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ÖKO-TEST Juni 2017
vom

Kokosprodukte

Eine harte Nuss

Im Lebensmittelhandel stehen sie Reihe an Reihe: Produkte aus der Kokosnuss. Man könnte glatt den Eindruck gewinnen, es gäbe nichts, was nicht aus der Tropenfrucht herzustellen wäre. Aber überzeugen die Produkte auch beim Schadstofftest? Knapp die Hälfte schon. Kokosraspel haben dabei die Nase vorn.

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26.05.2017 | Türkisfarbenes Meer, weißer Strand, grüne Palmen: Kaum ein Lebensmittel passt so gut zu unserem Südseetraum wie die Kokosnuss. Und nicht nur das: Superfoodprodukte aus Kokosnuss gelten als besonders gesund. Zu recht? Bevor wir diese Frage klären (siehe Kasten: Gesundheitlicher Hype), gibt es erst einmal einen kleinen Überblick über die Vielzahl der Erzeugnisse in den Supermarktregalen:

Kokosraspel bzw. Kokoschips

Was ist es? Der Klassiker unter den Kokosprodukten ist entweder fein geraspeltes oder grob gehobeltes Fruchtfleisch. Die Hersteller trocknen die Kokosraspel und -chips noch vor Ort und schicken sie dann meist per Schiff auf die lange Reise.

Was lässt sich damit machen? Sowohl Desserts als auch Kuchen und Müsli bekommen durch sie eine exotische Note. Allerdings können die Produkte aufgrund ihres hohen Fettgehalts schnell ranzig werden. Lagern Sie sie deshalb kühl, trocken, luftdicht und dunkel.

Kokosmilch

Was ist es? Kokosmilch ist aus der asiatischen Küche nicht wegzudenken. Das Fruchtfleisch wird gestückelt und unter Zugabe von Wasser ausgepresst. Je mehr Wasser hinzugegeben wird, desto fettärmer ist schließlich die Milch.

Was lässt sich damit machen? Kokosmilch ist Zutat in Currys, Eintöpfen und anderen Wok-Gerichten. Interessant ist sie darüber hinaus als Sahneersatz - nicht nur für Veganer. Kokosmilch hat rund ein Drittel weniger Kilokalorien als Sahne. Steht die Milch eine längere Zeit im Speiseregal, schwimmt das enthaltene Fett oben. Vor dem Gebrauch deshalb gut umrühren und eventuell etwas erwärmen, dann vermischt sich die Milch wieder gleichmäßig.

Kokosmus

Was ist es? Für die Herstellung des Kokosmuses zermahlen Maschinen das frische Fruchtfleisch, bis es eine cremige Konsistenz hat. Das ergibt einen besonders intensiven Geschmack.

Was lässt sich damit machen? Bei Kühlschranktemperaturen ist das Mus sehr fest und wird auch als Kokosbutter bezeichnet. Etwa 60 Prozent Fett machen aus Kokosmus aber einen sehr kalorienreichen Brotaufstrich. Besser eignet es sich zum Verfeinern von Soßen.

Kokosöl bzw. -fett

Was ist es? Die Kopra - getrocknetes Kokosnussfruchtfleisch - bildet die Grundlage für jedes Kokosöl. Für die Herstellung von kalt gepresstem Öl wird die Kopra ausschließlich mechanisch ausgepresst. Bei nativen Produkten wird das so entstehende Öl anschließend nicht raffiniert. Die verschiedenen Schritte der Raffination entfernen unter anderem unerwünschte Begleitstoffe. Doch gehen dabei auch der Geschmack und der typische Kokosgeruch verloren. Kokosöl ist bei Zimmertemperatur fest. Anbieter haben sich angewöhnt, bei nativem Kokosöl von Öl zu sprechen, bei raffiniertem Kokosöl von Fett.

Was lässt sich damit machen? Raffiniertes Kokosfett eignet sich sehr gut zum Frittieren. Auch natives Kokosöl lässt sich sehr stark erhitzen. Aufgrund seines Eigengeschmacks setzen es viele zum Kochen von asiatischen Gerichten ein. Die Kosmetikindustrie verwendet häufig Kokosöl in Haut- und Haarpflegeprodukten.

Kokosmehl

Was ist es? Sozusagen ein Resteprodukt. Denn das, was bei der Kokosölgewinnung als Presskuchen übrig bleibt, wird weiter zu Kokosmehl zermahlen. Es schmeckt dezent nach Kokos.

Was lässt sich damit machen? Kokosmehl eignet sich aufgrund seines hohen Ballaststoffgehalts beispielsweise als Saucenbinder. Es ist glutenfrei. Wir können mit ihm etwa 20 Prozent des Getreidemehls beim Kuchenbacken ersetzen, ohne zusätzliches Bindemittel hinzufügen zu müssen.

