Klimaschutz mit torffreier Erde – Welche Hochbeeterden überzeugen

Magazin April 2025: Müsli | Autor: Timm Knautz/Marieke Mariani/Rebecca Welsch | Kategorie: Freizeit und Technik | 31.03.2025

Hochbeeterde ohne Torf ist besser fürs Klima.
Foto: ÖKO-TEST

Hochbeete haben viele Vorteile: Sie sind rückenschonend, schneckenfrei und einfach abzudecken. Spezielle Hochbeeterden sollen das Pflanzenwachstum fördern. Dabei ist torffreie Erde immer die bessere Wahl. Warum das so ist und wie es um die Qualität von 13 torffreien Erden steht. 

  • Ohne Torf ist besser: Wer torffreie Hochbeeterde kauft, tut etwas fürs Klima. Denn beim Torfabbau in Mooren wird jede Menge klimaschädliches CO₂ freigesetzt. 
  • Im Test: 13 torffreie Blumenerden. Wir kauften sie in Gartencentern, Baumärkten oder im Internet.
  • Mit Bestnote schneiden vier Hochbeeterden ab. 
  • Kritisch sehen wir zu viel Natrium, Darmbakterien, Auffälligkeiten bei den Nährstoffen und eine fragwürdige Werbung mit Regionalität.

    Hochbeete schaffen Anbaufläche, wo sonst wenig Raum dafür ist: Auf Stadtbalkonen und in Hinterhöfen – im Urban Gardening haben sich die Pflanzkästen längst etabliert. Aber auch in Gärten werden sie immer beliebter.

    Durch die Erhöhung gelangen Tiere schlechter an die Pflanzen, vor allem Schnecken scheuen den Weg nach oben. Zudem lässt sich am Hochbeet rückenschonender gärtnern; die klare Begrenzung vereinfacht das Abdecken und verhindert ausuferndes Wachstum. Zum Befüllen empfehlen Fachleute mehrere Schichten. Für die oberste Schicht eignen sich Hochbeeterden, von denen wir 13 eingekauft haben.

    Ausgewählt haben wir für unseren Test ausschließlich torffreie Erden. Denn Torf wird aus trockengelegten Mooren gewonnen. Laut des Bundesumweltministeriums werden allein in Deutschland durch geschädigte und entwässerte Moore jährlich rund 53 Millionen Tonnen klimaschädliches CO₂ in die Atmosphäre freigesetzt.

    Auch Pflanzen und Tiere verlieren dabei ihre Lebensräume. Deshalb lehnen wir torfhaltige Erde grundsätzlich ab. 

    Welche ist gut fürs Hochbeet?:Torffreie Erde im Test

    Unser Test zeigt: Vier torffreie Hochbeeterden sind mit "sehr gut" empfehlenswert. Kritik üben wir vor allem an zu viel Natrium, Darmbakterien, Auffälligkeiten bei den Nährstoffen und einer fragwürdigen Werbung mit Regionalität. Doch der Reihe nach. 

    Hochbeeterden enthalten zu viel Natrium und Kolibakterien

    Alles in allem haben die meisten torffreien Erden eine gute Qualität. Das von uns beauftragte Labor ist aber auch auf zu viel Natrium und Kolibakterien gestoßen. Zur Einordnung: 

    • Zu viel Natrium im Boden kann das Wachstum hemmen und schlimmstenfalls dazu führen, dass die Pflanze abstirbt.

      Natrium gelangt in der Regel über den zugesetzten Kompost in die Blumenerde. Als Nährstoff ist Natrium für die meisten Pflanzen aber eher zu vernachlässigen, weshalb es sinnvoller ist, den Natriumgehalt der Erde niedrig zu halten.
    • Da Blumenerde ein Naturprodukt ist, können Kolibakterien zum Beispiel über den Kot von Vögeln oder Säugetieren in die Erde gelangen. Sie werden aus der Erde nicht in die Pflanze aufgenommen. Über die Schleimhäute oder kleine Hautverletzungen können sie jedoch in den menschlichen Körper gelangen und dort zum Beispiel Durchfallerkrankungen oder Wundinfektionen auslösen.

