7 Insektenhotels im NABU-Check: Darauf kommt es bei einer Nisthilfe an

Magazin April 2025: Müsli | Autor: Rebecca Welsch | Kategorie: Freizeit und Technik | 04.04.2025

Der NABU hat sieben Insektenhotels einem Test unterzogen.
Foto: NABU

Insektenhotels sind eine einfache Möglichkeit, um Wespen und bedrohten Wildbienen ein Zuhause zu bieten. Das Problem: Oft sehen die Nistkästen zwar schick aus, ignorieren aber die Bedürfnisse der Tiere. Der NABU hat sieben Nisthilfen auf ihre Insektenfreundlichkeit überprüft.

Die Hälfte der hierzulande vorkommenden Bienenarten sind vom Aussterben bedroht, einige sind schon ausgestorben. Dabei brauchen wir Bienen und andere Insekten für unser Ökosystem: Der Großteil unserer Nahrung ist von der Bestäubung durch Insekten abhängig. Gibt es keine Insekten, gibt es auch kein Obst und Gemüse.

Da das Insektensterben seit Jahren in der öffentlichen Diskussion steht, gibt es kaum noch einen Bau- oder Gartenmarkt, der keine Insektenhotels anbietet.

Insektenhotel kaufen: NABU gibt Tipps 

Wer sich einen solchen Kasten in den Garten hängt, hofft, den Wildbienen etwas Gutes zu tun. Umso frustrierender ist es, wenn trotzdem keine Insekten einziehen. Oft liegt das an einfachen Fehlern – die Nisthilfe entspricht nicht den Bedürfnissen der Bienen. Der Naturschutzbund (NABU) hat zum Frühlingsstart einen kleinen Marktcheck für uns durchgeführt.

Dr. Laura Breitkreuz, Referentin für Biodiversität und Entomologie im NABU Bundesverband, hat sieben Nisthilfen, die in Baumärkten angeboten werden, eingekauft und bewertet. Im Interview erklärt sie, worauf es bei Insektenhotels ankommt.

ÖKO-TEST: Was sollte man beim Kauf eines Nistkastens beachten?

Laura Breitkreuz: Man kann oft schon auf den ersten Blick erkennen, ob ein Kasten geeignet ist. Am wichtigsten sind ausreichend Niströhrchen, etwa aus Bambus oder gebohrt im Holz. Sie bieten Wildbienen und solitären Wespen die Möglichkeit, darin ihre Larven abzulegen. Andere Materialien wie Holzwolle und Tannenzapfen sehen zwar schön aus, bieten oft jedoch keinen Mehrwert. Denn dass Schmetterlinge sich in einem der Nistkästen niederlassen, ist unwahrscheinlich. Auch Marienkäfer und Ohrwürmer finden im Garten bessere Unterkünfte.

Das zeigt sich auch in unserem Check: Keine der Nisthilfe kann richtig überzeugen. Viele haben unnötige Extraelemente, die Nistplatz verschwenden. Beim Kauf sollte man zudem schauen, dass die Röhrchen aus Schilf oder Bambus fest im Kasten sitzen und sich nicht leicht rausziehen lassen. Das war nicht bei allen Nisthilfen der Fall und macht es Vögeln leicht, an die Larven zu kommen.

Auch sollte man überprüfen, dass die Öffnungen zu den Röhrchen sauber und nicht ausgefranst sind. Die Verletzungsgefahr für die Insekten ist nicht groß, aber wenn die Öffnungen nicht gut zugänglich sind, kann es gut sein, dass sie gar nicht bezogen werden. Die Öffnungen sollten verschieden groß sein, um unterschiedlichen Bienen- und Wespenarten einen Nistplatz zu bieten. Ideal sind etwa zwei bis zehn Millimeter.

Dr. Laura Breitkreuz ist Referentin für Biodiversität beim NABU.
Dr. Laura Breitkreuz ist Referentin für Biodiversität beim NABU. (Foto: NABU/Sebastian Hennigs)

Die Niströhrchen sollten mindestens 10 cm lang sein

Gibt es noch weitere Kriterien für einen guten Nistkasten?

Breitkreuz: Die Niströhrchen müssen mindestens zehn Zentimeter lang sein, vor allem bei Durchmessern von über 6 Millimeter. Die Bienen legen in den Rohren mehrere Brutkammern an. Wenn sie zu kurz sind, müssen die Tiere mehr Rohre benutzen, was mit Mehraufwand verbunden ist.

Außerdem entstehen dann weniger Weibchen, weil diese oft in den hinteren Brutkammern abgelegt werden. Weibchen sind aber für das Fortbestehen der Art wichtiger. Bei den Herstellern scheint das allerdings noch nicht angekommen zu sein: In unserer Bewertung zeigt sich, dass nur zwei Nisthilfen Gänge haben, die zehn Zentimeter lang sind.

Dann spielt Ästhetik gar keine Rolle?

Breitkreuz: Den Bienen ist es egal, wie der Kasten aussieht. Je einfacher, desto besser. Ihnen reicht ein Holzblock mit tiefen Bohrungen. Ein schräges Dach ist gut, damit Wasser ablaufen kann. Ein Schutzgitter, um die Larven vor Vögeln wie Amseln zu schützen, ist Premium. Hier muss man aber aufpassen: Ist das Gitter zu nah am Kasten befestigt, kann es den Vögeln zum Festhalten dienen und es ihnen so sogar erleichtern, an die Larven zu kommen.


Umgebung anpassen, damit sie für Insekten attraktiv wird

Welche Bienen- und Wespenarten nutzen die Nistkästen?

