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ÖKO-TEST Februar 2016
vom

Energieriegel

Fett statt fit

In manchem untersuchten Energieriegel steckt so viel Fett wie in einem Mars oder einem Snickers. Das hilft nicht, das schadet beim Sport. Nur ein einziger der 19 getesteten Riegel bekommt das Testurteil "gut". Sieben Produkte sind "mangelhaft" oder sogar "ungenügend".

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29.01.2016 | Kilometer zwölf, eine Stunde ist vorbei. Die Beine werden schwerer, der Körper schwächer. Bis zum Ziel liegen aber noch gute 30 Kilometer vor dem Marathonläufer. Höchste Zeit, für Energienachschub zu sorgen. Er zieht einen Energieriegel aus der Tasche, reißt ihn auf, isst ihn - und die Kraft kehrt langsam zurück. Woran liegt das?

Energie zieht der Körper aus den drei Grundnährstoffen Kohlenhydrate, Fett und Eiweiß. Über Fett und Eiweiß verfügt der menschliche Organismus in aller Regel zur Genüge, um langen Ausdauermärschen standzuhalten. Was Ausdauersportler aber nach etwa einer Stunde langsam brauchen, ist ein Nachschub an Kohlenhydraten. Da sind die kleinen Energieriegel natürlich praktisch, denn genau die liefern sie in konzentrierter Form. Allerdings muss klar sein: Hier geht es ausschließlich um Ausdauersportler. Wer lediglich zwei-, dreimal in der Woche eine Stunde lang joggt, der ist in der Regel nicht auf die Zufuhr von Kohlenhydraten während des Sports angewiesen. Da reicht es, vor dem Training die Kohlenhydratspeicher des Körpers zu füllen - und dafür sind Bananen oder ein Vollkornbrot völlig ausreichend. Doch wie sollte so ein Riegel im Idealfall zusammengesetzt sein? Worauf müssen Sportler beim Blick auf die Verpackung achten?

Kohlenhydrate! Je mehr, desto besser: 75 Energieprozent sollten laut Empfehlung des European Committee on Food deswegen aus Kohlenhydraten bestehen. Aber es ist natürlich nicht nur der prozentuale Anteil wichtig, sondern auch die Frage: Wie viel Gramm Kohlenhydrate liefert ein Riegel? Empfohlen werden, etwa vom American College of Sports Medicine (ACSM), 30 bis 60 Gramm pro Stunde. Ein Riegel sollte also mindestens 30 Gramm liefern - schließlich hat man beim Sport Besseres zu tun, als alle paar Minuten in die Tasche zu greifen und einen neuen Riegel aufzureißen.

Zucker! Die Mischung macht's: Das "Kraftfutter", das Ausdauersportler brauchen, besteht in erster Linie aus komplexen Kohlenhydraten, die in stärkereichen Lebensmitteln stecken. Sie liefern langfristig Energie, weil sie im Körper nach und nach zu Traubenzucker verarbeitet werden und der Blutzuckerspiegel so nur langsam ansteigt. Schnelle Kohlenhydrate, also Zucker, liefern schnelle Energie - für den Sofortkick quasi. Zu viel zu schnell ist allerdings wie so oft nicht gut: Der Körper schüttet Insulin aus, um den Blutzucker abzubauen. Das hemmt die Fettverbrennung und sorgt dafür, dass die Kohlenhydratreserven des Körpers zu schnell abgebaut werden. In der Nährwerttabelle sollte der Anteil des Zuckers an Kohlenhydraten also nicht über 50 Prozent liegen.

Fett! Je weniger, desto besser: Der Körper verfügt von Natur aus über ein nahezu unbegrenztes Energiedepot an Fett. Daher rät Sportmediziner Dr. Christoph Raschka: "Die Riegel sollten möglichst wenig Fett enthalten - ideal wäre ein Anteil von 10 bis 15 Prozent." Fett hemmt die Glykogenspeicherung (also die der Kohlenhydrate) in den Muskeln, deswegen kann ein Zuviel an Fett die Leistungsfähigkeit beeinträchtigen.

