Beikostöle im Test: Nicht alle sind frei von Problemstoffen

Magazin März 2025: Schwarzer Pfeffer | Autor: Cerline Wolf-Gorny/Michelle Sensel/Rebecca Welsch | Kategorie: Kinder und Familie | 27.02.2025

Beikostöle im Test: Wir haben acht Produkte getestet.
Foto: Prostock-studio/Shutterstock; Photoongraphy/Shutterstock

Zum selbstgemachten Brei sollen Eltern laut Ernährungsplan immer auch etwas Öl hinzugeben. Gut, dass wir den Großteil der getesteten Bio-Beikostöle als "sehr gut" oder "gut" empfehlen können. Aber nicht alle überzeugen. Unsere größten Kritikpunkte im Test: ein Schimmelpilzgift und kritische Mineralölbestandteile.

  • Im Test: Acht Beikostöle, die wir in Drogerien, (Bio-)Supermärkten und online eingekauft haben, die entweder raffiniert oder nativ/kalt gepresst sind.
  • Für 250 Milliliter des günstigsten Öls im Test zahlten wir 2,45 Euro, für das teuerste 6,90 Euro. 
  • Der Großteil der getesteten Beikostöle ist empfehlenswert.
  • In der Kritik stehen ein Schimmelpilzgift und kritische Mineralölbestandteile. 

Etwa ab dem sechsten Lebensmonat – aber vor allem dann, wenn das Baby dazu bereit ist – geht es mit der Beikost los. Zum selbstgemachten Brei sollen Eltern laut Ernährungsplan immer auch etwas Öl hinzugeben, damit die fettlöslichen Vitamine A, D, E und K besser vom kleinen Körper aufgenommen werden können.

Beikostöl besteht meist aus Rapsöl

Speziell dafür gibt es Beikostöle. Sie bestehen meist aus 100 Prozent Bio-Rapsöl, manche Hersteller mischen zusätzlich Sonnenblumen-, Lein- oder Hanföl bei. Da sie als Beikostöle ausgelobt sind, müssen sich die Hersteller der Öle an strenge gesetzliche Regeln, beispielsweise in Bezug auf Zusammensetzung, Zusatzstoffe, Rückstände und Schadstoffe, halten.

Auf diese strengen Vorgaben verwiesen übrigens auch fast alle Hersteller der acht Bio-Beikostöle in unserem Test, als wir sie nach dem Unterschied zwischen ihrem Beikostöl und herkömmlichem Öl gefragt haben. Wir haben uns ihre Beikostöle genauer angesehen: Die Tabelle ist zwar vorwiegend grün, wir haben trotzdem einiges zu kritisieren.

Schimmelpilzgift in Beikostöl erhöht

Kommen wir zum größten Kritikpunkt: Das von uns beauftragte Labor fand ein Schimmelpilzgift in einem Gehalt, den wir als erhöht einstufen. Konkret geht es um das Alternariatoxin Alternariolmonomethyl ether (AME) – ein Stoffwechselprodukt der Alternaria-Schimmelpilze, die eine Reihe pflanzlicher Lebensmittel befallen können.

AME wirkt genotoxisch, es veränderte im Labor das genetische Material von Zellen. Laut dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL Bayern) steht die Verbindung zudem in Verdacht, die Entwicklung von Krebs zu begünstigen. Aber: Erkenntnisse zur Wirkung an lebenden Organismen fehlen bisher.

Die EU-Kommission gibt für die Überwachung von Alternariatoxinen zwar Richtwerte vor, allerdings nicht konkret für Beikostöl aus Rapsöl. Auch der Hersteller weist darauf hin und bewertet den gemessenen Gehalt anhand EU-Richtwerten für Sesam- und Sonnenblumensaaten als Spuren.

ÖKO-TEST berücksichtigt geringes Körpergewicht der Babys

Wir orientieren uns bei der Bewertung an den Schwellenwerten für Alternariatoxine der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), da sie sich auf die tägliche Aufnahme und das jeweilige Körpergewicht beziehen. Somit berücksichtigen sie auch das geringe Gewicht von Säuglingen und Kleinkindern. Bei der Zugabe von einem Teelöffel – also etwa fünf Millilitern Beikostöl – pro Breiportion würde die im Labor gemessene Menge an AME diesen Wert schon mit dieser einen Portion bis zu drei Mal ausschöpfen.

