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21 Deos ohne Aluminium im Test

ÖKO-TEST Juni 2015
vom 29.05.2015

Deos ohne Aluminium

Deorie und Praxis

Aluminiumsalze in Deos stehen in der Kritik. Deshalb greifen inzwischen mehr Kunden zu Produkten ohne das Leichtmetall. Unser Test zeigt: Die meisten Deos ohne Alu können sich sehen lassen.

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29.05.2015 | Ohne Aluminiumsalze": Die Deos sind schon am Regal im Drogeriemarkt markiert, im Supermarkt hängt eine Liste aus. Ganz klar: Deos ohne das Leichtmetall Alu sind gefragt und das Angebot an solchen Frischmachern ist stark gewachsen. Aluminiumsalze stecken normalerweise in Deos, die eine Schweißminderung versprechen. Doch sie reizen nicht nur die Haut, sie sind aus vielen Gründen in die Kritik geraten - ebenso wie Aluminium in Kosmetika generell. ÖKO-TEST beantwortete die wichtigsten Fragen.

Warum steckt Aluminium in Antitranspiranten und Deos?

In Deos oder besser in Antitranspiranten kommen Aluminiumsalze zum Einsatz, um das Schwitzen zu vermindern. Die Aluminiumverbindungen ziehen die Hautporen zusammen, außerdem werden die Schweißkanäle blockiert - wir schwitzen weniger. Deshalb trifft es der Name "Antitranspirant", also Antischwitzer ganz gut. Deos ohne Aluminiumsalze wiederum überdecken zwar wie Antitranspirante auch den Körpergeruch, sie funktionieren aber nach einem anderen Prinzip: Sie bekämpfen durch keimhemmende Substanzen die Ursache des Müffelns. Denn Schweiß für sich stinkt nicht, erst wenn Bakterien den Schweiß zersetzen, stören sich unsere Nasen daran. Deos ohne Aluminiumsalze vermindern also nicht den Schweiß - ein Grund, warum Umsteiger auf "ohne Alu" am Anfang manchmal enttäuscht sind.

In welchen Kosmetika finden wir sonst noch Aluminium?

In Lotionen, in Sonnenschutzmitteln zur Ummantelung des UV-Filters Titandioxid (siehe Test Sonnenschutzmittel für Kinder), in Make-up und und und. Zudem stecken in Kosmetika unterschiedliche Aluminiumverbindungen. Als hauptsächliche Aufnahmequellen unter den Kosmetika sieht das wissenschaftliche Beratergremium der EU neben den Antitranspiranten vor allem Zahnpasta und Farbpigmente in Lippenstiften.

Was wissen wir über die Aufnahme von Aluminium?

Vor allem über Essen und das Trinkwasser nehmen wir Aluminium auf. Als wöchentlich tolerierbare Menge hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit den Wert von einem Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht festgelegt. Alleine über die Lebensmittel - so das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) - kann diese tolerierbare Menge überschritten werden. Aluminium steckt teilweise schon von Natur aus in Lebensmitteln oder geht von der Verpackung in Lebensmittel über. Das heißt, alles, was neben der Nahrung noch dauerhaft über die Haut an Aluminium aufgenommen wird, könnte somit zu viel sein und sich im Körper anreichern. Über geschädigte Haut - etwa durchs Rasieren - gelangt sogar vermutlich deutlich mehr in den Körper. In seiner Berechnung von 2014 stellt das BfR fest, dass alleine der tägliche Einsatz eines aluminiumhaltigen Antitranspirants die tolerierbare Menge komplett ausschöpfen beziehungsweise diese sogar überschreiten könnte. Das ist kurzfristig weniger problematisch, auf lange Zeit wäre dies aber "aus toxikologischer Sicht nicht tolerierbar". Die Sorge: Das Aluminium könnte das Nervensystem, die Fortpflanzung und die Knochenentwicklung beeinträchtigen.

Was wissen wir nicht?

Was genau ein "zu viel" an Aluminium über Jahre hinweg mit unserer Gesundheit macht, lässt sich heute noch nicht abschätzen.

Auch wenn Studien einen Zusammenhang mit Brustkrebs und Alzheimer thematisieren, gilt es als wissenschaftlich umstritten. Außerdem ist noch nicht erforscht, wie viel Aluminium tatsächlich auf Dauer über die Haut aufgenommen wird und wie viel Aluminium wir im Alltag insgesamt aus allen Quellen ausgesetzt sind.

Was ist zu tun?

Bis wir mehr über Aluminium und seine Spätfolgen wissen, gilt es, vorbeugend die tägliche Menge Alu zu verringern. Das BfR hat vorgeschlagen, einen Grenzwert für Aluminium in Antitranspiranten festzulegen. Die französische Gesundheitsbehörde empfahl schon 2011 konkret die Obergrenze von 0,6 Prozent für die Schweißhemmer. Bisher gibt es jedoch keine allgemeingültigen Höchstwerte, nur eine Aluminiumverbindung ist genauer geregelt. Nötig wäre zudem, endlich eine klare Unterscheidung bei der Produktbezeichnung vorzuschreiben. "Antitranspirant" für Produkte, die Aluminium enthalten, "Deo" für Frischmacher ohne Aluminium. Leider nimmt es die Kosmetikindustrie nicht so genau mit den Produktbezeichnungen. Unsere Liste ab Seite 74 zeigt: Auf dem Markt gibt es einige "Deos", die Aluminiumsalze enthalten. Vor allem ist die Verbindung Aluminiumchlorohydrat zu finden.

Wer sich bewusst für ein Deo ohne Aluminiumsalze entscheidet, will sich aber auch keine anderen umstrittenen Inhaltsstoffe in die Achselhöhlen sprühen. Wir haben 21 Produkte eingekauft und testen lassen.

Das Testergebnis

Ohne ist besser als mit. In puncto Inhaltsstoffe gibt es drei konventionelle Marken, die nur mit "ausreichend" abgeschnitten haben. Alle anderen sind besser. Allerdings hagelt es in Zusammenhang mit den angefragten Wirksamkeitsnachweisen Kritik. Insgesamt haben wir elf "sehr gute" und "gute" Deos im Test.

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Deos ohne Aluminiumsalze haben wir in Drogerien, Supermärkten, Apotheken und Naturwarenläden eingekauft. Sprays, Pumpzerstäuber, Roll-ons, für Männer, für Frauen und Unisex - 21 Erfrischer insgesamt, davon neun als zertifizierte Naturkosmetik.

Die Inhaltsstoffe
Wir wollten wissen: Was setzen die Hersteller statt Aluminium in den Deos ein? Sind die Wirkstoffe unbedenklich? Und duften vielleicht problematische Substanzen?

Die Weiteren Mängel
Die Anbieter baten wir um Studien zur Wirksamkeit ihrer Deos. Wenn die Unternehmen uns diese nicht schickten, obwohl sie auf der Verpackung konkrete Wirkversprechen zum Deoschutz machen, war das für uns ein Weiterer Mangel.

Die Bewertung
Nur ein Produkt ohne Mängel kann bei uns "sehr gut" abschneiden, für bedenkliche Inhaltsstoffe gibt es Punktabzug, ebenso, wenn die eingeschickten Herstellerstudien nicht Mindestanforderungen entsprechen - beispielsweise in Bezug auf Probanden- und Expertenzahl.

So haben wir getestet

24 und sogar 48 Stunden Wirkung versprechen einige der Anbieter.

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