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32 Alternative Haarfarben im Test

Ratgeber Kosmetik 2016
vom 09.06.2016

Haarfarben, Alternative

Natur pur?

Chemiekeule - nein, danke! Das gilt für viele inzwischen auch in puncto Haarfarben. Doch in manch vermeintlich guter Alternative stecken stark allergisierende oder sogar verbotene Stoffe. Immerhin: Einige echte Pflanzenhaarfarben schneiden in unserem großen Test glänzend ab.

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09.06.2016 | Wer ergraut, möchte sich damit nicht immer abfinden und sucht einen Weg, die Zeichen der Zeit zu überdecken. Zahlen des Industrieverbandes Körperpflege und Waschmittel (IKW) zeigen: Rund 70 Prozent der deutschen Frauen färben sich die Haare. Männer stellen mit gerade einmal drei Prozent einen verschwindend geringen Teil der Anwender.

Die Zahlen zeigen, warum der Haarfarbenmarkt so gezielt auf Frauen ausgerichtet ist: Denn immerhin die Hälfte färbt sich die Haare selbst, statt den Friseur zu bemühen. Dauerhafte chemische Haarfarben sind jedoch in den vergangenen Jahrzehnten in Verruf geraten. Viele Färbestoffe haben sich als krebserregend und extrem allergisierend erwiesen. Und auch nachdem der Gesetzgeber zahlreiche Substanzen verboten und Grenzwerte festgelegt hat, sind sie noch immer alles andere als gesund.

Pflanzenhaarfarben etablieren sich hier immer mehr als Alternative. Der Tenor der Hersteller zertifizierter Colorationen: Analog zum allgemeinen Wachstum der Naturkosmetikbranche ist eine deutlich gestiegene Nachfrage nach pflanzlichen Haarfarben zu verzeichnen. Der Geschäftsführer der Firma Khadi Naturprodukte, Heinrich Jacob, führt das unter anderem auf die stetige Weiterentwicklung der Pflanzenhaarfarben zurück: "So können Kunden nun auch in den Bereichen von Blond, Rot, Braun und Schwarz sehr gute haltbare Resultate erreichen."

Neben der verbesserten Deckkraft sieht Ralph Luther von Amarantus, die 2014 ihre Radico-Produkte auf dem europäischen Markt etabliert haben, auch die steigende Anzahl der Unverträglichkeiten auf chemische Inhaltsstoffe als Grund dafür, dass viele Anwenderinnen auf Pflanzenfarben umgestiegen sind: "Immer mehr Menschen wenden sich mit Allergien - juckende, brennende, teilweise sogar aufgeplatzte Kopfhaut - an uns und möchten einen anderen, natürlichen Weg der Haarfärbung gehen."

Dennoch hält sich das Vorurteil hartnäckig, dass pflanzliche Farben in Sachen Haltbarkeit nicht mit den chemischen Pendants mithalten können und vor allem bei der Grauabdeckung kläglich versagen. Auch beim Anwendungskomfort haben die Zwei-Komponenten-Systeme scheinbar die Nase vorn - zusammengießen, kräftig schütteln und schon ist der Chemiecocktail gebrauchsfertig.

Das Anrühren der Farbpaste ist dabei fast schon eine Wissenschaft für sich: Je nach Produkt, Farbnuance und Haarbeschaffenheit variieren Mengen und Mischverhältnisse - manche Farben müssen für die optimale Wirkung mit kochend heißem Wasser angerührt werden, andere nur mit lauwarmem; einige müssen eine Weile ziehen, bevor sie angewendet werden können. Die Einwirkdauer kann, je nach gewünschtem Resultat, durchaus mehrere Stunden dauern.

Doch bei der Wahl des Produkts heißt es Augen auf: In die riesige Auswahl alternativer Haarfarben haben sich Colorationen gemogelt, die gar nicht natürlich sind. Mit den Schlagworten "Henna" oder "Natur" im Markennamen, wenig aussagekräftigen Labels oder blumigen Slogans wollen die Hersteller den Eindruck unbedenklicher Alternativen zu h

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So haben wir getestet

Der Einkauf
Pflanzenhaarfarben erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Aber nicht überall, wo "pflanzlich" oder "Henna" draufsteht, sind nur natürliche Inhaltsstoffe drin. Und nicht alles, was in der Apotheke oder im Reformhaus angeboten wird, ist frei von schädlicher Chemie. Deshalb haben wir unseren Einkaufszettel neben der zertifizierten Naturkosmetik und reinen Pflanzenhaarfarben auch auf solche Produkte ausgeweitet, die trotz chemischer Inhaltsstoffe vom Kunden als pflanzliches Produkt wahrgenommen werden könnten, um zu schauen, was wirklich unter den grünen Deckmäntelchen steckt. Die von uns getesteten Farben kosten zwischen 1,99 und 20,30 Euro pro Packung.

Die Inhaltsstoffe
Aromatische Amine werden in oxidativen Colorationen als Färbemittel eingesetzt. Viele Vertreter dieser Gruppe, etwa p-Phenylendiamin (PPD), werden kritisiert, da sie schwere allergische Reaktionen hervorrufen können. Manche stehen außerdem auf der Liste der karzinogenen, mutagenen und reproduktionstoxischen Stoffe (CMR), andere sind in Haarfarben sogar ganz verboten. 2011 warnte das Bundesinstitut für Risikobewertung zudem vor mit PPD verunreinigten Henna-Haarfärbemitteln. Für uns Grund genug, in einer breiten Stichprobe chemische und pflanzliche Farben im Labor auf aromatische Amine überprüfen zu lassen. Dabei lag der Fokus vor allem auf jenen Farben, die keine chemischen Inhaltsstoffe deklariert hatten, und Colorationen aus Asia- oder Afro-Shops. Andere problematische Stoffe haben wir anhand der Deklaration erfasst.

Die Weiteren Mängel
Auch hier lag das Augenmerk auf der Deklaration: Ist sie vollständig? Sind die gesetzlich vorgeschriebenen Warnhinweise vorhanden? Sind alle allergisierenden Substanzen aufgeführt? Oder steht womöglich etwas auf der Verpackung, was so gar nicht nachweisbar ist?

Die Bewertung
Empfindliche Abzüge gab es vor allem für verbotene aromatische Amine und solche, die auf der CMR-Liste stehen. In Sachen Deklaration gehen wir besonders kritisch mit Gesetzesverstößen nach EU-Recht um, denn bei derart problematischen Substanzen muss der Verbraucher ganz genau wissen, womit er es zu tun hat. Für Allergiker kann das Farbspiel sonst schnell zum russischen Roulette werden.

So haben wir getestet

Zertifizierte und natürliche Bio-Öle, vegan, ohne Tierversuche - klingt gut, sagt aber nichts über die chemischen Färbestoffe aus.