Kokoswasser

Was ist es? Bevor die Kokosnuss den Weg in den Einkaufswagen findet, noch schnell der Schütteltest: Gluckert es im Inneren? Wenn nicht, ist die Nuss eventuell schon zu trocken, denn das Kokoswasser wird mit der Zeit immer weniger. Dieses ist mittlerweile zu einer sehr wichtigen Komponente der Kokosnuss aufgestiegen. Deshalb ernten die Bauern für die Gewinnung des Wassers die Tropenfrüchte, wenn sie noch unreif sind. Vor Ort bieten sie diese dann mit einem Strohhalm zum Soforttrinken an. Für den Export wird das Kokoswasser abgezapft und steril abgefüllt.

Was lässt sich damit machen? Kalorienarm und isotonisch: Kokosnusswasser können Sie sowohl pur trinken als auch als Zutat in Ihren Smoothie mischen. Dabei schmeckt es leicht süß und ist reich an Kalium. Als Sportgetränk bei langer körperlicher Belastung tut es aber auch die klassische Apfelschorle.

Kokosblütenzucker

Was ist es? Den Zucker gewinnen die Hersteller aus dem Nektar der Kokosblüten. Diesen zapfen sie am Baum ab und dicken ihn ein, bis er auskristallisiert. Der Geschmack erinnert aber nicht an die Kokosnuss, sondern an Karamell und Vanille.

Was lässt sich damit machen? Sie können Kokosblütenzucker wie normalen Haushaltszucker zum Süßen von Speisen einsetzen. Dabei sollte aber der Eigengeschmack berücksichtigt werden. Außerdem hat der Tropenzucker mit bis zu 30 Euro pro Kilogramm einen stattlichen Preis.

Die Vielfalt bei Kokosprodukten ist groß. Wir haben bei Kokosmilch, -öl und -raspel ganz genau hingesehen. Jeweils sieben Produkte sollten uns Auskunft darüber geben, was von der exotischen Superfrucht zu halten ist.

Das Testergebnis

Von eins bis sechs haben wir alle Noten dabei. Die "sehr guten" Produkte sind glücklicherweise am häufigsten vertreten. Die Kokosraspel schneiden im Vergleich am besten ab, gefolgt von Kokosmilch und dem etwas abfallenden Kokosöl.

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Die Kokosnuss ist nicht neu auf dem Markt. Der Hype um sie aber schon. Aus der Flut an Kokosprodukten in den Regalen haben wir uns für drei besonders absatzstarke Produktarten entschieden: die klassischen Kokosraspel zum Backen und für Desserts, die Kokosmilch, die Veganer zum Beispiel auch als Sahneersatz schätzen, und das viel umworbene Kokosöl, dem allerhand gesundheitsfördernde Wirkungen zugesprochen werden. Kokosprodukte, insbesondere die Öle, tragen häufig ein Bio-Siegel. Deshalb stammen rund zwei Drittel der Produkte im Test aus ökologischem Anbau.

Die Inhaltsstoffe
Das Fruchtfleisch der Kokosnuss ist durch mehrere Schichten vor Einflüssen von außen weitestgehend geschützt. Ist die Nuss aber erst einmal geknackt, können verschiedene Schadstoffe hineingelangen. Wir haben deshalb alle Produkte auf Mineralölbestandteile und polyzyklisch aromatische Kohlenwasserstoffe untersuchen lassen. Letztere können bei Trocknungsprozessen entstehen. Bei den Kokosölen interessierte uns die Fettqualität und ob Weichmacher zum Beispiel aus der Deckeldichtung auf das Lebensmittel übergehen. In Kokosmilch und -raspel haben die Labore außerdem nach Perchloraten und Chloraten gesucht.

Die Bewertung
Unerwünschte Mineralölbestandteile im Produkt sorgen für die meisten Abwertungen. Aber auch für zu viel Chlorat, Weichmacher und stark erhöhte Fettschadstoffwerte gibt es Abzug. An der Deklaration haben wir kaum etwas zu bemängeln. Nur bei einem Produkt wirbt der Anbieter mit Gesundheitsversprechen.

So haben wir getestet

Natives Kokosöl darf der Hersteller weder raffinieren noch bleichen oder desodorieren. Im Labor prüfen die Analytiker, ob sie sich daran halten und wie die Qualität des Öles ist.

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Video zum Thema

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ÖKO-TEST-Magazin 6/2017:

Kokosprodukte

Eine harte Nuss.

Die Kokosnuss gilt als Superfood mit allerhand gesundheitlichen Versprechen. Was ist davon zu halten? ÖKO-TEST wollte wissen, ob Kokosraspeln, Kokosmilch und Kokosöl wirklich so empfehlenswert sind.