oder 9,1 Prozent mehr, die möglicherweise zur Finanzierung der "Rückkaufgarantie" dienen. Denn die gibt es bei WoodStockInvest nicht. WaldSparer, die sich keinen ganzen Hektar Land leisten können, zahlen 15,5 Prozent mehr: Ein WaldSparbuch für ein Zehntel Hektar Land kostet 2.900 Euro, das entspricht umgerechnet 29.000 Euro pro Hektar. Wenn WoodStockInvest-Anleger das Land lieber kaufen statt pachten wollen, müssen sie weitere 6.000 Euro drauflegen.

Obendrein verlangt die Anlage blindes Vertrauen: Wo das Grundstück genau liegt, wie fruchtbar der Boden ist etc., erfahren Anleger im Voraus nicht - zumindest nicht aus dem Vertragsangebot. Mehr noch: Wer das Land kaufen will, muss zwar den Grundstückspreis von 6.000 Euro erst nach Grundbucheintragung (und Erhalt der Grundstückurkunde) zahlen - was laut Forest Finance Angaben durchaus längere Zeit dauern kann. Die 23.000 Euro für die Forstdienstleistungen will Forest Finance aber schon vorher haben, nämlich gleich nach Vertragsabschluss. Dabei gibt es weder Regelungen für den Fall, dass der Grundstückkauf platzt, noch wird ein Treuhänder oder Ähnliches zwischengeschaltet, der das Geld erst Zug um Zug für bereits geleistete Dienste weitergibt. Deshalb ist das Geld vermutlich längst in Panama, während der Käufer noch auf die Bestätigung der Eigentumsübertragung wartet: Laut Info auf der Homepage werden eingezahlte Gelder nach Ablauf der Widerruffrist (zwei Wochen) vom deutschen Konto der Forest Finance nach Panama transferiert.

Auch ob der Grundstückspreis angemessen ist, können Käufer kaum prüfen. Bei der Konkurrenz kostet ein Hektar Weideland in Panama nur 5.000 Euro, davon gehen noch 1.000 Euro für interne Provisionen drauf. Macht 4.000 Euro für den Hektar Land. Im Internet fanden wir Kaufangebote für Fincas zu einem Grundstückspreis von 2.500 US-Dollar je Hektar oder umgerechnet rund 1.700 Euro. Natürlich können wir die Qualität der Grundstücke nicht prüfen. Doch 4.300 Euro mehr je Hektar sind ein stolzer Aufpreis. Zudem auffällig: In den Forest-Finance-Unterlagen für den Notar beträgt der Geschäftswert sogar nur 1.000 Euro.

Was wir davon halten: "Tue Gutes und verdiene daran" lautet das Motto von Forest Finance laut Homepage. Doch mangels Transparenz in Kostenfragen stellt sich die Frage, wer hier vor allem verdient. Das Angebot ist bei Vertragsabschluss völlig undurchschaubar, die Wortwahl in Verträgen und Prospekten widersprüchlich und verwirrend. Für den Anleger sind Chance und Risiko aus dem Geschäft kaum kalkulierbar.

Erstveröffentlichung: ÖKO-TEST-Magazin 12/2009

Aktualisierung, sofern die Anbieter Änderungen mitgeteilt haben.