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ÖKO-TEST September 2017
vom

Duschgele

Schaumschläger

Mit Blubberblasen duscht es sich schöner. Fertig verpackt in Aluflaschen bietet die Industrie inzwischen sogar Schaum auf Knopfdruck an. Wir haben 25 Produkte getestet: klassisches Duschgel und modischen Schaum. Unter den Schlusslichtern finden sich beide Varianten.

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31.08.2017 | Schaum ist Perfektion. Obwohl ihre Anordnung auf den ersten Blick chaotisch wirkt, folgen die Blasen immer dem Drang zur optimalen Form, die Stabilität und Flexibilität vereint. Dass das funktioniert, verdanken sie der Oberflächenspannung. Ein Phänomen, das die Menschheit begeistert. Ihren vorläufigen Höhepunkt fand die Faszination für die Struktur des Schaums, zumindest optisch, in der Architektur des "Water Cube" in Peking - jener Schwimmhalle, die den Wassersportlern bei den Olympischen Sommerspielen 2008 als Wettkampfstätte diente. Ihre Außenhülle aus Luftkissen ist zahllosen sich aneinanderschmiegenden Schaumblasen nachempfunden.

Und Hand aufs Herz, auch Duschen macht wirklich Spaß, wenn es ordentlich schäumt. Richtig sauber fühlt man sich, wenn der Schmutz mit den Blasen sichtbar von der Haut heruntergespült wird. Zugegeben, ein rein psychologischer Effekt. Doch genau deshalb setzt die Kosmetikindustrie mit Vorliebe Tenside ein, die einen besonders fluffigen Schaum erzeugen. Oder sie macht aus altbekanntem Gel neuerdings gleich fertigen Duschschaum. Klingt eher nach Marketinggag als nach echter Innovation. In der Reinigungsleistung unterscheiden sich Gel und Schaum jedenfalls nicht, bestätigte uns auch der Industrieverband Körperpflege und Waschmittel (IKW).

Und sonst? Zwar ist es möglich, wie einige Hersteller vormachen, den Schaum mittels eines Pumpspenders zu erzeugen, doch die meisten lassen ihre Mischung lieber mithilfe von Treibgas aus der Flasche quellen. Dem Druck hält Kunststoff nicht stand, weshalb die Schäume in Aluminiumflaschen gefüllt werden müssen. Doch ist eine Aluverpackung besser oder schlechter als eine aus Kunststoff? Aluminium fällt aus ökologischer Sicht vor allem wegen seiner energie- und ressourcenintensiven Rohstoffgewinnung negativ auf. Beim Abbau von Bauxit, aus dem Aluminium gewonnen wird, entsteht zudem giftiger Rotschlamm. Menschenrechtsorganisationen kritisieren immer wieder, dass bei Abbau und Verarbeitung von Erzen wie Bauxit Menschen- und Arbeitsrechte verletzt werden. Die Branche hat diese Aspekte lange ignoriert, wacht aber langsam auf: Mit Bündnissen wie der Aluminium Stewardship Initiative (ASI) beispielsweise will man zumindest für die Mitglieder verbindliche Standards schaffen, um die Bedingungen bei der Alugewinnung zu verbessern. Die ersten Zertifizierungen sollen 2018 erfolgen. Das ist die eine Seite der Medaille.

Auf der anderen Seite steht Aluminium als vollständig recycelbares Material, dessen Verwertung in Deutschland sehr gut funktioniert. Rund 20 Prozent des Gesamtbedarfs werden weltweit laut Jörg Schäfer, Leiter Recycling und Nachhaltigkeit beim Gesamtverband der Aluminiumindustrie, aus recyceltem, dem sogenannten Sekundäraluminium gedeckt. Doch unsere Nachfrage bei einigen Kosmetikherstellern zeigt, dass noch immer viele ihre Verpackungen zu 100 Prozent aus Primäraluminium fertigen lassen. Aluminiumverpackungen für Kosmetik, so Schäfer, würden mit Legierungen produziert, die im Verwertungskreislauf sehr gut nutzbar seien. Das Aluminium kann anschließend ohne Qualitätsverlust zum Beispiel in der Automobilindustrie genutzt werden. Die Kosmetikverpackung ist also nur eine kurze Zwischenstation auf dem Weg des Aluminiums.

