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22 Kokosprodukte im Test

Jahrbuch für 2018
vom 19.10.2017

Kokosprodukte

Eine harte Nuss

Im Lebensmittelhandel stehen sie Reihe an Reihe: Produkte aus der Kokosnuss. Man könnte glatt den Eindruck gewinnen, es gäbe nichts, was nicht aus der Tropenfrucht herzustellen wäre. Aber überzeugen die Produkte auch beim Schadstofftest?

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19.10.2017 | Kokosnussprodukte gelten als besonders gesund. So soll das Fett der Kokosnuss nicht nur vorbeugend gegen Alzheimer wirken, sondern auch vor Herzinfarkten schützen.

Wissenschaftlich bewiesen sei keine dieser Behauptungen, sagt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) auf Nachfrage. Im Gegenteil: Aufgrund des hohen Anteils an gesättigten Fettsäuren sei Kokosöl nicht das Fett der Wahl für den täglichen Gebrauch. "Als klassischen Allrounder in der Küche empfehlen wir Rapsöl. Es ist universell einsetzbar und hat ein sehr günstiges Fettsäuremuster", urteilt die DGE.

Wer sich im Internet durchklickt, findet auch immer wieder die Aussage, Kokosöl könne beim Abnehmen helfen. Das fußt vor allem darauf, dass Kokosnuss-Fürsprecher die Laurinsäure, die am häufigsten vorkommende Fettsäure in der Kokosnuss, gerne als mittelkettige Fettsäure (MCT) bezeichnen. Diese MCT nehme der Körper schneller auf und sie würden in der Leber direkt verstoffwechselt, während die langkettigen Fettsäuren (LCT) in der Regel in die Depots gehen, erklärt Professor Dr. Gerhard Jahreis von der Universität Jena. Ebenso wie Professor Dr. Bernhard Watzl vom Max-Rubner-Institut zählt aber auch Jahreis die Laurinsäure keineswegs zu den MCT. Diese sei bereits langkettig.

Die Vielfalt bei Kokosprodukten ist groß. Wir haben bei Kokosmilch, -öl und -raspel ganz genau hingesehen.

Das Testergebnis

Von eins bis sechs haben wir alle Noten dabei. Die "sehr guten" Produkte sind glücklicherweise am häufigsten vertreten.

Und täglich grüßt ... das Mineralöl. Drei Öle im Test weisen sehr stark erhöhte MOSH/POSH-Gehalte auf. Das sind gesättigte Kohlenwasserstoffe, die sich im Körper anreichern können und in Tierversuchen zu Organschäden führten. Auch Kokosraspel und Kokosmilch sind teilweise mit Mineralölbestandteilen belastet. In den Ja! Kokosraspel hat das Labor neben MOSH/POSH sogar besonders bedenkliche aromatische Kohlenwasserstoffe (MOAH) nachgewiesen.

Neben Kokosnussextrakt enthält Kokosmilch auch bis zu 40 Prozent Wasser. Ob durch das Wasser oder bereits durch die Erzeugung und Verarbeitung der Kokosnüsse: Kokosmilch kann Chlorat, ein mögliches Nebenprodukt in der Trinkwasserdesinfektion, enthalten. Erhöhte Werte haben die Analytiker in vier Kokosmilchen gefunden. Das ist problematisch, da bei längerer Chlorataufnahme die Jodaufnahme in die Schilddrüse gehemmt werden kann.

Weichmacher aus Kunststoffen können während der Verarbeitung oder durch die Verpackung auf das Lebensmittel gelangen. Im Fall des Veganz Kokosöls Premium haben wir Diethylhexylphthalat (DEHP) im Produkt gefunden. Der Wert überschreitet das spezifische Migrationslimit. Die Europäische Union stuft den Weichmacher als reproduktionstoxisch ein. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt, in Deckeldichtungen für Lebensmittelverpackungen auf DEHP zu verzichten.

Kokosöl enthält typischerweise rund 50 Prozent Laurinsäure und ist bei Raumtemperatur fest. Nicht so das Danlee Cocofin aus kaltgepresst

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So haben wir getestet

Der Einkauf
Die Kokosnuss ist nicht neu auf dem Markt. Der Hype um sie aber schon. Aus der Flut an Kokosprodukten in den Regalen haben wir uns für drei besonders absatzstarke Produktarten entschieden: die klassischen Kokosraspel zum Backen und für Desserts, die Kokosmilch, die Veganer zum Beispiel auch als Sahneersatz schätzen, und das viel umworbene Kokosöl, dem allerhand gesundheitsfördernde Wirkungen zugesprochen werden. Kokosprodukte, insbesondere die Öle, tragen häufig ein Bio-Siegel. Deshalb stammen rund zwei Drittel der Produkte im Test aus ökologischem Anbau.

Die Inhaltsstoffe
Das Fruchtfleisch der Kokosnuss ist durch mehrere Schichten vor Einflüssen von außen weitestgehend geschützt. Ist die Nuss aber erst einmal geknackt, können verschiedene Schadstoffe hineingelangen. Wir haben deshalb alle Produkte auf Mineralölbestandteile und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe untersuchen lassen. Letztere können bei Trocknungsprozessen entstehen. Bei den Kokosölen interessierte uns die Fettqualität und ob Weichmacher zum Beispiel aus der Deckeldichtung auf das Lebensmittel übergehen. In Kokosmilch und -raspel haben die Labore außerdem nach Perchloraten und Chloraten gesucht.

Die Bewertung
Unerwünschte Mineralölbestandteile im Produkt sorgen für die meisten Abwertungen. Aber auch für zu viel Chlorat, Weichmacher und stark erhöhte Fettschadstoffwerte gibt es Abzug. An der Deklaration haben wir kaum etwas zu bemängeln. Nur bei einem Produkt wirbt der Anbieter mit Gesundheitsversprechen.

So haben wir getestet

Natives Kokosöl darf der Hersteller weder raffinieren noch bleichen oder desodorieren. Im Labor prüfen die Analytiker, ob sie sich daran halten und wie die Qualität des Öles ist.

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