Heißt konkret: Wenn ein sechs Monate alter Säugling mit einem Körpergewicht von acht Kilogramm 1,7 Gramm des Beikostöls zu sich nimmt, wäre der Wert bereits komplett ausgeschöpft. Liegt die aufgenommene Menge unterhalb des Schwellenwerts, geht die EFSA davon aus, dass die Wahrscheinlichkeit einer negativen Auswirkung auf die Gesundheit jedenfalls sehr niedrig ist.

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Beikostöle im Test enthalten kritische Mineralölbestandteile

Das bleibt nicht der einzige Kritikpunkt: Zwar fanden wir in allen Produkten Mineralölbestandteile in sehr geringen Mengen. Doch bei vereinzelten Beikostölen bemängeln wir aus unserer Sicht erhöhte Gehalte der gesättigten Kohlenwasserstoffe MOSH/MOSH-Analoge.

MOSH reichern sich im Körper an und gelten dort als größte Verunreinigung. Ob sie dort etwas anrichten und, wenn ja, was, ist bisher aber noch nicht ausreichend geklärt. In die Öle gelangen Mineralölbestandteile zum Beispiel, wenn die Pflanzen auf dem Feld oder das Öl bei der Verarbeitung mit Schmierölen in Kontakt kommen. Hersteller sollten unserer Meinung nach dafür sorgen, dass solche Verunreinigungen ausgeschlossen werden.

Beikostöle mit ungünstiger Fettzusammensetzung

Und wenn ein Öl schon speziell als Beikostöl ausgelobt ist, dann sollte es den Säugling unserer Ansicht nach auch optimal mit Fettsäuren versorgen, die der Körper nicht selbst herstellen kann. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt ein Verhältnis von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren von maximal 5 zu 1.

Denn beide essenziellen Fettsäuregruppen benötigt der kleine Mensch – allerdings nicht in gleichem Maße. Die Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren ist im Säuglingsalter für die Entwicklung der Gehirn- und Nervenzellen wichtig. Eine zu hohe Aufnahme von Omega-6-Fettsäuren ist wiederum ungünstig, da die beiden essenziellen Fettsäuregruppen im Körper um die gleichen Enzyme konkurrieren.

Wir werten es entsprechend ab, wenn das Verhältnis von Omega-6- zu Omega- 3-Fettsäure bei über 5 zu 1 liegt. Das war bei zwei Beikostölen der Fall, weshalb wir hier die Hersteller in der Pflicht sehen, an der Fettzusammensetzung ihrer Öle zu arbeiten.

Beikostöle im Test: Qualität könnte besser sein

Und wie steht es um die Qualität der Öle? Mit der Zeit bilden sich in Speisefetten aufgrund von Oxidationsprozessen ungenießbare Substanzen, und das Öl wird ranzig. Um diesen Fettverderb zu erkennen, ließen wir im Labor die Totoxzahl bestimmen – sie gilt als Maß für den Oxidationszustand von Öl.

Die Ergebnisse bewerteten wir angelehnt an die Leitsätze für Speisefette und -öle. Bei zwei Beikostölen lag die Totoxzahl über dem Richtwert der Leitsätze – ein Hinweis auf Fettverderb durch Oxidation. Gesundheitliche Auswirkungen sind hier zwar nicht zu erwarten. Dennoch ist es aus unserer Sicht Aufgabe der Hersteller, die Qualität ihrer Öle zu verbessern.

Beikost: Welches Öl ist das Beste?

Alles in allem erhalten drei Beikostöle die Bewertung "sehr gut" – hier stimmen aus unserer Sicht sowohl Qualität als auch Fettsäurezusammensetzung. Und: In keinem Bio-Beikostöl im Test haben wir kritische Weichmacher oder gesundheitsschädliche polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) gefunden – in unserem letzten Beikostöl-Test 2018 hatten wir das noch kritisiert. Auch Pestizide waren kein Thema. Zudem stammen alle Öle laut Hersteller aus EU-Landwirtschaft, haben also keine langen Wege hinter sich.

