- Im Test: 21 Marken ganzer schwarzer Pfefferkörner im Nachfüllbeutel – darunter neun konventionelle und zwölf Bio-Produkte. Wir bezahlten zwischen 99 Cent und 6,98 Euro pro 100 Gramm.
- Nur fünf Produke schneiden insgesamt mit der Note "gut" ab.
- Bei vielen Pfeffer-Anbietern im Test gibt es vor allem Verbesserungsbedarf, was faire und sichere Arbeitsbedingungen sowie existenzsichernde Einkommen angeht.
- Positiv ist aber, dass die meisten Anbieter uns gegenüber Angaben zu ihrer Lieferkette machten und uns Belege schickten.
- Kritik gibt es außerdem für Mineralölrückstände, konkret für MOSH/MOSH-Analoge und MOAH. Zudem verteilen wir Minuspunkte für Mehrfachrückstände von Pestiziden.
Schwarzer Pfeffer ist eines der ältesten und beliebtesten Gewürze der Welt. Aus der Küche ist er heutzutage kaum wegzudenken, verleiht er doch unzähligen Speisen eine aromatische Schärfe – vor allem, wenn die Körner frisch gemahlen werden. Zugleich gilt Pfeffer als gesund.
Das Gewürz dürfte also in nahezu jedem Haushalt zu finden sein. Aber woher der Pfeffer kommt und unter welchen Bedingungen er wächst, wissen vermutlich die wenigsten. Denn im Gegensatz zu Kakao, Kaffee oder Bananen spielen beim Pfeffer Themen wie nachhaltiger Anbau und faire Arbeitsbedingungen im öffentlichen Bewusstsein bisher kaum eine Rolle.
Mit unserem Test von 21 Marken wollen wir Licht ins Dunkel bringen – und auch herausfinden, wie es um mögliche Schadstoffe steht. Doch bevor wir zu unseren Testergebnissen kommen, stellt sich die Frage: Wie gesund ist Pfeffer wirklich?
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Ist Pfeffer gesund?
Pfeffer werden zahlreiche Heilkräfte nachgesagt: Er soll zum Beispiel die Verdauung anregen, Alzheimer vorbeugen, antioxidativ wirken, Entzündungen hemmen und sogar Krebs vorbeugen. Der Inhaltsstoff, der diese Effekte hervorrufen soll, ist Piperin – ein sekundärer Pflanzenstoff, der auch für den typischen Pfeffergeschmack verantwortlich ist.
Doch was ist dran an seinem gesunden Ruf? Die Antwort fällt eher nüchtern aus. Professor Jan Frank, der den Fachbereich für Biofunktionalität der Lebensmittel an der Universität Hohenheim leitet, kann die meisten der gesundheitsfördernden Eigenschaften, die Piperin nachgesagt werden, nicht bestätigen.
Dass Piperin etwa Alzheimer und Demenz vorbeugt und Krebszellen langsamer wachsen lässt oder gar tötet – diese Effekte seien lediglich an Zellkulturen oder bei Tieren nachgewiesen worden. "Die Ergebnisse lassen sich allerdings nicht ohne Weiteres auf den Menschen übertragen", sagt er.
Ist Pfeffer entzündungshemmend?
Auch für die entzündungshemmende Wirkung von Piperin kennt Frank keine validen Daten aus Humanstudien. Ob Piperin wirklich antioxidativ wirkt – da ist der Ernährungswissenschaftler ebenfalls skeptisch. Antioxidantien sollen vor zahlreichen Krankheiten wie Krebs und Herzinfarkt schützen, indem sie sogenannte freie Radikale neutralisieren.
Pfeffer hilft, weniger Salz zu konsumieren
Der Griff zur Pfeffermühle könnte dem Körper aber dennoch in gewisser Hinsicht guttun – trotz mangelnder Beweislage für gesundheitliche Effekte: "Pfeffer, Gewürze und Kräuter helfen, Salz einzusparen", schreibt dazu das Bundeszentrum für Ernährung (BZfE). Schließlich konsumieren die meisten Erwachsenen in Deutschland deutlich mehr als die sechs Gramm Salz, die täglich maximal empfohlen werden.
Ein weiterer Vorteil: Pfeffer unterstützt die Verdauung, indem er die Speichelproduktion und die Enzymsekretion aus der Bauchspeicheldrüse fördert, teilt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) mit. Scharfe Lebensmittel könnten daher, sofern sie vertragen werden, im Rahmen einer gesundheitsfördernden Ernährung einen abwechslungsreichen Speiseplan ergänzen.
Die DGE rät, immer ganze Pfefferkörner zu kaufen und sie erst direkt vor dem Gebrauch zu mahlen. Denn der Pfeffer verliere sehr schnell an Aroma und sei anfällig für Schimmel.
Ostmann, Fuchs & Co.: Pfeffer im Test
Kommen wir nun zu den sozialen und ökologischen Bedingungen beim Anbau von Pfeffer. Warum wissen wir darüber eigentlich so wenig? Tatsächlich ist es bei Pfeffer ziemlich schwierig, eine bewusste Kaufentscheidung zu treffen. Während bei anderen Produkten Siegel wie Fairtrade die Auswahl erleichtern, sind solche Kennzeichnungen bei Pfeffer eher selten.
