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Ratgeber Bauen 2017
vom

Korkparkett

Besondere Rinde

Als Fußboden vereint der Rohstoff Kork etliche praktische Eigenschaften in sich. Unser ÖKO-TEST bestätigt das: Sieben Korkfertigparkette sind eine echte Alternative zu Bodenbelägen wie Teppich, Laminat und Co. - wenn auch etwas teurer.

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06.04.2017 | Genüsslich fressen sich die Weideschweine an den Überresten herabgefallener Eicheln satt. Die Bauern mästen die iberischen Schweine, die sie inmitten der Korkeichenwälder freilaufend halten, damit. Über ihnen kreist majestätisch ein Spanischer Kaiseradler. Langsam setzt er zum Sinkflug an und landet auf einem der hochgewachsenen Bäume. Zwischen den knorrigen Ästen hat der flinke Jäger sein Nest gebaut. Inmitten der Korkeiche sind die Jungen des vom Aussterben bedrohten Greifvogels halbwegs sicher.

Bis zu 20 Meter hoch wachsen die immergrünen Laubbäume, die gefährdeten Arten einen geschützten Lebensraum bieten und deren besondere Rinde uns Menschen einen nahezu unvergleichlichen Nutzen bringt. In bewirtschafteten Korkwäldern wachsen sie immerhin noch zehn bis zwölf Meter hoch. Erntebäume werden bis zu zwei Jahrhunderte alt. Das westliche Mittelmeerbecken bietet mit seinen Temperaturen und Regenmengen die besten Voraussetzungen, damit sie prächtig gedeihen. Besonders im Landesinneren finden Korkeichensamen ideale Bedingungen zum Wachsen: Heiß und trocken - die Korkeiche zeigt sich überaus widerstandsfähig und wächst selbst dort, wo andere Bäume längst eingegangen wären. Nur Wüste und trockene Berge sind tabu.

Weltweit stehen laut Informationen des Deutschen Kork-Verbands (DKV) Korkeichen auf einer Fläche von etwa 2,14 Millionen Hektar. Die natürlichen und angepflanzten Bestände in Portugal - durch Wiederaufforstung wächst den Angaben nach die Anbaufläche dort jährlich um etwa ein Prozent - machen gut ein Drittel aus und beherbergen auf umgerechnet rund einer Million Fußballfelder einmalige und geschützte Pflanzen- und Tierarten. Darunter auch die am stärksten vom Aussterben bedrohte Raubkatzenart, den Pardelluchs, auch Iberischer Luchs genannt.

Für die Korkgewinnung muss kein Baum gefällt werden. Ähnlich wie die menschliche Haut erneuert sich auch die Rinde der Korkeiche immer wieder von selbst. Geschält wird zwar mithilfe einer Axt, doch das Wie muss erlernt sein: Denn dringt das Werkzeug zu tief in den Stamm, wird die Flüssigkeitszufuhr unterbrochen. Als Folge würde die Rinde brüchig, die Korkeiche langsam zerfallen. Korkbauern lernen ihr Handwerk daher nicht über Nacht.

Die Weltkorkernte beträgt jährlich etwa 200.000 Tonnen. Portugal erwirtschaftet davon gut 50 Prozent. Ein einzelner Baum liefert je nach Standort pro Schälung etwa 40 bis 60 Kilogramm. Von der Keimung bis zur Jungfernschälung muss eine Korkeiche gut 25 Jahre lang wachsen. Danach lässt sich die Rinde im Schnitt etwa alle neun Jahre abschaben. Je nach Lebensdauer und Standort eines Baumes lässt er sich 15 bis 20 Mal abernten. Die Abstände sind abhängig vom Nachwachsen der Rinde. Sie muss immer so beschaffen sein, dass sich daraus zuallererst Pfropfen, also Flaschenverschlüsse, herausstanzen lassen. Die zur Ernte ideale Rindendicke liegt für sie bei etwa dreieinhalb bis maximal fünf Zentimeter.

Die Korkproduktion ist für Portugal ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Verliert Kork als Verschlussmaterial an Bedeutung und setzt die Industrie verstärkt auf den Trend, Verschlüsse aus anderen Materialien zu produzieren, stehen durch das abnehmende ökonomische Interesse nicht nur Tausende Jobs auf dem Spiel. Dann sind auch die Korkeichenwälder in Gefahr - und damit sämtliche Arten, die sie beheimaten.