Wer dennoch nicht überzeugt ist, muss kein spezielles Beikostöl für sein Baby verwenden: Das Netzwerk Gesund ins Leben vom Bundeszentrum für Ernährung empfiehlt herkömmliches Rapsöl zum Brei dazuzugeben – vor allem wegen der besonders guten Fettsäurezusammensetzung.

Das ist auch wesentlich günstiger: In unserem letzten Test Rapsöl gab es das günstigste "sehr gute" Bio-Rapsöl für 3,30 Euro pro Liter. 

Tipps: Öl richtig in der Beikost einsetzen – so funktioniert's

Wie viel? In den selbstgemachten Gemüse-Kartoffel-Fleisch/Fisch-Brei und in die vegetarische Variante mit Getreide (circa 200 Gramm) sollten Eltern laut dem Netzwerk Gesund ins Leben etwa einen Esslöffel natives oder raffiniertes Rapsöl geben. Im Getreide- Obst-Brei reicht hingegen ein Teelöffel aus.

Wann? In beiden Breien kommt das Öl erst ganz zum Schluss zum Einsatz – also immer, nachdem der Brei erhitzt und im Fall des Gemüse-Kartoffel-Fleisch/Getreide-Brei püriert wurde. Einfach im Topf oder auch erst in der Schale, die Sie am Tisch verwenden möchten, in den Brei rühren.

Und in Fertigbrei? Wer auf Fertigbreie setzt, kann einen Blick in die Inhaltsstoffliste werfen. Ist dort kein Öl enthalten, können Sie Rapsöl hinzu geben, nachdem sie den Brei erwärmt haben.

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Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Testverfahren

Wir haben acht Beikostöle in Drogerien, (Bio-)Supermärkten und online eingekauft, die entweder raffiniert oder nativ/kalt gepresst sind. Da wir in den Geschäften und Onlineshops keine konventionellen Beikostöle vorfanden, testeten wir ausschließlich Bio-Beikostöle. Für 250 Milliliter des günstigsten Öls im Test zahlten wir 2,45 Euro, für das teuerste 6,90 Euro.

In verschiedenen jeweils darauf spezialisierten Laboren ließen wir die Öle auf polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), Pestizide, Weichmacher und die raffinierten Öle auf die Fettschadstoffe 3-MCPD-Ester/Glycidylester untersuchen.

Ein Öl, in dem Hanföl enthalten war, ließen wir auf Cannabinoide untersuchen. Auch auf Mineralölbestandteile, Alternariatoxine und die Fettsäurezusammensetzung überprüften die Labore die Produkte. Die Ölqualität ließen wir gemäß den Leitsätzen für Speisefette und Speiseöle überprüfen – die konkreten Parameter: Säurezahl, Anisidinzahl, Peroxidzahl, Totoxzahl und polymere Triglyceride. Wir prüften, ob die Verpackungen PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen enthielten. Alle Flaschen überprüften wir auf Umweltauslobungen ohne weiterführende Informationsmöglichkeiten auf den Produkten.

Per Deklaration überprüften wir auch, ob sich die Auslobungen auf den Verpackungen mit der EU-Health-Claims- Verordnung decken. Außerdem beanstandeten wir es, wenn auf einem Produkt der Hinweis "raffiniert" fehlte.

Bewertungslegende

Soweit nicht abweichend angegeben, handelt es sich bei den hier genannten Abwertungsgrenzen nicht um gesetzliche Grenzwerte, sondern um solche, die von ÖKO-TEST festgesetzt wurden. Die Abwertungsgrenzen wurden von ÖKO-TEST eingedenk der sich aus spezifischen Untersuchungen ergebenden Messunsicherheiten und methodenimmanenter Varianzen festgelegt, zugrunde gelegt werden die gemessenen Gehalte. Steht bei konkret benannten Analyseergebnissen "nein", bedeutet das "unterhalb der Bestimmungsgrenze" der jeweiligen Testmethode. Bei Richt-, Orientierungs- und Schwellenwerten handelt es sich um rechtlich nicht bindende Werte, die eingehalten werden sollten, während rechtlich bindende Grenzwerte eingehalten werden müssen. MOSH/MOSH-Analoge beinhalten gegebenenfalls auch POSH (Polyolefin Oligomeric Saturated Hydrocarbons), PAO (Poly Alpha Olefins) und MORE (Mineral Oil Refined Products). Der Threshold of Toxicological Concern (TTC) ist der tägliche Schwellenwert mit toxikologischer Relevanz der EFSA. Zur Bestimmung des TTC wurde ein durchschnittliches Körpergewicht eines sechs Monate alten Säuglings von acht Kilogramm und eine tägliche Portion von fünf Millilitern Beikostöl zugrunde gelegt.