Unser Test von 21 schwarzen Pfefferkörnern soll hier für mehr Klarheit sorgen. Zum einen ließen wir die Produkte im Labor auf Schadstoffe prüfen. Zum anderen haben wir uns aber auch für die Anbaubedingungen interessiert.
Daher forderten wir von den Herstellern Einblick in die Lieferketten, um Anbau- und Arbeitsbedingungen – etwa in Brasilien, Vietnam, Sri Lanka und Tansania – nachvollziehen zu können. Dafür schickten wir ihnen einen Fragebogen – jede Angabe sollten die Hersteller belegen, zum Beispiel mit unabhängigen Zertifikaten.
Nur fünf schwarze Pfefferkörner sind "gut"
Die Bilanz: Kein schwarzer Pfeffer im Test ist "sehr gut". Nur fünf Produkte erhalten von uns die Gesamtnote "gut". Das ist zwar mehr als in einigen anderen Tests, in denen wir die Corporate Social Responsibility (CSR) – also die ökologische, soziale und wirtschaftliche Verantwortung von Unternehmen für ihre Lieferketten – bewertet haben.
Das breite Mittelfeld unseres Tests zeigt aber: Vor allem, wenn es um faire und sichere Arbeitsbedingungen und existenzsichernde Einkommen geht, haben viele Hersteller Nachholbedarf. Darüber hinaus sind wir in einigen Produkten auf unerwünschte Stoffe gestoßen. Insgesamt schneiden daher die meisten Pfeffer im Test nur mittelmäßig ab.
Pfeffer-Test: Viele Anbieter geben Einblicke in Lieferkette
Immerhin: So gut wie alle Hersteller von schwarzen Pfefferkörnern machten uns gegenüber Angaben zur Lieferkette und stellten uns Belege zur Verfügung. Zwei Anbieter fielen hier allerdings negativ auf. Der eine Anbieter gab zwar ein Statement ab, wollte uns jedoch keine Nachweise für den schwarzen Pfeffer im Test vorlegen. Da wir die abgefragten Aspekte so nicht überprüfen konnten, lautet das Testergebnis CSR "ungenügend".
Vom anderen Anbieter kam ebenfalls zu wenig. Zwar legte er Nachweise vor, doch diese decken in vielen Bereichen nur einen ganz kleinen Teil der Lieferkette ab, der gerade einmal zwei Prozent der Rohware ausmacht. Das geht besser.
Pfefferanbau ist arbeitsintensiv
Wie sehen die Arbeitsbedingungen vor Ort aus? Der Pfefferanbau gilt als besonders arbeitsintensiv. Während die Pflanze wächst, braucht sie ständige Aufmerksamkeit und Pflege. Bei der Ernte pflücken Arbeiterinnen und Arbeiter an einem langen Arbeitstag in der Spitze rund 25 Kilogramm Pfefferrispen – und das per Hand.
Um die gesamte Kletterpflanze abzuernten, müssen sie dafür bis zu sechs Meter in die Höhe steigen. Welche Vorkehrungen werden getroffen, um diese Schwerstarbeit, häufig auch mit hohem Pestizideinsatz, für die Menschen fair und sicher zu gestalten?
Arbeitsschutz: Bio-Marken haben Nase vorn
Bio-Marken mit Naturland-Label haben hier die Nase vorn; der Verband setzt für seine Mitglieder Schulungen und Ausrüstung zum Arbeitsschutz voraus. Pestizide spielen im ökologischen Anbau ohnehin keine Rolle, da sie hier verboten sind.
Die Hersteller der meisten konventionellen Marken konnten hingegen nicht belegen, dass Schutzvorkehrungen für die Arbeiterinnen und Arbeiter beim Spritzen von Pestiziden getroffen und Kletterausrüstung für die Ernte in großen Höhen bereitgestellt werden.
Keine Schutzvorkehrungen beim Spritzen von Pestiziden? Dann sollten doch wenigstens die Stoffe verboten sein, die auf der Liste des Pestizid-Aktions-Netzwerks (PAN) von besonders gefährlichen Pestiziden stehen? Leider besteht ein solches Verbot für kein einziges konventionell angebautes Produkt im Test. Darunter leiden neben Artenvielfalt und Umwelt auch und besonders die Menschen, die die Stoffe spritzen müssen.
Existenzsichernde Löhne fehlen
Nun zur Bezahlung. Unabhängig von den auf dem Weltmarkt stark schwankenden Pfefferpreisen sollten die Kleinbauern und Kleinbäuerinnen mit ihrem Verdienst in der Lage sein, ihren Lebensunterhalt zu sichern. Leider ist hier im Pfefferhandel noch viel Luft nach oben.