Ist die erste Wertschöpfung der Korkernte mit Stopfen für Wein- und Sektflaschen abgeschlossen, fertigen Firmen aus den verbliebenen Resten unter anderem Korkfußboden (siehe Kasten), wie er in Baumärkten und im Fachhandel zu haben ist - und dort ein Dasein als Nischenprodukt fristet. Gemessen am bundesweiten und globalen Fußbodenmarkt fällt Korkboden laut DKV gerade einmal ein Prozent Marktanteil zu. Geschätzt fünf Millionen Quadratmeter werden laut DKV jährlich umgesetzt, davon die Hälfte mit dem sogenannten "echten" Korkfußboden, also Belägen mit einer Nutzschichtdicke von 2,5 Millimeter, darunter Korkfertigparkett als Zugpferd. Dass Kork wenig gefragt ist, hat einen einfachen Grund: Das Material gibt für viele Verbraucher wegen seiner als altbacken bewerteten Naturoptik ein zu schlechtes Bild ab. Und das, obwohl dank neuester Technik mittlerweile hochmoderne Dekore im Handel ausliegen.

ÖKO-TEST wollte wissen, wie sich Korkfertigparkett als Fußbodenbelag schlägt. Um das zu prüfen, haben wir insgesamt zwölf Naturoptikmodelle in Baumärkten und im Fachhandel eingekauft und aufwendigen Schadstoff- und Praxistests unterziehen lassen. Welche Hersteller produzieren nicht millimetergenau? Bei welchem Modell platzt im Stuhlrollentest die Deckschicht ab oder bekommt Risse?

Das Testergebnis

Überzeugungsarbeit nötig! Zwei Produkte sind mit "sehr gut" und fünf mit "gut" empfehlenswert. Die übrigen fünf Böden sind "befriedigend". Doch selbst die Produkte mit der Bestnote im Gesamturteil überzeugten nicht in allen Bereichen.

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Handwerklich geschickte und/oder schnell entschlossene Verbraucher, die ganz ohne Beratung auskommen, kaufen ihr neues Korkfertigparkett problemlos im Baumarkt. Wer etwas mehr fachmännische Anleitung - und vielleicht auch jemanden zum Verlegen - braucht, wird einen Fachhandel aufsuchen. Wir haben uns aus den Sortimenten beider Varianten bedient und Korkbeläge diverser Hersteller zwischen 13,99 Euro und 34,51 Euro pro Quadratmeter eingekauft.

Die Inhaltsstoffe
Aus Fußböden können problematische Verbindungen - darunter krebsverdächtiges Formaldehyd - ausgasen und die Raumluft belasten. Da Korkparkett ebenso wie andere Beläge aus mehreren und unterschiedlichen Materialschichten besteht, haben wir außerdem umfassend auf Schadstoffe wie Schwermetalle und PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen testen lassen.

Die elektrostatische Oberflächenspannung
Bodenbeläge können sich durch Reibung elektrostatisch aufladen. Im Labor haben Experten alltagstypische Belastungen bei üblichen Raumbedingungen nachgeahmt und gemessen, wie viel Spannung sich dabei über dem Boden aufbauen kann.

Die Praxisprüfung
Ein Prüflabor hat die Korkböden unterschiedlichen Normprüfungen unterzogen: Stimmen die geometrischen Abmessungen mit den angegebenen Maßen überein? Wie robust ist ein Boden beim Verschieben von Möbelstücken? Wie beständig ist Kork gegen Flecken oder Stuhlrollen?

Die Bewertung
Für Schadstoffe wie halogenorganische Verbindungen gibt es eine Note Abzug. Weil ein verlegter Boden langlebig sein soll, muss er sich im Praxistest robust zeigen. Versagt ein Produkt im Stuhlrollenversuch und bekommt Risse oder es platzt die Deckschicht ab, verschlechtert sich das Testergebnis um bis zu zwei Noten. Gleiches gilt, wenn die geometrischen Abmessungen nicht den Anforderungen entsprechen. Das Testergebnis Inhaltsstoffe fließt zu 30 Prozent, das Testergebnis Elektrostatische Oberflächenspannung zu 10 Prozent und das Testergebnis Geometrische Abmessungen und Beständigkeitsprüfungen zu 60 Prozent in das Gesamturteil ein.

So haben wir getestet

Alle Testprodukte kamen unter die Räder, aber nur fünf Korkfußböden hielten dem Stuhlrollenversuch nicht stand.