      Wer mit Erde arbeitet, sollte deshalb Gartenhandschuhe tragen oder zumindest die Hände nach dem Gärtnern gründlich waschen.

      Der gemessene Gehalt an E.coli überschreitet bei einem Produkt den vorgeschlagenen Höchstgehalt, den Kultursubstrate und Bodenverbesserungsmittel für das EU-Umweltzeichen erfüllen sollten und an dem wir uns orientieren.

    Hochbeete auf Balkonen geben Hobbygärtnern die Möglichkeit, in der Stadt zu gärtnern.
    Hochbeete auf Balkonen geben Hobbygärtnern die Möglichkeit, in der Stadt zu gärtnern. (Foto: nieriss/Shutterstock)

    Nicht immer optimal: Die Nährstoffversorgung der Hochbeeterden

    Was ist im Test sonst noch aufgefallen? Hobbygärtnerinnen und -gärtner erwarten von frischer Erde eine grundlegende Nährstoffversorgung für die ins Hochbeet eingesetzten Pflanzen. Das ist im Test jedoch nicht immer der Fall: Zum Beispiel bei Stickstoff. Der gehört zu den wichtigsten, aber auch zu den flüchtigsten Nährstoffen. Deshalb sollte von Anfang an genug davon in der Erde sein.

    Ein Produkt enthält jedoch laut Deklaration weniger Stickstoff als nach den Kriterien des RAL-Gütezeichens vorgesehen ist, was wir unserer Bewertung zugrunde legen. Außerdem steckt in dieser und sechs weiteren Erden mehr Kaliumoxid als die Landwirtschaftlichen Untersuchungs- und Forschungsanstalten (LUFA) empfehlen. Zu viel Kalium kann die Wurzel der Pflanzen schädigen und die Aufnahme anderer Nährstoffe blockieren.

    Artenschutz auch bei torffreier Erde nicht immer garantiert

    Kommen wir zu einem weiteren Problem. Klar: Torffrei ist besser fürs Klima, doch torffreie Produkte sind nicht per se ein Garant für Tierschutz. 

    Manche Erden im Test enthalten als Dünger Guano. Dabei handelt es sich um den nährstoffreichen Kot einiger Vogelarten wie Humboldtpinguine und Kormoranen. Das Problem? Für den Abbau von Guano werden etwa in Peru oder Namibia wildlebende Vogelpopulationen gestört. Für uns ein No-Go.

    Doch selbst wenn die Hersteller beteuern, dass der Abbau nach strengen Umwelt- und Naturschutzstandards erfolge – er ist dennoch ein Eingriff in eine wildlebende Population, der die Tiere in ihrer natürlichen Lebensweise stört. Und auch der Arbeitsschutz der Menschen, die das stark ätzende Guano abbauen, kommt vielerorts zu kurz.

    Nicht umsonst verbietet das Gütezeichen Blauer Engel den Einsatz von Guano für Blumenerden in seinen Vergabekriterien komplett. Auch wir finden, dass eine Blumenerde kein Guano braucht und werten den Einsatz streng ab. Immerhin: Ein Hersteller hat bereits angekündigt, Guano durch pflanzlichen Dünger zu ersetzen.

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    Hochbeeterden mit überzogenen Werbeauslobungen

    Ein weiterer Kritikpunkt: Die Werbeauslobungen auf den Verpackungen schießen aus unserer Sicht manchmal etwas übers Ziel hinaus. 

    Während wir bei einigen großspurigen Aussagen noch ein Auge zudrückten, wunderten wir uns bei einem Produkt doch sehr: Im blau abgesetzten Kasten fabuliert der Hersteller auf der Tüte vom "Prinzip Verantwortung" und verweist auf "Regionalität" – in der Zutatenliste steht jedoch "Kokosmark", welches laut Hersteller aus Indien stammt.

    Kokospalmen wachsen nunmal in tropischem Klima und von dem ist Deutschland trotz Erderhitzung noch weit entfernt. "Regional" ist definitiv anders.

    Oft nicht belegt: Rezyklatanteil in der Hochbeeterden-Verpackung 

    Auch bei den Verpackungen selbst gibt es Verbesserungspotenzial: Die Tüten, in die die Blumenerden verpackt sind, bestehen aus Kunststoff. Um die Umwelt zu schonen, sollte der aus unserer Sicht möglichst aus Recyclingmaterial aus dem Wertstoffkreislauf bestehen.

