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Ratgeber: Darmbakterien

ÖKO-TEST Februar 2016
vom 29.01.2016

Darmbakterien

Sündenbock fürs Übergewicht?

Der Darm, das lange stiefmütterlich behandelte Körperorgan, ist heute für Wissenschaftler von größtem Interesse. So mancher Krankheitsverlauf scheint davon beeinflusst zu werden, mit welchen Bakterien der Darm besiedelt ist. Und auch auf das Körpergewicht können sich die Kleinstlebewesen auswirken.

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29.01.2016 | Für Mediziner und Ernährungswissenschaftler ist der Darm so etwas wie ein weitgehend unerforschter Kontinent. Man kennt zwar seine Aufgaben: Hier wird nicht nur das Essen verdaut und der Körper mit Energie versorgt, sondern es werden auch Vitamine hergestellt, Gifte und Medikamente abgebaut und das Immunsystem trainiert. Für all das sind die Darmbakterien verantwortlich. Doch wie diese zusammenarbeiten, sich ergänzen oder bekämpfen, welche Bakteriengemeinschaften sich günstig auf Wohlbefinden und Gesundheit auswirken und welche möglicherweise Übergewicht oder gar Krankheiten auslösen oder zumindest beeinflussen - da gibt es noch viel zu entdecken.

Kein Wunder, denn im Darm tummeln sich unfassbar viele Mikroorganismen, vor allem Bakterien. Wissenschaftler gehen von bis zu 100 Billionen bakteriellen Darmbewohnern aus - einer Zahl mit 14 Nullen. Da man früher fälschlicherweise dachte, dass Bakterien zu den Pflanzen zählen, hat sich der Begriff Darmflora breitgemacht; medizinisch korrekt ist aber die Bezeichnung Darmmikrobiota oder intestinale Mikrobiota. Das Bakteriengewimmel im Darm mit bis zu 1.000 verschiedenen Species lässt sich immerhin grob in fünf Stämme einteilen, von denen die Bacteroidetes und die Firmicuten die größten sind. Letzteren widmen besonders die Ernährungsforscher inzwischen mehr Aufmerksamkeit. Denn die bisherigen Untersuchungen zeigen, dass bei Normalgewichtigen die Gattung der Bacteroidetes dominiert, bei stark übergewichtigen Menschen dagegen der Anteil der Firmicutes-Bakterien höher ist. Das hat Folgen: Die Firmicuten produzieren mehr Enzyme, die wiederum eigentlich unverdauliche Ballaststoffe wie Zellulose aufspalten können. Normalerweise regen solche Ballaststoffe zwar die Darmtätigkeit an, rutschen ansonsten aber einfach durch und mit dem Stuhlgang wieder heraus. Die Firmicuten aber holen auch aus ihnen noch Energie heraus - die sich dann als Fett an Bauch, Hüften und Oberschenkeln absetzt.

Zwei Menschen, die genau das Gleiche essen, können also unterschiedlich viel Energie, sprich Kalorien, zu sich nehmen - je nachdem, welche Bakterien in ihrem Darm vorherrschen. "Was in Zeiten, wo Nahrungsmittel knapp sind, ein Überlebensvorteil ist, gerät heute in unserer vom Überfluss geprägten Gesellschaft eher zum Nachteil", sagt Professor Stephan Bischoff, Leiter des Instituts für Ernährungsmedizin der Universität Hohenheim. Selbst wenn es nur jeden Tag 50 zusätzliche Kalorien sind, die die Firmicuten extra aus der Nahrung herausholen, summiert sich das aufs Jahr gerechnet auf über 18.000 Kalorien. Oder etwa ein bis zwei Kilogramm Körpergewicht mehr.

Sind die Firmicuten also schuld daran, dass jemand dick wird? Oder hat der Übergewichtige deshalb so viele Firmicuten im Darm, weil er sich ungesund ernährt? So ganz eindeutig scheint diese Frage noch nicht beantwortet zu sein. Aber die Verantwortung für das Hüftgold kann trotzdem nicht allein auf die miesen Mikroorganismen geschoben werden. "Experimente mit Mäusen haben gezeigt,

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Ratgeber: Darmbakterien

ÖKO-TEST Februar 2016 Seite 70
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