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29 Vegane Kosmetika im Test

ÖKO-TEST Januar 2015
vom 29.12.2014

Vegane Kosmetik

Die V-Frage

Viele Veganer möchten auch bei der Körperpflege auf Produkte verzichten, die tierische Bestandteile enthalten. Aber kann man sich darauf verlassen, wenn ein Hersteller seine Kosmetika als "vegan" auslobt? Und enthalten solche Cremes und Nagellacke dann automatisch weniger Schadstoffe? Unser Test zeigt: Nein!

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29.12.2014 | Wer nach veganer Kosmetik sucht, der orientiert sich zunächst einmal an den Aussagen auf der Verpackung beziehungsweise auf der Internetseite des Herstellers. Dass hier schon die ersten Stolpersteine liegen können, zeigte unser Nagellacktest 2014. "Natürlich und nachhaltig: Nagellacke sind vegan (...) hergestellt" - diesen Satz fanden wir Anfang 2014 auf der deutschen Internetseite von Butter London. Da verwunderte es uns schon, dass laut Deklaration im Snog-Nagellack Guanin enthalten sein könnte. Guanin stammt klassischerweise von Fischschuppen. Auf unsere Nachfrage hin, erklärte Butter London aus den USA, man behauptete ja gar nicht, dass die Lacke vegan seien. Konfrontiert mit der deutschsprachigen Internetseite, hieß es dann weiter: Wir arbeiten daran, die Information auf der deutschen Internetseite zu korrigieren. Die Seite www.butterlondon.de ist aktuell tatsächlich im Netz nicht mehr zu finden, doch bei Douglas etwa heißt es auf der Internetseite: "Ganz zu schweigen davon, dass sämtliche Produkte von Butter London vegan hergestellt werden!"

Worauf können sich Kunden aber dann verlassen? Für die meisten Rohstoffe mit tierischen Bestandteilen haben die Hersteller mittlerweile gute Ersatzstoffe gefunden: etwa Carnaubawachs statt Bienenwachs, oder Sojaprotein statt Keratin in Shampoos und Nagelprodukten. Anhand der Inhaltsstoffliste lässt sich die Frage nach eindeutig tierischen Inhaltsstoffen zwar so einigermaßen beantworten. Allerdings können viele Verbraucher mit den Fachbegriffen nur wenig anfangen. Zudem gibt die Deklaration keine Hinweise auf Stoffe, die sowohl mit tierischen Bestandteilen hergestellt werden können als auch rein pflanzlich. Dazu gehören Fettsäuren und Glycerin. Man gewinnt sie sowohl aus tierischen Fetten als auch aus Pflanzenfetten.

Glycerin zum Beispiel stammt üblicherweise aus Rindertalg und entsteht bei der Verseifung. Es ist somit ein typisches "Abfallprodukt". Das heißt, dass nicht extra Tiere dafür geschlachtet werden. Aber Glycerin lässt sich auch durch Verseifung von pflanzlichen Ölen und Fetten gewinnen. Da die Kosmetikanbieter ihre Rohstoffe von Lieferanten beziehen, haben sie jedoch keine direkte Kontrolle über den Ursprung eines Stoffes. Die Lieferanten wiederum besorgen ihre Rohstoffe teilweise noch von Zwischenhändlern. Von der Produktionsstätte der Rohstoffe bis hin zur fertigen Creme können also mehrere Zwischenschritte über Kontinente hinweg liegen.

Die Kosmetikanbieter lassen sich von den Rohstofflieferanten zwar Nachweise liefern. Aber wie stellen die Lieferanten selbst die Herkunft sicher? Wir haben exemplarisch bei den Unternehmen BASF und Dr. Straetmans nachgefragt. BASF schrieb uns: "Dokumentation und Nachweis solcher Angaben sind Teil der Qualitätsvereinbarungen, die BASF mit seinen Kunden und Zulieferern eingeht. (...) Audits können Bestandteil dieser Vereinbarungen sein." Und weiter heißt es: "Soweit wir wissen, gibt es keinen offiziellen Standard, der beschreibt, was unter ,veganer Kosme

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
In Drogerien, Supermärkten aber auch bei Onlineversendern nimmt das Angebot an veganen Kosmetika zu. Unsere Einkäufer haben 29 Produkte eingekauft: Duschgele, Shampoos, Lotionen sowie dekorative Kosmetika. Gut die Hälfte ist als Naturkosmetik zertifiziert. Alle Produkte sind als vegan ausgelobt: entweder durch die Beschreibung des Anbieters auf der Verpackung oder durch ein Label, darunter die Veganblume, aber auch vom Anbieter selbst designte. Für dekorative Kosmetik findet sich die Beschreibung "vegan" teilweise nur im Internet.

Die Inhaltsstoffe
Wir wollten zum einen wissen, ob wirklich nur pflanzliche Stoffe im Produkt landen sowie ob in den Kosmetika Schadstoffe stecken. Für Letzteres haben wir umfangreiche Analysen in Auftrag gegeben - unter anderem auf Duftstoffe und kritische Konservierungsmittel. Ob Inhaltsstoffe pflanzlichen oder tierischen Ursprungs sind, kann man analytisch nicht testen, hier haben wir die Deklarationen auswerten lassen.

Die Weiteren Mängel
Die Flasche ist aus Kunststoff - trotzdem verwendet der Hersteller einen zusätzlichen Umkarton? Belastet eine chlorierte Verbindung in der Verpackung die Umwelt? Und gibt der Hersteller - trotz Nachfrage - keine Auskunft, welche Farbstoffe er genau in Lippenstift, Nagellack oder Make-up einsetzt? Das alles verbuchen wir unter Weitere Mängel.

Die Bewertung
Für uns sind nur Kosmetika sehr gut, die keinen Mangel aufweisen. Schadstoffe und Weitere Mängel werten wir ab. Stoffe, die krebsverdächtig sind, im Anhang der Kosmetikrichtlinie als verbotene Substanzen zu finden sind oder auf der Kandidatenliste der ECHA für besonders besorgniserregende Stoffe stehen, bekommen dabei einen kräftigen Punktabzug.

So haben wir getestet

Die Veganblume der Vegan Society ist das bekannteste Vegan-Siegel.