Eiweiß! Unnötig: Auch Sportler decken ihren Proteinbedarf mehr als ausreichend über die normale Ernährung. Die meisten Menschen nehmen sogar deutlich mehr Eiweiß mit ihrer Nahrung auf, als sie benötigen. Spezielle Proteinpräparate sind daher unnötig, ein hoher Eiweißanteil verbessert die Riegel in keinem Fall. Gleiches gilt für unnötige Vitamin- und Mineralstoffzusätze; die braucht kein Mensch.

ÖKO-TEST hat 19 Energieriegel unter die Lupe genommen, die Nährstoffzusammensetzung geprüft und gewohnt umfangreich auf Schadstoffe untersuchen lassen.

Das Testergebnis

Ganz schön unsportlich: Ein einziger von 19 Energieriegeln im Test schneidet mit "gut" ab, sieben hingegen mit "mangelhaft" oder "ungenügend". Im "guten" Fruchtriegel stecken keinerlei unerwünschte Inhaltsstoffe, und die Nährwertzusammensetzung ist vorbildlich - bis auf einen leicht zu hohen Zuckergehalt. Auf der anderen Seite der Tabelle teilen sich vier Riegel mit einem glatten "ungenügend" den letzten Platz: Gleich zwei verschiedene, gentechnisch veränderte Sojasorten, Pestizide, Aromen, unnötige Zusätze und/oder unsinnige Nährstoffzusammensetzungen sind die Gründe dafür oder die Rückstände von Pestiziden, unnötige Zusätze und Deklarationsmängel ziehen das Gesamturteil auf ein "ungenügend".

ÖKO-TEST Februar 2016

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Wer Ausdauersport betreibt, braucht Energie - und die bekommt er vor allem durch die Zufuhr von Kohlenhydraten. Kleine Energieriegel sind praktisch und stecken deswegen in den Sporttaschen vieler Läufer und Radler. In unserem Einkaufskorb landeten also 19 Riegel mit einem hohen Anteil an Kohlenhydraten. Da "Eiweißriegel" im Allgemeinen und für Ausdauersport im Speziellen unsinnig sind, haben wir sie gar nicht erst eingekauft.

Die Inhaltsstoffe
Die Untersuchungen waren so breit gefächert wie die Zusammensetzung der Energieriegel: Gehörte Reis zu den Hauptbestandteilen, haben wir auf Arsen untersuchen lassen; war es Soja, überprüfte ein von uns beauftragtes Labor, ob sich gentechnisch veränderte Organismen in dem Riegel finden. Auf Pestizide und Keimbelastung haben wir alle Produkte gecheckt. Außerdem ließen wir prüfen, ob unerwünschte Zusätze wie Aromen, kritische Farbstoffe oder Vitamine in den Produkten stecken.

Die Nährwerte
Wer einen Marathon läuft, ist darauf angewiesen, dass der Riegel in seiner Tasche auch die Energie liefert, die er verspricht. Deswegen haben wir überprüft: Stimmt das Verhältnis von Energie aus Kohlenhydraten und Energie aus Fett? Zu viel Fett kann die Glykogenspeicherung in den Muskeln beeinträchtigen. Liefert der Riegel genügend Kohlenhydrate, um eine Stunde vorzuhalten? Und wie steht es um den Zucker: Macht er nicht mehr als die Hälfte der Kohlenhydrate aus?

Die Bewertung
Unerwünschte Schadstoffe und Zusätze will ein Sportler im Moment des Trainings genauso wenig zu sich nehmen wie einen Riegel, der nicht die Energie liefert, die er braucht. Deswegen kann ein Riegel nur so gut abschneiden wie das schlechtere der Testergebnisse Inhaltsstoffe oder Nährstoffe. Ins Gewicht fallen allerdings auch viele "Weitere Mängel": vollmundige Auslobungen, etwa über vermeintliche Natürlichkeit, oder eine recht freie Interpretation der Zutaten - Apfelsaftkonzentrat ist nun wirklich keine "real fruit".

So haben wir getestet

Auf die Kohlenhydrate kommt es an: Die speichert der Körper in den Muskeln. Ein Zuviel an Fett hemmt diese Speicherung.