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ÖKO-TEST April 2017
vom

Lackfarben, wasserbasierte

Good Lack

Sie riechen weniger als lösungsmittelbasierte Farben, sind gesundheitlich weniger problematisch und umweltverträglicher. Gänzlich ohne Schadstoffe kommen aber auch wasserbasierte Lackfarben nicht aus. Im Test erweisen sich 15 von 20 Produkten jedoch als "sehr gut" oder "gut".

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30.03.2017 | Ist der Lack ab oder sind Kratzer darin, liegt nicht nur sinnbildlich einiges im Argen. Dicke Schrammen an Türen, Fensterbänken und Fußleisten verlangen nach schneller Ausbesserung. Mit etwas Geschick und ein paar grundlegenden Tipps lassen sich die Stellen des Anstoßes auch ohne die Dienste eines Malers beseitigen.

Im Baumarkt stellt sich zunächst die Frage nach dem richtigen Werkstoff. Wasserbasierte Lacke sind in Innenräumen mittlerweile Standard, vielfach eignen sie sich aber auch für Anstriche von Gegenständen im Freien, beispielsweise Gartenbänke oder -tische. Fast alle haften gut auf Holz und die meisten auch auf Metall. Komplizierter ist es bei Kunststoffen, die je nach Art unterschiedlich mit den Lacken reagieren. Hier lohnt sich ein Blick in die Herstellerangaben.

Außerdem bedarf es funktionstüchtiger Werkzeuge. Unser Experte Peter Hoffmann, Malermeister und Berufsschullehrer an der August-Bebel-Schule in Offenbach, rät Anfängern zum Lackierröllchen. Damit lasse sich der Lack großflächiger und vor allem gleichmäßiger auftragen als mit einem klassischen Pinsel. Außerdem empfiehlt er Schleifpapier in unterschiedlichen Ausfertigungen: relativ grobes für den Anschliff (Körnung 100) und feineres für den Zwischenschliff (Körnung 150-180). Bei sensiblen Materialien wie Kunststoffen sei ein weiches Schleifvlies vorzuziehen, um die empfindlicheren Oberflächen nicht zu beschädigen.

Zu Hause gilt es dann, den zu lackierenden Gegenstand von Schmutz- und Fettrückständen zu befreien - am besten mit einem handelsüblichen Ablauger. Der folgende Anschliff hat den Zweck, die Oberflächen aufzurauen und haftfähig zu machen. Bei harten und ebenmäßigen Untergründen ist es praktisch, das Schleifpapier um einen handlichen Schleifklotz zu wickeln, um eine homogene Fläche zu erhalten. Rohholz muss immer in Faserrichtung geschliffen werden, damit keine Schleifriefen entstehen.

Nachdem der Schleifstaub mit einem Mikrofasertuch entfernt ist, folgt in einem gut belüfteten Raum die Grundierung. In der Regel eignen sich die Lacke auch dafür. Kommen jedoch separate Produkte zum Einsatz, sollten sie ebenso auf Wasserbasis sein. Ist der Lack zu zähflüssig und lässt sich deswegen schlecht verstreichen, muss er verdünnt werden. Laut Peter Hoffmann ist destilliertes Wasser wegen seiner Reinheit hierbei zu bevorzugen. Bezüglich der richtigen Mischung könne neben etwas Fingerspitzengefühl auch ein Blick ins Internet hilfreich sein. Denn häufig finden sich entsprechende Empfehlungen in Technischen Merkblättern, die Hersteller auf ihren Webseiten veröffentlichen. Viele raten zu maximalen Wasseranteilen von fünf bis zehn Prozent.

Beim Streichen gilt die Devise: erst die Kanten, dann die Innenflächen. In der Regel muss die Grundierung etwa einen halben Tag trocknen, bevor die Oberfläche mit dem sogenannten Zwischenschliff erneut angeraut, abgestaubt und anschließend lackiert werden kann. Nach dem Anstrich ist wieder Geduld gefragt. Viele Hersteller geben Trocknungszeiten zwischen acht und zwölf Stunden an, bis sich der lackierte Gegenstand entweder sehen lassen kann oder bereit für einen erneuten Schliff und Überstrich ist.

Auf gar keinen Fall dürfen flüssige Farben und Lacke danach in der Toilette oder im Spülbecken entsorgt werden. Getrocknete Reste von wasserbasierten Produkten, die keinen Entsorgungshinweis mit durchgestrichener Mülltonne tragen, können in den Restmüll gegeben werden. Alle anderen Lackreste sind Sondermüll und bei einer entsprechenden Sammelstelle abzugeben. Dosen gehören in die Gelbe Tonne, sofern auf ihnen ein Grüner Punkt zu finden ist.

ÖKO-TEST hat sich gefragt, welchen Schadstoffen sich Heimwerker aussetzen, wenn sie mit wasserbasierten Lacken gegen Schrammen und Macken vorgehen. Aus diesem Grund haben wir 20 Produkte einer ausführlichen Prüfung unterzogen.

Das Testergebnis

Keiner fällt durch. Drei Viertel der getesteten Produkte können wir empfehlen. Vier Lacke schneiden nur "befriedigend" ab und einer "ausreichend".

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Wasserbasierte Lackfarben sind geruchsärmer als lösungsmittelbasierte und verträglicher für Körper und Umwelt. In Baumärkten und Fachgeschäften haben wir deshalb in dieser Kategorie 20 weiße Lacke eingekauft. Die Lacke sind "seidenglänzend" oder "seidenmatt" und für Innen- und die meisten auch für Außenanstriche geeignet.

Die Inhaltsstoffe?
Wasserbasierte Lacke sind nicht zwangsläufig komplett lösemittel- und schadstofffrei. Wir wollten wissen, ob aus den eingekauften Produkten bedenkliche Stoffe ausgasen können. Ebenso hat uns interessiert, in welchem Umfang sie Isothiazolinone enthalten. Diese chemischen Verbindungen können Allergien auslösen. Ferner können Schwermetalle als Pigmentbestandteile in die Lacke geraten oder wie Kobaltsalze bewusst zugesetzt werden, um den Trocknungsvorgang zu beschleunigen. Zudem haben wir die Produkte auf umstrittene halogenorganische Verbindungen und Formaldehyd/-abspalter testen lassen, die als Konservierer eingesetzt sein können.

Die Deklaration
Wie gut klären die Hersteller über Inhaltsstoffe und Anwendungsrisiken auf? Volldeklarationen sind von Rechts wegen zwar nicht vorgeschrieben, Konservierungsstoffe sollten aber zumindest genannt sein - ebenso wie Info-Rufnummern für Allergiker, definierte Warnhinweise und Schutzmaßnahmen während des Lackierens.

Die Bewertung
Hersteller profitieren vom "grünen" Image der wasserbasierten Lackfarben. Diesem Anspruch sollten die Produkte gerecht werden, weshalb das Testergebnis Inhaltsstoffe mit 70 Prozent in das Gesamturteil einfließt. Die restlichen 30 Prozent ergänzt das Testergebnis Deklaration. Wer mit markigen Versprechen wie "lösemittelfrei" wirbt, sollte diese schließlich auch einhalten.

So haben wir getestet

Welche Stoffe entweichen beim Streichen?