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ÖKO-TEST August 2016
vom

Reinigungstücher und Feuchte Waschlappen

Nicht ganz sauber

Spielplatz, Essen, Kacki - bei den Kleinsten sind klebrige kleine Hände, Gesichter und ein Popo immer wieder blank zu wischen. Von 19 Reinigungstüchern und Waschlappen im Test fallen drei Produkte durch: sie enthalten eine krebsverdächtige Zutat.

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28.07.2016 | Feuchttücher erleben seit Jahren einen anhaltenden Boom. Das belegen erneut aktuelle Zahlen des Marktforschungsunternehmens Nielsen: Einmaltücher machen mittlerweile 40 Prozent am Gesamtumsatz des immerhin 383 Millionen Euro schweren Marktes der Baby- und Kinderpflege aus. So ist es nicht verwunderlich, dass die Anbieter für Kinderpflegemittel immer neue Einwegtücher erfinden und auf den Markt bringen.

Wir haben nun eine ganze Reihe von feuchten Reinigungstüchern für Gesicht und Hände sowie Einwegwaschlappen für Kinder in den Supermärkten und Drogerien entdeckt. Von denen werden gerade die Reinigungstücher in kleinen Packungen mit zehn bis 25 Stück angeboten. Derart verpackt passen sie noch in die kleinste Handtasche. Die Kehrseite: Zum einem ist das eine teure Sache, denn viele dieser Kleinstpackungen kosten doppelt bis viermal so viel wie eine herkömmliche Packung mit Babyfeuchttüchern, die 80 Stück enthält. Und zum anderen ist das der reinste Verpackungswahnsinn, durch den Tonnen von zusätzlichem Müll zustande kommen.

Und was ist an den speziellen Einwegtüchern für Gesicht und Hände tatsächlich anders als an den bekannten Feuchttüchern? Und was hat es mit den feuchten Waschlappen auf sich? Die Unterschiede zwischen den einzelnen Einwegprodukten sind geringfügig bis gar nicht vorhanden. Für alle Produkte wird ein weiches Tuch aus Vlies eingesetzt. Das ist mal minimal dicker oder dünner oder weist eine kaum sichtbare andere Struktur der Oberfläche auf. Die Flüssigkeit, mit der das Vlies getränkt ist, besteht größtenteils aus Wasser. Dazu sind häufig Spurengehalte hautpflegender Stoffe wie Allantoin, Aloe vera und Bisabolol oder das Feuchthaltemittel Glycerin hinzugefügt. Eine weitere äußerst wichtige Zutat sind zudem Konservierungsstoffe: Sie sorgen dafür, dass die Einwegtücher und -waschlappen in der angebrochenen Packung nicht verkeimen und vergammeln.

Doch genau diese Keimhemmer können problematisch für die empfindliche Babyhaut sein. Beispielsweise waren in unserem ÖKO-TEST Babyfeuchttücher (3/2016) ein Reihe von Produkten mit der Substanz Polyaminopropyl Biguanide (PHMB) konserviert. Der Stoff wurde Anfang 2015 als Gefahrenstoff eingestuft. Derzeit unternimmt die Industrie Anstrengungen, ein Verbot der Substanz zu verhindern. Auch ein anderer vielfach eingesetzter Konservierer, das Phenoxyethanol, war in die Kritik geraten. Im Jahr 2012 hatte die französische Arzneimittelbehörde ANSM empfohlen, die Einsatzkonzentration in Baby- und Kinderkosmetik abzusenken und den Stoff in Produkten für den empfindlichen Windelbereich völlig zu verbieten. In diesem Fall gab das EU-Beratergremium SCCS in März 2016 aber Entwarnung: Der für Kosmetika erlaubte Gehalt des Konservierers wurde als sicher für Verbraucher und auch für Babys- und Kleinkinder eingestuft.

Stecken in den neu angebotenen Einmaltüchern noch PHMB und weitere Problemstoffe oder sind sie eine saubere Sachen? Für einen Test haben wir neun Reinigungstücher, die speziell für Gesicht und Hände im Angebot sind, sowie zehn feuchte Waschlappen eingekauft.

Das Testergebnis

Überwiegend sauber! An gut drei Vierteln der feuchten Einwegtücher haben wir nichts bis fast nichts auszusetzen. Drei Produkte, darunter zwei Artikel einer großen Drogeriekette, fallen jedoch mit "mangelhaft" und "ungenügend" durch.

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Wir haben uns in Drogerien, Supermärkten und Discountern nach neuen Einwegtüchern für Babys und Kinder umgeschaut. Unser Einkäufer fanden insgesamt 19 verschiedene Reinigungstücher für Gesicht und Hände sowie feuchte Waschlappen.

Die Inhaltsstoffe
Die feuchten Einwegtücher und -waschlappen wurden in Labors auf unsere Standardparameter für Kosmetika wie bedenkliche Formaldehyd/-abspalter und umstrittene halogenorganische Verbindungen analysiert. Zusätzlich ließen wir alle parfümierten Produkte auf künstlichen Moschusduft, Duftstoffe, die Allergien auslösen können, und Diethylphthalat untersuchen, das beispielsweise zum Vergällen von Alkohol oder als Hilfsstoff in Parfüms eingesetzt wird. Zudem haben wir die Listen der Inhaltsstoffe auf umstrittene Kandidaten wie problematische Konservierungsmittel kontrolliert.

Die weiteren Mängel
Feuchte Tücher sind für die Abwasserbetriebe vieler Städte und Gemeinden seit einigen Jahren ein großes Ärgernis. Denn werden die Einwegtücher über die Toilette entsorgt, können sie Kanalleitungen verstopfen und verfangen sich regelmäßig in Pumpwerken. Doch haben alle Produkte einen Hinweis auf der Verpackung "nicht in der Toilette entsorgen"? Und enthalten die Verpackungen PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen, die bei der Herstellung und Entsorgung die Umwelt belasten?

Die Bewertung
Ein feuchter Waschlappen, der auch für die empfindliche Windelregion angeboten wird, sollte kein hautreizendes Parfüm enthalten. Tabu in Reinigungstüchern und feuchten Waschlappen für die empfindliche Baby- und Kinderhaut sind ebenso Konservierungsstoffe, die unter Verdacht stehen, Krebs zu erregen, künstlicher Moschusduft oder Diethylphthalat, das den Schutzmechanismus der Haut beeinflusst. Unter den weiteren Mängeln führte ein fehlender Hinweis "nicht in die Toilette entsorgen" zum Notenabzug.

So haben wir getestet

Nicht in die Toilette entsorgen! Auf den meisten Verpackungen weist ein Piktogramm darauf hin.