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ÖKO-TEST Februar 2017
vom

Babybodys

Nicht ganz einleuchtend

Für strahlend weiße Textilien sorgen optische Aufheller. Zwar sind Babybodys heute häufig bunt, doch weiße Streifen und Etiketten strahlen durch die chemischen Hilfsmittel. Mehr als die Hälfte der getesteten Bodys ist betroffen.

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26.01.2017 | Ob in Kleidungsstücken oder Heimtextilien, in Matratzen, Stoffspielzeug oder Waschmitteln - in all diesen Produkten wies das von ÖKO-TEST beauftragte Labor in vergangenen Tests optische Aufheller nach. Doch was ist überhaupt so schlimm daran, wenn die Füllwatte des Plüschtieres strahlt oder wir die Nase mit strahlend weißen Papiertaschentüchern putzen? Wir stellen die wichtigsten Fragen. Und geben die Antwort darauf direkt mit dazu:

Wie und wo wirken optische Aufheller?

Optische Aufheller können das für das menschliche Auge unsichtbare ultraviolette Licht in sichtbares blaues Licht umwandeln. So lässt sich der Eindruck eines besonders strahlenden Weiß erzeugen. Dazu werden die Chemikalien in Textilien, Papier, Kunststoffen, Lacken, Farben und nahezu allen Vollwaschmitteln eingesetzt. Beim Waschen legen sie sich auf die Fasern und verbleiben dann auf der Wäsche.

Wo hat ÖKO-TEST zuletzt optische Aufheller gefunden?

Fast jeden Monat findet ÖKO-TEST in verschiedenen Produkten optische Aufheller: Aktuell in diesem Test von Babybodys, im Januar in Kinderjeans, im Dezember 2016 in Kindermatratzen und in Spielzeug, in den Monaten davor in Kinderjacken, in Stillkissen und in Bettdecken. Oft stecken die Substanzen an Stellen, die nicht mit Licht in Kontakt kommen, sodass sie gar kein strahlendes Weiß erzeugen können: in Kinderjeans beispielsweise im Taschenfutter, in Kindermatratzen in der Wattierung, in Bettdecken in der Füllung, selbst auf der Rückseite einer Fototapete. In vielen Tests weisen die Labors die Aufheller auch in Etiketten oder Nähgarnen nach.

Was sagen die Hersteller?

Etiketten machen aufgrund optischer Aufheller einen hochwertigeren Eindruck, argumentieren Hersteller oft. Ohne Aufheller habe Baumwolle einen beigen Farbton, der Kunststoff Polyester, aus dem die meisten eingenähten Größenbezeichnungen und Pflegeanleitungen bestehen, sei von Werk aus gelblich.

"Etiketten mögen ein kleines Zubehör sein, aber sie sind enorm wichtig für die Wirkung eines Kleidungsstücks nach außen", erklärt Burkhard Dohmann, Geschäftsführer des Dortmunder Etikettenherstellers Dortex. Andere Hersteller argumentieren mit der Lesbarkeit. Die Informationen in schwarzer Schrift müssten "auf weißem Untergrund auf einem permanenten Label am Produkt angebracht werden. Diese Schrift darf auch beim Waschen nicht verschwinden oder verblassen", was geschehen könnte, wenn der weiße Untergrund durchs Waschen grau würde, verteidigte ein Hersteller eines Babytragetuchs kürzlich gegenüber ÖKO-TEST den Einsatz von Weißmachern in seinen Etiketten.

Wissen Textilanbieter, welche optischen Aufheller eingesetzt werden?

Eher nicht. Etiketten sind Massenware, sie werden der Textilbranche in hoher Stückzahl meist aus Asien oder Osteuropa einnähfertig geliefert. "Die meisten Hersteller interessiert überhaupt nicht, ob da optische Aufheller drin sind oder nicht", hat Dohmann beobachtet. Um welche aus der mehrere Hundert Substanzen umfassenden Stoffgruppe es sich jeweils konkret handele, wisse ohnehin kaum jemand in der gesamten Produktions- und Lieferkette.

Müssen optische Aufheller in Etiketten eingesetzt werden?