    Einige Hersteller beherzigen das und loben einen Recyclinganteil von bis zu 80 Prozent aus. Nachvollziehbar belegen konnten uns das allerdings nur vier von ihnen.

    Torffreie Erde: ÖKO-TEST bleibt dran – für Umwelt und Klima 

    Dass Torf ökologisch ein Problem ist, erklärten wir bei ÖKO-TEST schon 1991 im Test von 17 torfarmen Blumenerden. Damals kritisierten wir vor allem die Zerstörung der Kulturlandschaft Moor und der Lebensräume seltener Pflanzen und Vögel.

    Inzwischen wissen wir eben um ein weiteres, drängendes Thema, das 2012 unseren Test von zehn torffreien Blumenerden dominierte: Intakte Moore binden CO₂ – werden sie zerstört, wird das klimaschädliche Treibhausgas freigesetzt.

    Im Gegensatz zu vielen anderen Bereichen hat sich hier leider wenig verändert. Wie schon vor vier Jahrzehnten bestehen handelsübliche Blumenerden nach Angaben des Umweltbundesamtes auch heute bis zu 90 Prozent aus Torf. Selbst Produkte, die als "torfreduziert" oder "torfarm" ausgelobt sind, enthalten oft noch rund 70 Prozent davon. Das bedeutet: Nur Erde, die ganz ohne Torf auskommt, macht für Umwelt und Klima wirklich einen Unterschied.

    Der Auftrag für ÖKO-TEST ist klar: Wir bleiben dran und unterstützen Verbraucherinnen und Verbraucher weiterhin dabei, auch bei der Wahl ihrer Blumenerde eine bewusste und aufgeklärte Kaufentscheidung treffen zu können.

    Weiterlesen auf oekotest.de:

    Wir haben diese Produkte für Sie getestet

    Testverfahren

    Für unseren Test haben wir 13 torffreie Blumenerden aus Gartencentern und Baumärkten geschleppt oder im Internet bestellt. Bezahlt haben wir dafür, aufgrund der unterschiedlichen Gebindegrößen zur besseren Vergleichbarkeit auf einen Liter umgerechnet, zwischen 20 und 32 Cent.

    Im Labor ließen wir alle Erden auf Schwermetalle, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und Pestizide untersuchen. Zudem gab es eine Analyse der Kunststoffverpackung auf PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen. Desweiteren erfolgte eine mikrobiologische Untersuchung auf E. coli und Salmonellen. Darüber hinaus überprüfte ein Labor in unserem Auftrag bestimmte Strukturparameter wie Trockenmasse, Feuchtigkeit, Rohdichte und organische Substanz (worunter beispielsweise Grünschnitt und Forstabfälle fallen).

    Der pH-Wert, die Leitfähigkeit zur Umrechnung in den Salzgehalt sowie der Natriumgehalt im Wasserextrakt standen ebenfalls auf dem Prüfprogramm. Die deklarierten Angaben zu Stickstoff, Phosphat, Kaliumoxid und organischer Substanz glichen wir mit den Empfehlungen der RAL und der LUFA sowie den Vorgaben der Düngemittelverordnung ab. Außerdem prüften wir anhand der Auslobungen, ob die Erde Guano enthält und fragten die Herkunft beim Hersteller ab. War dazu nichts deklariert, wollten wir außerdem wissen, ob die Erde Inhaltsstoffe tierischen Ursprungs enthält und haben dies informativ in die Tabelle aufgenommen.

    Zudem fragten wir den Anteil an Post-Consumer-Rezyklat in der Kunststoffverpackung bei den Herstellern ab und baten in allen Fällen um Nachweise für die Angaben. Zusätzlich achteten wir darauf, ob auf den Verpackungen umweltbezogene Aussagen und ausreichende Erläuterungen dazu zu finden sind und prüften diese auf Plausibilität.

