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Jahrbuch Kleinkinder 2017
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Kindergeschirr

Pseudo-Öko

Die meisten Plastikteller und -tassen für Kinder sind - außer bei großer Hitze - unbedenklich. Hellhörig sollte man bei vermeintlichem Bambusgeschirr werden, denn es ist zumindest nicht so natürlich, wie die Hersteller der Testprodukte behaupten.

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19.01.2017 | Plastikgeschirr für Kinder wird überwiegend aus Melaminkunstharz gefertigt. Eine Alternative sind sogenannte Bio-Kunststoffe. Wie viel Bio im Bio-Kunststoff steckt, schwankt allerdings. Hersteller vermischen Bambusfasern und Stärkepulver in der Regel noch mit Anteilen an Melaminharz oder Polylactat, um dem Material eine beständige Form und Festigkeit zu geben.

"Wenn bei der Aufmachung von sogenanntem Bambusgeschirr nicht erkennbar ist, dass die Gegenstände aus Kunststoff hergestellt wurden, ist der Tatbestand der Verbrauchertäuschung erfüllt", erklärt Dr. Uwe Lauber vom Chemischen Veterinär und Untersuchungsamt (CVUA) Stuttgart.

ÖKO-TEST hat 14 Geschirrsets für Kinder eingekauft und auf bedenkliche Inhaltsstoffe und mögliche Materialtricksereien prüfen lassen.

Das Testergebnis

Elf Kunststoffgeschirrsets sind mit der Bestnote empfehlenswert. Allerdings sind alle Bambusprodukte im Test aus unserer Sicht "ungenügend" und meist "nicht verkehrsfähig".

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So haben wir getestet

Der Einkauf

Wir haben Kindergeschirr von 16 Anbietern eingekauft. Der Test berücksichtigt zum einen abgepackte Sets. Zum anderen haben wir aus Tassen, Tellern und Schalen handelsüblicher Serien Kombinationen zusammengestellt - so wie es Kunden im Geschäft tun würden. Darunter Geschirr bekannter Spielzeugmarken, Ware aus Möbelhäusern und Öko-Produkte der gehobenen Preisklasse. Das teuerste Geschirrset kostete 29,95 Euro, für die preiswertesten Ess- und Trinkhilfen zahlten unsere Einkäufer 1,99 Euro.

Die Inhaltsstoffe
Die getesteten Kindergeschirrsets bestehen überwiegend aus Kunststoffen wie Melaminharz und Polypropylen. Weil die Plastikprodukte für den mehrfachen Gebrauch mit Lebensmitteln gedacht sind, gelten eine ganze Reihe gesetzlicher Vorgaben und Grenzwerte. So prüften die Labore, ob sich aus den Produkten Melamin, krebsverdächtiges Formaldehyd oder das hormonell wirksame Bisphenol A löst. Öko-Produkte, die vorgeblich aus Bambus bestehen sollen, unterzogen wir einem besonderen Härtetest: Um abzuschätzen, ob sie tatsächlich nur aus natürlichen Rohstoffen bestehen, lösten wir sie in verdünnter Salzsäure auf und wogen den Holzfaserrückstand. Ein Herauslösen von möglichen Kunststoffbestandteilen provozierten wir, in dem wir sie in Essigsäure kochten. Jedes Geschirrset durchlief zudem ein umfangreiches Materialscreening auf Schadstoffe, außerdem auf giftige Schwermetalle, PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen sowie krebserregende polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe.

Die Bewertung
Kinderprodukte zur Nahrungsaufnahme dürfen die Gesundheit in keiner Weise gefährden. Wir werten deshalb rigoros ab, wenn sich in ihnen kritische Mengen bedenklicher Inhaltsstoffe finden - vor allem dann, wenn ihre Konzentration gesetzliche Vorgaben überschreitet. Notenabzug gibt es zudem, wenn Anbieter ihre Produkte irreführend kennzeichnen und bewerben.

So haben wir getestet

Hitzetest im Trockenschrank: Aus einem Geschirrset sonderte sich zu viel Formaldehyd in heiße Flüssigkeit ab.

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Bestellnummer: J1701
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