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um vier Noten: ein gemessener Gehalt an Alternariolmonomethylether (AME), der den TTC für AME von 2,5 ng pro kg Körpergewicht pro Tag zu mehr als 100 % ausschöpft (in Tabelle: "AME stark erhöht"). Zur Abwertung um zwei Noten führt: ein gemessener Gehalt an gesättigten Mineralölkohlenwasserstoffen und Analogen (MOSH/MOSH-Analoge) der Kettenlängen C17 bis C35 von mehr als 2 bis 4 mg/kg (in Tabelle: "erhöht"). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) ein Verhältnis von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren, das schlechter ist als das von der DGE empfohlene Verhältnis von ≤ 5:1 (in Tabelle: "ungünstig"); b) eine Totoxzahl (berechnet: Anisidinzahl + 2 x Peroxidzahl), die den Richtwert gemäß den Leitsätzen für Speisefett und Speiseöle für raffinierte Speiseöle von 10 überschreitet (in Tabelle: "Hinweis auf Oxidation").

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um eine Note: fehlende Bezeichnung "raffiniert" bei einem raffinierten Öl, die aus unserer Sicht für Transparenz sorgt und eine Vergleichbarkeit von Produkten ermöglicht.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "gut" ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht.   

Testmethoden

Mineralölbestandteile: nach ISO 20122:2024-04.; Messung mittels LC-GC/FID (Bestimmung im homogenisierten Probenmaterial aus drei Packungen).         

Ansidinzahl: nach § 64 LFGB L 13.00-15:2018-06 (Bestimmung im homogenisierten Probenmaterial aus drei Packungen).

Säurezahl/Freie Fettsäuren: nach DGF C-V 2:2020 (Bestimmung im homogenisierten Probenmaterial aus drei Packungen).               

Totoxzahl: berechnet (2x Peroxidzahl + Ansidinzahl).               

Fettsäureprofil: nach DGF C-VI 11d:2019, mod. und DGF C-VI 10a:2000, mod., Modifikation betrifft die technische Anpassung an Geräte zur online-Derivatisierung und Anpassung der Chromatographiebedingungen an die technischen Gegebenheiten; Messung mittels GC-FID (Bestimmung im homogenisierten Probenmaterial aus drei Packungen).

Peroxidzahl: nach § 64 LFGB L 13.00-40:2012-01 (Bestimmung im homogenisierten Probenmaterial aus drei Packungen).

Polymere Triglyceride: nach DGF C-III 3d:2002 (Bestimmung im homogenisierten Probenmaterial aus drei Packungen).      

Pestizid-Screening: GC-MS/MS und LC-MS/MS (Bestimmung im homogenisierten Probenmaterial aus drei Packungen).     

Weichmacher: mittels GC-MS/MS (Bestimmung im homogenisierten Probenmaterial aus drei Packungen).

3-MCPD-Ester/Glycidylester: nach DGF C-VI 18:2010 mod.; die Modifikation betrifft die Messung mittels Automatisierung (Bestimmung im homogenisierten Probenmaterial aus drei Packungen).  

Alternariatoxine: LC-MS/MS (Bestimmung im homogenisierten Probenmaterial aus drei Packungen). 

Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK): mittels GC-MS/MS (Bestimmung im homogenisierten Probenmaterial aus drei Packungen).

PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung: Röntgenfluoreszenzanalyse. Cannabinoide: LC-MS/MS.               

Einkauf der Testprodukte: November 2024.

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