    Bewertungslegende

    Soweit nicht abweichend angegeben, handelt es sich bei den hier genannten Abwertungsgrenzen nicht um gesetzliche Grenzwerte, sondern um solche, die von ÖKO-TEST festgesetzt wurden. Die Abwertungsgrenzen wurden von ÖKO-TEST eingedenk der sich aus spezifischen Untersuchungen ergebenden Messunsicherheiten und methodenimmanenter Varianzen festgelegt. Steht bei konkret benannten Analyseergebnissen "nein", bedeutet das "unterhalb der Bestimmungsgrenze" der jeweiligen Testmethode. Bei Richt- und Orientierungswerten handelt es sich um rechtlich nicht bindende Werte, die eingehalten werden sollten, während rechtlich bindende Grenzwerte eingehalten werden müssen.

    Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils eine Note: a) ein gemessener Gehalt an Natrium, der den Orientierungswert nach RAL Gütezeichen für Blumenerde (RAL-GZ 250/3) von 100 mg/L zu mehr als 100 Prozent ausschöpft (in Tabelle: "Natrium erhöht"); b) ein gemessener Gehalt an E. coli, der den vorgeschlagenen Höchstgehalt nach EU-Beschluss 2022/1244 zur Festlegung von EU-Umweltzeichenkriterien für Kultursubstrate und Bodenverbesserungsmittel von mehr als 1.000 koloniebildende Einheiten pro Gramm zu mehr als 100 Prozent ausschöpft (in Tabelle: "E. coli stark erhöht"). Unter dem Testergebnis Nährstoffe führen zur Abwertung um jeweils eine Note: a) ein Gehalt an Stickstoff, der den Orientierungswert nach RAL-Gütezeichen für Blumenerde (RAL-GZ 250/3) von 100 mg/L unterschreitet (in Tabelle: "wenig Stickstoff"); b) in Gehalt an Kaliumoxid, der den Orientierungswert der LUFA von 1.000 mg/L zu mehr als 100 Prozent ausschöpft (in Tabelle: "viel Kaliumoxid").

    Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um vier Noten: Einsatz von Guano. Zur Abwertung um zwei Noten führt: eine fehlende Angabe zum Anteil organischer Substanz, die nach der Düngemittel-Verordnung vorgeschrieben ist. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) ein Anteil von Rezyklaten (Post- Consumer-Rezyklat, PCR) von weniger als 30 Prozent in Relation zum Gesamtgewicht der Kunststoffverpackung, keine Angabe hierzu, oder kein ausreichender Nachweis auf unsere Anfrage hierzu; b) eine Auslobung, die regionale Rohstoffquellen suggeriert, obwohl laut Hersteller Kokosmark eingesetzt wird, welches aus Indien bezogen wird.

    Das Gesamturteil beruht zu 70 Prozent auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe und zu 30 Prozent auf dem Testergebnis Nährstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "mangelhaft" oder "ungenügend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um zwei Noten. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" oder "ausreichend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "gut" ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht. Es wurde kaufmännisch gerundet. Die Preisberechnung basiert auf der kleinsten zum Einkaufszeitpunkt verfügbaren Gebindegröße. Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die (von den Herstellern versprochenen) Wirkungen der Produkte nicht überprüft haben.

    Testmethoden

    Pestizide: Messung mittels GC-MS/MS, LC-MS/MS.

    Fraktion >/< 2 mm: Bestimmung nach DIN 19747, 2009-07.

    Trockenmasse: Bestimmung nach DIN EN 15934:2012-11A; DIN EN 14346:2007-03A

    E. coli: Prüfung nach ISO 16649-2.

    Salmonella spp.: Prüfung nach ISO 6579-1.

    Schwermetalle: Bestimmung mittels ICP-MS.

    Rohdichte: gravimetrische Bestimmung.

    pH-Wert: Extraktion mit Calciumchlorid nach VDLUFA-Methodenbuch Band I, A 5.1.1, 7. Teillieferung, 2016 (potentiometrisch).

    Leitfähigkeit: konduktometrische Bestimmung.

    Bestimmung wasserlöslicher Elemente (frei und gebunden): Wasserextraktion und Bestimmung mittels ICP-AES.

    PVC/PVCD/chlorierte Verbindungen in der Verpackung: Röntgenfluoreszenzanalyse.

    PAK: Prüfung nach DIN ISO 18287, 2006-15.

    Einkauf der Testprodukte: November 2024.

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