Zwar gaben fast alle Hersteller von schwarzem Pfeffer im Test an, eine grundlegende Strategie für existenzsichernde Einkommen entwickelt zu haben. Tatsächlich konnte uns jedoch nur ein einziger Anbieter über Nachweise belegen, zumindest über eine Strategie zu verfügen, die Mindestpreise und Prämien umfasst.
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Pfeffer im Test: Werden Bäume für den Anbau gerodet?
Ein anderes Problem: Vor allem für den Anbau von Nutzpflanzen in ertragreichen Monokulturen werden oft ganze Landstriche gerodet. Das zerstört Ökosysteme und damit auch wertvolle CO₂-Speicher, was die Klimakrise weiter befeuert. Auch Pfeffer wird nicht selten in Monokulturen angebaut, wie unser Test zeigt.
Der World Wide Fund For Nature (WWF) hat ermittelt, dass für einen Hektar Pfefferanbau bis zu 2.000 Rankpfähle benötigt und rund sieben Hektar Waldfläche zerstört werden. Leider belegte uns kein Hersteller ausreichend ein vollumfängliches Entwaldungsverbot.
Monokulturen beim Pfefferanbau vermeiden
Naturland und Fairtrade verpflichten immerhin ihre Mitglieder, zertifizierte Produkte nur auf Flächen anzubauen, die nach einem bestimmten Stichtag nicht entwaldet wurden. Andere nutzen satellitenbasierte Trackingsysteme, um die Zerstörung von Regenwald erkennen zu können.
Pfeffer ist eine Rankpflanze, die hervorragend in Agroforstsystemen wächst, in denen der Nutzpflanzenanbau mit Forstwirtschaft, manchmal auch Tierhaltung kombiniert werden kann.
Das hat Vorteile für Artenvielfalt und Bodenqualität, und es verbessert die Wachstumsbedingungen der Pfeffersträucher maßgeblich. In Monokulturen, in denen die Pflanzen auf großen Plantagen an nackten Pfählen emporranken, fehlt diese natürliche Umgebung.
Halten die Pfeffer-Anbieter im Test ihre Sorgfaltspflicht ein?
Außerdem wollten wir von den Anbietern der schwarzen Pfefferkörner im Test wissen, ob sie ihre unternehmerischen Sorgfaltspflichten wahrnehmen und sicherstellen, dass entlang ihrer Lieferkette gewisse Mindeststandards gelten.
Dazu gehört beispielsweise die Verpflichtung sämtlicher Akteure, die Kernarbeitsnormen der International Labour Organisation (ILO) einzuhalten. Diese Normen umfassen die Vereinigungsfreiheit und das Recht auf Kollektivverhandlungen, die Beseitigung von Zwangs- und Kinderarbeit, ein Diskriminierungsverbot sowie Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit.
Zumindest 16 der Anbieter im Test decken das über einen Verhaltenskodex für alle Ebenen der Lieferkette ab. Kritisch sehen wir es aber, dass uns nur knapp ein Viertel der Hersteller eine vollumfängliche Risikoanalyse nachweisen konnte, mit der sich das Risiko für Menschenrechtsverstöße bis zu den Kooperativen und Kleinbauern nachvollziehen lässt.
Und das, obwohl das 2023 in Kraft getretene deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz derartige Risikoanalysen bereits für alle größeren Unternehmen vorsieht. Da ist noch jede Menge Luft nach oben.
Schwarzer Pfeffer im Test: Mineralöl und Pestizide entdeckt
Bleibt die Frage: Können mit schwarzem Pfeffer auch bedenkliche Stoffe im Essen landen? Wir haben alle 21 Pfefferkörner im Labor einer umfassenden Schadstoffanalyse unterzogen – und wurden fündig. So wiesen die Laborexperten in einigen Produkten gesättigte Mineralölkohlenwasserstoffe (MOSH/MOSH-Analoge) nach, in einem Fall sogar aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH).
MOSH/MOSH-Analoge gelangen als Verunreinigungen, beispielsweise über Schmieröle bei der Produktion, in Lebensmittel. MOSH reichern sich im menschlichen Fettgewebe und einigen Organen an – die Auswirkungen sind noch unklar.
Hersteller müssen Qualitätsmanagement verbessern
Da Verbraucherinnen und Verbraucher nur vergleichsweise wenig Pfeffer essen, ist jedoch nicht zu erwarten, dass größere Mengen MOSH im Körper verbleiben. Deshalb bewerten wir die Funde weniger streng als in anderen Lebensmitteln, von denen größere Mengen verzehrt werden. Dennoch appellieren wir an die Hersteller, ihr Qualitätsmanagement zu verbessern, um diese Verunreinigungen künftig zu verhindern.
MOAH sehen wir hingegen deutlich kritischer. Wir werten diese Verbindungen streng ab, da sie krebserregende Bestandteile enthalten können.
Neben Mineralölbestandteilen stießen die Laborexperten auch auf Pestizide. Konkret wiesen sie in zwei Produkten Spuren von jeweils drei verschiedenen Spritzgiften nach. Wir kritisieren Mehrfachrückstände von Pestiziden, da nicht geklärt ist, welche Auswirkungen sie in Kombination auf die Gesundheit haben können.
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