"Ein weißes lesbares Label geht auch ohne Aufheller", sagt ein Experte des Bielefelder Labors CTL, der regelmäßig Textilien prüft und die Branche seit 40 Jahren beobachtet. "Optische Aufheller in Etiketten müssen nicht sein", erklärt auch Peter Blunck, Geschäftsführer des Bio-Kindermodenherstellers Band of Rascals. Nachdem ÖKO-TEST in den Zettelchen einer seiner Kinderjeans Aufheller gefunden hatte, kündigte er an, dass seine Firma künftig komplett darauf verzichten werde. Diesen Schritt sind vorher schon Unternehmen wie Ikea und der Bettwarenhersteller Paradies gegangen. Beide führen auf ihren Homepages nicht nur Hautverträglichkeit als Gründe an, sondern auch den Umweltschutz.

Dürfen optische Aufheller in zertifizierten Naturtextilien verwendet werden?

Das hängt vom jeweiligen Label ab. Mit dem GOTS-Label (Global Organic Textile Standard) gekennzeichnete Textilien dürfen zwar keine bedenklichen Substanzen wie giftige Schwermetalle oder allergisierende Dispersionsfarbstoffe enthalten - optische Aufheller sind aber erlaubt. Strenger ist das ebenfalls vom Internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft (IVN) vergebene Label Naturtextil Zertifiziert Best (IVN Best), das optische Aufheller nicht zulässt. Hingegen werden für eine Zertifizierung nach "Öko-Tex Standard 100" optische Aufheller gar nicht erst geprüft.

Welche Stoffe werden eingesetzt?

In der internationalen Farbstoffdatenbank Colour Index sind rund 400 optische Aufheller gelistet, von denen aber nur eine Handvoll kommerziell bedeutsam ist. Für Vollwaschmittel aus einem ÖKO-TEST von 2010 nannten Hersteller am häufigsten die Verbindung C.I. Fluorescent Brightener 260, auch als FWA-1 und C.I. Fluorescent Brightener 71 bezeichnet. Weitere häufig eingesetzte Weißmacher sind FWA-5 und C.I. Fluorescent Brightener 220.

Was ist über FWA-1 bekannt?

Im Jahr 2001 (neuere Zahlen sind nicht bekannt) wurden in Europa 2.100 Tonnen FWA-1 verarbeitet. Mehr als 90 Prozent landeten in Reinigungsmitteln, der Rest in der Textil- und Papierherstellung. FWA-1 hat eine hohe Affinität für Baumwolle. Beim Waschen werden rund 60 Prozent des eingesetzten Aufhellers von den Fasern absorbiert, der Rest gelangt ins Abwasser. Es wurden keine Sensibilisierungen der Haut beobachtet. FWA-1 war weder mutagen noch kanzerogen, das fortpflanzungsschädigende Potenzial wird als sehr gering angenommen.

Was ist über FWA-5 bekannt?

Rund 600 Tonnen FWA-5 wurden 1998 (auch hier wurden keine neueren Zahlen veröffentlicht) in Europa eingesetzt, wie FWA-1 zu 90 Prozent in Reinigungsmitteln. Nach Schätzungen sollen beim Waschen 40 Prozent der Einsatzmenge auf den Textilien hängen bleiben. Der Aufheller ist nicht leicht biologisch abbaubar. FWA-5 wird weder als hautreizend noch hautsensibilisierend eingestuft, auch nicht als mutagen oder krebserregend.

Und C.I. Fluorescent Brightener 220?

Die toxikologischen Untersuchungen sind älteren Datums. Danach schädigte die Substanz weder das Erbgut noch zeigten Versuche an Mäusen und Ratten Hinweise auf eine krebserregende Wirkung. Die Substanz wird als hautirritierend eingestuft. Angaben zur Abbaubarkeit fehlen.

Was bedeuten optische Aufheller für die Umwelt?

Viele optische Aufheller sind biologisch schwer abbaubar. Eine aktuelle Studie zu allen als optische Aufheller eingesetzten Substanzen liegt dem Umweltbundesamt nicht vor. Den größten Anteil an den Einträgen ins Abwasser haben optische Aufheller aus Wasch- und Reinigungsmitteln. Für die Umweltbilanz außerdem von Bedeutung: Die Herstellung der Substanzen verbraucht sehr viel Energie.

