Startseite
24 Nüsse und Ölsaaten im Test

ÖKO-TEST September 2014
vom 29.08.2014

Nüsse und Ölsaaten

Knackig

Harte Schale, guter Kern: Wer regelmäßig Nüsse knabbert, tut etwas für seine Gesundheit. In unserem Test waren viele Produkte in Ordnung. Leider fanden die Labore aber auch allerlei Unerfreuliches.

1734 | 25
Zu diesem Thema ist ein neuer Artikel vorhanden.

29.08.2014 | Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung findet Nüsse so wichtig, dass sie im Rahmen der "5 am Tag" Kampagne empfiehlt, eine Portion Obst durch eine Portion Nüsse zu ersetzen, täglich sollen es aber nicht mehr als 25 Gramm sein. Vor allem die darin enthaltenen mehrfach ungesättigten Fettsäuren wirken sich positiv aus - sie senken das Risiko für koronare Herzerkrankungen, wie Studien belegen.

Dennoch sind Nüsse in den vergangenen Jahren immer wieder in die Negativschlagzeilen gekommen. Vor allem deshalb, weil sich darauf gerne Schimmelpilzgifte, sogenannte Aflatoxine, tummeln. Sie gelten als krebserregend und können Nieren und Leber schädigen. Zudem reagieren einige Menschen auf Nüsse allergisch und müssen Lebensmittel, die die entsprechenden Nüsse enthalten, meiden.

Und noch einen Grund gibt es, warum Nüsse insbesondere bei figurbewussten Menschen nicht eben hoch im Kurs stehen: Sie sind recht kalorienreich: 100 Gramm enthalten bis zu 700 Kilokalorien. Zum Vergleich: In 100 Gramm Pralinen stecken "nur" etwa 400 kcal. Deshalb sollte man Nüsse auch nur in kleinen Portionen genießen.

Übrigens dürfen aus botanischer Sicht streng genommen nur Hasel- und Walnüsse als echte Nüsse bezeichnet werden. Mandeln zählen zu den Steinfrüchten, die Paranuss ist eine Kapsel- und die Erdnuss eine Hülsenfrucht. Cashews gibt es - im Gegensatz zu den anderen Nüssen - ausschließlich geschält zu kaufen. Grund dafür: Die Schale enthält ein giftiges Öl.

Nüsse werden sowohl in konventioneller als auch in ökologischer Landwirtschaft angebaut. Bio-Nüsse stammen häufig aus kleinbäuerlichen oder genossenschaftlichen Projekten, zum Beispiel in der Türkei. Im Unterschied zu konventionell erzeugter Ware ist bei Bio-Nüssen neben dem Einsatz von Pestiziden auch die Begasung mit Phosphorwasserstoffen - etwa Phosphin - verboten. Bio-Verarbeiter schützen die Nüsse während der Lagerung häufig durch die sogenannte Druckentwesung. Sie wird mit Kohlendioxid durchgeführt und ist technisch sehr aufwendig. Zudem ist im Bio-Anbau das Bleichen der Schalen mit Schwefel nicht erlaubt. Dieses Verfahren wird eingesetzt, weil das in der äußeren Nussschale enthaltene Tannin die Schalen unansehnlich dunkel färbt. Deshalb haben zum Beispiel Bio-Walnüsse oft eine fleckige Schale, was aber die Qualität nicht beeinträchtigt.

Die Organisation Fairtrade engagiert sich dafür, dass auch im Nussanbau bestimmte Mindeststandards eingehalten werden. Weitere Maßnahmen betreffen den Arbeitsschutz. So werden Schulungen durchgeführt, wie etwa mit den giftigen Ölen in den Schalen der Cashewkerne umzugehen ist.

Wir haben verschiedene Nussproben - Pinien-, Sonnenblumen- und Cashewkerne, Mandeln, Hasel- und Walnüsse - in konventionellen und Bio-Geschäften gekauft und von unseren Laboren untersuchen lassen, ob wichtige Qualitätsmerkmale stimmen. Vor allem wollten wir natürlich wissen, ob Nüsse ihren Ruf als gesunde Lebensmittel wirklich verdienen.

Das Testergebnis

Das hat Biss: Für Nuss- und Kern-Freunde

ÖKO-TEST September 2014

Gedruckt lesen?

ÖKO-TEST September 2014 ab 4.50 € kaufen

Zum Shop

ÖKO-TEST September 2014

Online lesen?

ÖKO-TEST September 2014 für 3.99 € kaufen

Zum ePaper

Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Je vier Produkte Wal- und Haselnüsse, Cashew-, Pinien- sowie Sonnenblumenkerne und Mandeln standen auf dem Einkaufszettel. Dabei steuerten wir Bio-Läden genauso an wie Supermarkt- und Discounterketten.

Die Inhaltsstoffe
Nüsse sind häufig mit Schimmelpilzgiften, sogenannten Aflatoxinen, belastet. Selbstverständlich stand dies genauso auf unserem Prüfplan wie die Belastung mit krank machenden Keimen wie zum Beispiel Salmonellen. In fettreichen Lebensmitteln lagern sich gerne Schadstoffe wie Phthalatweichmacher an, außerdem sind Ölsaaten dafür bekannt, dass sie das giftige Schwermetall Cadmium anreichern. Um Schädlinge in Liefercontainern abzutöten, wird unter Umständen das Begasungsmittel Phosphin verwendet. Wir haben daher alle Proben auf diese Problemstoffe untersuchen lassen. War die Sensorik, die wir in einem Labor professionell durchführen ließen, auffällig, rundeten chemische Untersuchungen auf Frischeparameter wie zum Beispiel die Säurezahl, die Peroxidzahl oder Hexanal das Untersuchungsspektrum ab.

Die Bewertung
Bei der Bewertung orientieren wir uns an bestehenden Richtlinien oder Grenzwerten. Fehlen diese aber oder gehen sie uns unter dem Aspekt der Vorsorge nicht weit genug, sind wir häufig auch viel strenger als es der Gesetzgeber vorsieht. Nur Ware, die in der Qualität durch ihre Frische überzeugt sowie allenfalls Spuren von problematischen Inhaltsstoffen enthält, kann bei uns ein "sehr gut" erhalten. Kommen mehrere Mängel zusammen, addieren sie sich zu einer immer schlechter werdenden Note auf.

So haben wir getestet

Für Gemüse und Früchte gilt bei Cadmium die Höchstmenge von 0,05 mg/kg. Pinienkerne wurden 2006 jedoch komplett herausgenommen.