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42 Calcium + Vitamin-D3-Präparate im Test

Jahrbuch für 2018
vom 19.10.2017

Calcium + Vitamin-D3-Präparate

Angeknackst

Kombipräparate mit Calcium und Vitamin D sollen gegen Knochenschwund helfen und Brüchen vorbeugen. Die Arzneien sind "gut" und "sehr gut". Die Nahrungsergänzungen nutzen Gesunden nichts und sind häufig zu hoch dosiert.

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19.10.2017 | Unter Osteoporose leiden bundesweit etwa 6,3 Millionen Menschen. Betroffen sind vor allem Frauen ab 50 Jahren; im Schnitt trifft es jede vierte. Männer leiden unter Osteoporose deutlich seltener. Die Krankheit beschleunigt den Knochenabbau, der auch bei Gesunden mit zunehmendem Alter fortschreitet. Die Folgen: erhöhtes Sturzrisiko und vermehrt Knochenbrüche.

Zentral für die Vorbeugung ist die ausreichende Zufuhr von Calcium und Vitamin D. Der Körper braucht Calcium, um die Knochen stabil zu halten und Vitamin D, um das Calcium über den Darm aufzunehmen und in die Knochen einzubauen. Mangelt es an Calcium, erweicht der Knochen. Der Dachverband Osteologie (DVO) empfahl Patienten daher bis vor einigen Jahren grundsätzlich noch die Einnahme beider Stoffe. Die Studienlage galt als sehr gut. Entsprechend gut bewertete ÖKO-TEST Arzneimittel, die Calcium und Vitamin D kombinierten. Seit 2014 gibt es allerdings Zweifel an dieser Basistherapie: "Neuere Studien geben Hinweise darauf, dass durch eine zusätzliche Calciumeinnahme das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle steigt", erklärt Professor Andreas Kurth, Chefarzt der Orthopädie und Unfallchirurgie der Asklepios Klinik Birkenwerder bei Berlin. Weil das potenziell tödlich sein könne, rate die aktuelle Leitlinie vorrangig zu einer calciumreichen Ernährung. Auch am Nutzen von Pillen mit Vitamin D scheiden sich die Geister. Gesunde Menschen produzieren Vitamin D in der Regel über die Sonnenbestrahlung der Haut. Ab etwa 65 Jahren geht man aber davon aus, dass dem Körper die Produktion nicht mehr ausreichend gelingt. Ein Mangel wird dann wahrscheinlicher. Der DVO empfiehlt Osteoporosepatienten daher weiterhin vorbeugend eine Vitamin-D-Einnahme, wenn ein möglicher Mangel besteht. Wie bewertet ÖKO-TEST Kombipräparate aktuell? Wir haben 42 Mittel eingekauft und überprüft.

Das Testergebnis

Die Nahrungsergänzungen schneiden mittelmäßig ab: elf sind "befriedigend", zwölf "ausreichend" und eins "ungenügend". Sechs "sehr gute" Arzneimittel zur Osteoporosebehandlung können wir empfehlen, zwölf sind "gut".

Menschen mit festgestelltem Osteoporoserisiko sollten zwar weiterhin Vitamin D zur Vorsorge einnehmen. Allerdings sind laut unserem Berater Professor Manfred Schubert-Zsilavecz vom Institut für Pharmazeutische Chemie der Universität Frankfurt dann Arzneien, die nur Vitamin D enthalten, die bessere Wahl: "Für Menschen mit erhöhtem Knochenbruchrisiko ist eine regelmäßige Einnahme von Präparaten mit Calcium und Vitamin D nicht mehr pauschal ratsam." Die Anwendungsfelder von zwölf Arzneien sind aus unserer Sicht daher zu großzügig formuliert. So heißt es etwa oft: "Zur unterstützenden Behandlung von Osteoporose" oder sie sind für eine Mangelvorbeugung ausgelobt. Nach heutigem Wissen sind Kombipräparate aber nur sinnvoll, um eine Osteoporosetherapie mit speziellen verschreibungspflichtigen Arzneien zu begleiten. Ihr Einsatz ist zudem noch für ältere Menschen angezeigt, wenn diese nachweisbar an einem selt

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Wir haben 42 Kombinationspräparate mit Calcium und Vitamin D eingekauft, vorzugsweise Brausetabletten. Es finden sich aber auch Trinkgranulat und Tabletten im Test.

Wirksamkeitsbelege und Nutzen
Wie empfehlenswert sind die Arzneimittel bei Osteoporose und Mangelerscheinungen? Wie steht es um Risiken und Nebenwirkungen? Dies hat Professor Manfred Schubert-Zsilavecz von der Uni Frankfurt für uns beantwortet. Für die Nahrungsergänzungsmittel ist zentral, ob sie einen Nutzen für den gesunden Verbraucher haben. Ihre Vitamin- und Mineralstoffdosierungen glichen wir mit den Höchstmengenempfehlungen des Bundesinstituts für Risikobewertung ab.

Inhaltsstoffe und Deklaration
Stecken in den Mitteln problematische Stoffe? Wir haben die Deklarationen geprüft und auf Farb- und Konservierungsstoffe und unnötige Zusätze von Aromen und Süßstoffen geachtet.

Die Weiteren Mängel
Ein Labor untersuchte die Tablettenröhrchen, Granulatbeutel und Blister auf umweltschädliche PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen.

Die Bewertung
Die Arzneien sind für die ausgelobten Anwendungen nicht mehr uneingeschränkt zu empfehlen. An den Nahrungsergänzungen beklagen wir den fehlenden Nutzen sowie vor allem Überdosierungen von Calcium. Weitere Minuspunkte gab's für künstliche Süßstoffe und Aromen.

So haben wir getestet

Fragwürdige Werbeslogans: Auf Nahrungsergänzungen werben Anbieter oft mit Belanglosem, das einen besonderen Nutzen suggeriert.

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