Was sagt der Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel (IKW) zu optischen Aufhellern?

Der IKW führt optische Aufheller als schwer abbaubare Stoffe (Poorly Biodegradable Organics, PBO). Per Definition beträgt deren biologische Abbaubarkeit in einem festgelegten Testsystem weniger als 70 Prozent. Optische Aufheller seien "in Gewässern zwar schwer abbaubar, werden aber im Klärschlamm weitgehend absorbiert", heißt es im aktuellen Nachhaltigkeitsbericht des IKW. Das sieht auch das Umweltbundesamt so. Laut IKW wurden hierzulande in Wasch-, Pflege- und Reinigungsmitteln im Jahr 2012 noch 389 Tonnen Aufheller eingesetzt.

Was passiert bei Hautkontakt mit optischen Aufhellern?

Da die Weißmacher in Textilien nicht fest an die Faser gebunden sind, können sie durch Schweiß herausgelöst werden und auf die Haut gelangen. Bei gleichzeitiger Sonneneinstrahlung kann es zu allergischen Reaktionen kommen. Insbesondere lichtempfindliche Menschen müssen mit negativen Wechselwirkungen rechnen.

Können optische Aufheller durch die Haut in den Körper gelangen?

Daten dazu sind rar. In Reagenzglasversuchen mit FWA-5 an Schweinehaut wurde kein Durchtritt gemessen. Da jedoch nicht ausgeschlossen ist, dass geringe Mengen in die obersten Hautschichten diffundieren, gehen konservative Schätzungen von einem Prozent Aufnahme über die Haut aus.

Wirken optische Aufheller hormonartig?

Der Verdacht auf eine hormonelle Wirkung kam auf, als bei mit der Herstellung der DAS beschäftigten Arbeitern erniedrigte Testosteronspiegel auffielen. DAS (4,4'-Di-amino-2,2'-stilbendisulfonsäure) ist ein Zwischenprodukt in der Herstellung vieler Weißmacher. Die Verbindung weist strukturelle Ähnlichkeiten (das Stilben-Grundgerüst) mit dem synthetischen Hormon DES auf. Allerdings war die Gruppe mit 30 DAS-Arbeitern klein und weitere Studien führten zu widersprüchlichen Resultaten: Zeigte DAS bei Ratten hormonelle (estrogene) Aktivität, war diese an menschlichen Brustkrebszellen, wenn überhaupt, vernachlässigbar gering.

Ein möglicherweise vorhandenes geringes estrogenes Potenzial von DAS lasse keine Voraussagen für chemisch vom Stilben abgeleitete Aufheller zu, hielt das ehemalige Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV), Vorläufer des heutigen Bundesinstituts für Risikobewertung, in einer im Oktober 2001 verfassten gesundheitlichen Bewertung von Stilbenderivaten als Textilhilfsmittel und als Bestandteil von Waschmitteln fest. Unsere aktuelle Recherche (Stand 28.12.2016) in der medizinischen Literaturdatenbank Pubmed förderte lediglich noch eine Untersuchung an Regenbogenforellen zutage - ohne signifikante Effekte.

Wirken optische Aufheller krebserregend, erbgutschädigend oder fortpflanzungsgefährdend?

Die vorliegenden Daten geben keine Hinweise auf derartige Effekte. Dies hat das BgVV 2001 für FWA-1, FWA-5 und C.I. Fluorescent Brightener 220 festgehalten. Keine kanzerogene Aktivität von DAS an Ratten und Mäusen stellte das amerikanische Gesundheitsministerium bereits 1992 im Rahmen des Nationalen Toxikologie-Programms fest. Untersuchungen aus den 1970er-Jahren fanden keine Anhaltspunkte für kanzerogene, mutagene oder teratogene (fruchtschädigende) Wirkungen. Auch verstärkten optische Aufheller nicht die Krebsentstehung auf der Haut durch UV-Licht.

Warum werden optische Aufheller mit Krebs in Verbindung gebracht?

