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ÖKO-TEST Juli 2017
vom

Schüler-Apps

Was geht App?

Spiele und Bücher auf Smartphone und Tablet faszinieren bereits Grundschüler. Das Angebot ist riesig. Für Eltern bedeutet das, kindgerechte Apps bewusst auszuwählen. Wir stellen 21 empfehlenswerte Apps zum Spielen, Lesen und Lernen vor.

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29.06.2017 | Bunte Bildschirme, auf denen sich etwas bewegt. Kaum etwas übt mehr Faszination auf Kinder aus als Smartphones und Tablets. Mehr als die Hälfte der Schüler zwischen 6 und 13 Jahren nutzt mittlerweile wöchentlich Handys oder Smartphones, rund ein Drittel Tablets. So das Ergebnis der Studie "Kinder, Internet, Medien" (KIM). Für sie befragt der medienpädagogische Forschungsverbund Südwest seit 1999 bundesweit alle zwei Jahre mehr als 1.200 Kinder und ihre Eltern.

Der Anteil der Kinder mit eigenem Smartphone sprang 2016 laut Studie auf dreißig Prozent. 2012 lag der Anteil noch bei sieben Prozent. Besaßen 2012 nur ein Prozent der befragten Kinder ein eigenes Tablet, waren es 2016 bereits fünf Prozent. Je älter die Kinder sind, desto häufiger verfügen sie über eigene Geräte. "Jüngere Kinder werden von ihren Eltern ausgestattet, damit sie erreichbar sind; auch als Aspekt der Kontrolle", erklärt Studienleiter Thomas Rathgeb von der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg in Stuttgart.

Doch was genau treibt der Nachwuchs damit eigentlich? "Jüngere Kinder verlangen nach Spielen und Medienkonsum", erläutert Rathgeb. Ab etwa der vierten Klasse spiele der digitale Austausch mit Freunden eine immer wichtigere Rolle. Kinder schreiben und lesen dann täglich vor allem über Dienste wie WhatsApp.

Besonders in den Bann ziehen Spiele-Apps. Rund die Hälfte der Kinder, die Smartphones nutzen, spielt ein- bis mehrfach in der Woche, im Schnitt täglich 24 Minuten. Jedes fünfte dieser Kinder zockt fast jeden Tag.

"Candy Crush", "Angry Birds", "Bubbles", "Snake" und "Farm Heroes Saga" lauten der KIM-Studie zufolge die aktuell beliebtesten Titel. Fast alle von ihnen rangieren ganz vorne in den Charts der virtuellen Einkaufsläden von Google und Apple. Dort wartet ein gigantisches Angebot. Mehr als drei Millionen Apps sind derzeit weltweit für Android-Geräte ladbar, davon etwa eine halbe Million Spiele. Mehr als zwei Millionen Titel, darunter rund 432.000 Spiele, listet der Apple App-Store laut den Marktanalysten 42matters.

Für Eltern und Kinder ist das ein Dschungel. "Viele Titel nötigen Spieler zu Käufen innerhalb der App, enthalten Werbung und verlangen umfassende Datenzugriffe auf das Gerät, die für das eigentliche Spiel unnötig sind", warnt Matthias Uzunoff von der Bundeszentrale für politische Bildung in Bonn. Den meisten Spielen in den Top-Ten-Listen der App-Stores könne man daher nicht blind trauen. Zudem richteten sich viele Titel inhaltlich an Erwachsene, obwohl sie bereits für Jüngere freigegeben seien. Ob eine App wirklich kindgerecht sei, müssten Eltern daher selbst bewerten. Die unverbindlichen Altersempfehlungen in den App-Stores bieten Uzunoff zufolge nur eine Orientierung.

Als gefährliche Kostenfalle gelten Gratisspiele, die erst im Spielverlauf zur Kasse bitten: "Der Spielefortschritt wird dann meist immer langsamer und lässt sich nur durch den tatsächlichen Kauf von Spielgegenständen beschleunigen", sagt Uzunoff. Weil der Nachwuchs schnell lerne, Apps selbst zu installieren und technische Hürden zu umgehen, sei es daher ratsam, den Mobilfunkvertrag für App-Store-Zahlungen beim Anbieter zu sperren. Kreditkartendaten sollten ebenfalls nicht im Handy des Nachwuchses hinterlegt werden. "Wenn überhaupt etwas bezahlt wird, dann nur über Guthabenkarten für die App-Stores", sagt Uzunoff.

Auch Apps, die Kinder beim Lernen unterstützen wollen, sind mit Vorsicht zu genießen. "Lern-Apps sind weniger didaktische Instrumente, die Schulleistungen verbessern, sondern eher digitale Unterhaltung, die nebenbei Fähigkeiten und Wissen vermittelt", sagt der Pädagogikprofessor Stefan Aufenanger von der Universität Mainz. Viele der mobilen Anwendungen entsprächen bezüglich der Wissensvermittlung nicht dem Stand der Forschung. Eine brauchbare App erkläre Probleme und weise auf Lösungen hin. Aufenanger, der sich auf Medienpädagogik spezialisiert hat und der am Kindersoftwarepreis Tommi mitwirkt, sagt: "Es reicht nicht, wenn das Programm nach Fehlern nur zur Wiederholung auffordert. Das fördert kein tieferes Verständnis und verleitet nur zum Raten."

Lernkrücken, Kostenfallen, Apps, die Kinder überfordern: Was in den App-Stores angeboten wird, liefert viele Gründe dafür, die Spreu vom Weizen zu trennen. Wir haben zusammen mit einem Experten für Computerspiele 21 gelungene Apps zum Lernen, Lesen und Spielen für Kinder im Alter von vier bis zwölf Jahre ausgewählt und geprüft.

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Weitere Informationen

So sind wir vorgegangen

Der Einkauf
Wir haben in den Stores nach brauchbaren Apps zum Lernen, Lesen und Spielen für Kinder von vier bis zwölf Jahren gesucht. Unsere Kriterien für die Auswahl: Pädagogisch sinnvoll und keine Gewaltinhalte. Wichtig war uns auch, dass die Apps keine Werbung anzeigen oder In-App-Käufe anbieten. Zudem sollten sie auf Smartphones und Tablets mit Android- sowie dem Apple-Betriebssystem iOS laufen. Kindersoftware-Experte Volker Zwick hat schließlich etliche Apps im Apple-App-Store erworben, darunter interaktive Bilderbücher, Musik-Apps, Schreiblernprogramme sowie Abenteuerspiele.

Die Prüfung
Volker Zwick hat jede App gecheckt. Ist die App kindgerecht? Die Grafik stimmig? Worin besteht der Spielspaß? Sind die Geschichten packend erzählt? Was und wie können Kinder über die App lernen? Wo liegen die Stärken und Schwächen der App und was hebt sie von der Konkurrenz ab? Teilte uns ein Anbieter keine Altersempfehlung mit, schätzte Zwick ein, für welches Alter sich die Software eignet.

Die Beurteilung
Bereits unsere Auswahl war schon qualitätsorientiert. Apps, die nichts taugen, habes wir erst gar nicht berücksichtigt. Besonders gelungene Apps beurteilen wir mit "sehr gut".

So haben wir getestet

Gigantisches Angebot: Unser Experte Volker Zwick hat in den App-Stores von Google und Apple die Spreu vom Weizen getrennt.