Ob ein Verpackungsmaterial nun besser oder schlechter ist als ein anderes, ist abschließend kaum zu beurteilen, wie Gerhard Kotschik, beim Umweltbundesamt verantwortlich für das Thema Verpackungen, erläutert. Es sei von vielen Faktoren abhängig - "nur am Material kann man es nicht festmachen", sagt Kotschik. Ein Beispiel: Kunststoff und Aluminium sind leicht und lassen sich energieschonender transportieren als zum Beispiel Glas. Dessen Vorteil liegt darin, dass es mehrfach verwendbar ist, was vor allem bei Mehrwegflaschen genutzt wird. Doch gerade als Kosmetikverpackung ist Glas oft nur für den Einmalgebrauch gedacht und landet danach im Müll. Selbst wenn es recycelt wird, ist dies mit einem hohen Energieaufwand verbunden.

Dem entgegen stehen Argumente wie die Probleme beim Aluminiumabbau oder die Umweltbelastung durch Plastik, wenn es in die Weltmeere gelangt. Öko-Bilanzen geben zwar wichtige Hinweise in Bezug auf Umweltbelastungen, aber selbst sie können nicht alle Wirkungen berücksichtigen. Wer wirklich konsequent sein ökologisches Gewissen beruhigen möchte, sollte Kosmetik - egal in welcher Verpackung - möglichst sparsam einsetzen.

Ob Sie lieber mit Gel oder Schaum duschen, müssen Sie selbst entscheiden. Um Ihnen die Wahl zu erleichtern, haben wir 25 Produkte in die Labore geschickt.

Das Testergebnis

Mehr recht als schlecht. Sieben Produkte schneiden "sehr gut" ab, zehn weitere mit "gut". Damit sind immerhin zwei Drittel empfehlenswert, darunter Duschgele und -schäume. Fünf "ausreichende" Produkte sind allerdings die mittelmäßigen Vorboten für drei Marken, die mit "ungenügend" auf ganzer Linie enttäuschen.

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Neben klassischen Duschgelen haben wir auch die zurzeit besonders angesagten Duschschäume eingekauft. Für das günstigste Duschgel haben wir 95 Cent bezahlt, die teuersten haben 3,95 Euro gekostet - für die Schäume zahlten wir zwischen 1,45 und 8,50 Euro.

Die Inhaltsstoffe
Damit ein Duschprodukt gut reinigt und schäumt, enthält es Tenside. Wir wollten wissen: Handelt es sich dabei um unbedenkliche Waschsubstanzen oder um PEG/PEG-Derivate, die die Haut durchlässiger machen und mit krebserregendem 1,4-Dioxan verunreinigt sein können? Stecken hinter den fruchtig-poppigen Gerüchen problematische Duftstoffe? Und werden die Produkte mit bedenklichen Konservierern vor Keimbefall geschützt?

Die Weiteren Mängel
Wir haben im Labor analysieren lassen, ob die Verpackungen der Produkte PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen enthalten, die bei der Entsorgung zum Umweltproblem werden können.

Die Bewertung
Bedenkliche Inhaltsstoffe wie PEG/PEG-Derivate, problematische Duftstoffe, Formaldehyd/-abspalter oder Mikroplastik führen zur Abwertung. Je mehr Minuspunkte ein Produkt anhäuft, desto schlechter schneidet es im Gesamturteil ab.

So haben wir getestet

Gel versus Schaum: Optisch macht das sahnig-weiße Bläschengebilde vielleicht etwas mehr her als ein durchsichtiges Gel. Doch in der Reinigungskraft unterscheiden sich beide nicht.