Viele optische Aufheller gehören chemisch gesehen zur Gruppe der Stilbenderivate. In den 1940er-Jahren wurde mit dem synthetischen Estrogen Diethylstilbestrol (DES) ein solcher Stilbenabkömmling als Arzneimittel eingeführt und unter anderem schwangeren Frauen verabreicht, um Fehlgeburten zu verhindern. Allerdings führte DES bei den Nachkommen zu Scheidenkrebs und Missbildungen.

Fazit

Der Einsatz von optischen Aufhellern ist in den meisten Fällen schlicht überflüssig und scheint der Gedankenlosigkeit oder dem überkommenem Denken der Hersteller geschuldet. Die Substanzen sind zwar eher ein Umwelt- als ein gesundheitliches Problem. Doch Produkte, die von ÖKO-TEST ein "sehr gut" bekommen wollen, müssen für die Gesundheit wie für die Umwelt unbedenklich sein.

Wie sieht die Situation nun aktuell im Test Babybodys aus? Hier müssten die Hersteller doch ganz besonders darauf achten, dass die Textilien nicht nur frei von optischen Aufhellern, sondern auch von anderen problematischen Inhaltsstoffen sind. Wir haben 22 Babybodys eingekauft und in die Labore geschickt.

Das Testergebnis

Weiße, aber keine saubere Weste. Das Labor hat in mehr als der Hälfte der Babybodys optische Aufheller nachgewiesen. Doch es geht auch anders: Sieben Mal vergeben wir die Note "sehr gut". Ein Body ist wegen eines krebsverdächtigen Farbstoffbestandteils auf "ungenügend" gerutscht.

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Wir haben 22 kurz- und langärmelige Babybodys aus Baumwolle eingekauft, bei acht stammt sie aus zertifiziertem Bio-Anbau. Erworben haben wir die Bodys in Kaufhäusern, Babyfachmärkten, Naturwarenläden, Textildiscountern sowie in Onlineshops. Die Preisunterschiede sind groß: Das günstigste Produkt kostete 2,49 Euro in einem Discounter, am meisten zahlten wir mit 22,45 Euro für Bio-Markenware.

Die Inhaltsstoffe
Wir haben alle Bodys auf verbotene und problematische Farbbestandteile, optische Aufheller sowie umstrittene halogenorganische Verbindungen untersuchen lassen, die im Färbe- oder Ausrüstungsprozess zum Einsatz kommen. Gummierte oder Kunststoffaufdrucke wurden auf Weichmacher wie Phthalate, Schwermetalle und andere Schadstoffe geprüft. Die Druckknöpfe, mit denen die Bodys meist im Schritt, teilweise in Halsnähe oder an der Seite geschlossen werden, ließen wir darauf untersuchen, ob sich das Kontaktallergen Nickel löst.

Die Bewertung
Die Bodys werden als Unterwäsche getragen und kommen direkt mit Babys Haut in Kontakt. Das Gesamturteil "sehr gut" vergeben wir nur, wenn die Textilien keinerlei bedenkliche und/oder umstrittene Substanzen enthalten.

So haben wir getestet

Sie sehen zwar niedlich aus, doch in Brustaufdrucken aus Gummi oder Kunststoff - wie hier in der bebrillten Maus des Frugi Organic Cotton Lerryn Body - stecken häufig Ersatzweichmacher oder andere umstrittene Substanzen.

Video zum Thema

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ÖKO-TEST-Magazin 2/2017:

Babybodys

Nicht ganz einleuchtend.

Babyhaut ist nicht nur zart, sondern auch besonders empfindlich. Da kann neu gekaufte Kleidung, die mit Schadstoffen belastet ist, zum Problem werden. Für uns Grund genug, 22 kurz- und langärmeligen Babybodys aus Baumwolle (8 davon aus zertifiziertem Bio-Anbau) auf den Stoff zu fühlen: Wir haben alle auf verbotene und problematische Farbbestandteile, optische Aufheller sowie umstrittene halogenorganische Verbindungen untersuchen lassen, die im Färbe- oder Ausrüstungsprozess zum Einsatz kommen.