Breitkreuz: Zunächst einmal: Die meisten Wildbienen bauen ihre Brutkammern im Boden. Nur etwa ein Viertel der circa 600 Arten kann die Nisthilfen überhaupt nutzen. Es ist wahrscheinlich, dass die gehörnte Mauerbiene und die rote Mauerbiene einziehen. Man erkennt die verwandten Arten an der roten Färbung am Hinterteil, sie sind etwas kleiner als Honigbienen.

Auch Scherenbienen, Blattschneiderbienen und viele weitere Wildbienen könnten Sie finden. Auch solitäre Wespen findet man in den Nistkästen: Etwa Grabwespen und Lehmwespen.

In meinen Nistkasten ziehen keine Bienen ein. Woran liegt das?

Breitkreuz: Dafür kann es viele Gründe geben, nicht alle haben etwas mit dem Nistkasten zu tun. Manchmal brauchen Bienen und Wespen ein Jahr, um einen Nistkasten anzuerkennen. Es lohnt sich also etwas zu warten. Besonders wichtig ist, die Umgebung so anzupassen, dass sie für Insekten attraktiv wird: Das gelingt vor allem mit heimischen Pflanzen, die viel Nektar bieten wie Glockenblumen oder Wilde Möhre. So kann auch ein Nistkasten auf dem Balkon Bienen in der Stadt ein Zuhause bieten.

Sand und Lehm in der Nähe erleichtert es manchen Insekten, ihre Kammern zu bauen. Und: Wer auf die Idee kommt, Insekten im Internet zu bestellen, um den Kasten zu beleben, sollte das nicht tun. Es kann zur Faunenverfälschung kommen. Wenn eine Firma Insekten deutschlandweit verkauft, ist die genetische Vielfalt in Gefahr.

Mauerbienen nutzen gerne die Nistkästen.
Mauerbienen nutzen gerne die Nistkästen. (Foto: Lancan/Shutterstock)

Hat ein Nistkasten im Garten wirklich Vorteile für Bienen?

Breitkreuz: Er ist besser als nichts. Ein Problem für die Wildbienen bleibt die Verwendung von Pestiziden wie Glyphosat in der Landwirtschaft. Und der Rückgang von natürlichen Strukturen, also unberührter Natur mit Wildblumen und Kräutern sowie Totholz.

Vielleicht könnte sich die Situation aber etwas bessern: In Deutschland wird derzeit der Nationale Wiederherstellungsplan besprochen. Der soll ein EU-Gesetz umsetzen, das vorsieht, auf mindestens 20 Prozent der geschädigten Land- und Meerfläche Wiederherstellungsmaßnahmen einzuleiten. 2027 soll die endgültige Fassung vorliegen. Der Plan könnte eine wichtige Maßnahme für den Artenschutz sein. Wenn er gut umgesetzt wird, könnte das positiv für die Artenvielfalt sein.

Bei Ihrer Überprüfung zeigt sich, dass nur wenige Nistkästen überzeugen, keiner ist sehr gut. Was kann ich tun, wenn ich dennoch einen möchte?

Breitkreuz: Selbst bauen! Der NABU bietet auf seiner Homepage Anleitungen für Nisthilfen aus Holz, Ton oder Bambus.

So schneiden die Nisthilfen im NABU-Check ab

Das Dobar-Insektenhotel bekommt eine Bewertung von drei Bienen.
Das Dobar-Insektenhotel bekommt eine Bewertung von drei Bienen. (Foto: NABU)

Nisthilfe 1:

Alle Öffnungen sind sauber. Es sind viele Niströhrchen vorhanden, die Öffnungsdurchmesser sind nicht sehr variabel. Die Bambusröhrchen sind mit maximal 7 cm in Ordnung, aber nicht optimal. Außerdem sind nicht alle fest verleimt und hinten abgeschlossen. Die Bohrungen sind mit 5 cm zu kurz und im Stirnholz gebohrt. Der Überwinterungsraum für Schmetterlinge ist Platzverschwendung. Die Dachschräge ist okay, und das Holz ist 100 % FSC. Kein Schutzgitter.

  • Hersteller: Dobar
  • Gekauft bei: Bauhaus
  • Preis: 18,99 Euro
  • NABU-Bewertung: 3 von 5 Bienen 
Das Insektenhotel kann nicht überzeugen, da es viel Platz verschwendet.
Das Insektenhotel kann nicht überzeugen, da es viel Platz verschwendet. (Foto: NABU)

Nisthilfe 2:

Alle Öffnungen in den Bambusstäben sind sauber und die Gänge sind bis zu 10cm tief. Es sind nur wenige Niströhren vorhanden, dafür Elemente für Schmetterlinge und Florfliegen, die in diesem Zusammenhang Platzverschwendung sind.

Ein großer Teil der Niströhren hat einen zu großen Durchmesser, der für keine heimische Biene oder Wespe passend wäre. Bambusstäbe sind schlecht befestigt und meist hinten nicht verschlossen. Holz 100 % FSC, Dach schräg, kein Schutzgitter. Mitgeliefert wird ein Pfeifenputzer, der fälschlicherweise suggeriert, dass die Nistgänge gereinigt werden müssen.

  • Hersteller: Esschert Design
  • Gekauft bei: Obi
  • Preis: 28,99 Euro
  • NABU-Bewertung: 1 von 5 Bienen 
Die Nisthilfe macht einiges richtig, die Tiefe der Röhrchen reicht aber nicht aus.
Die Nisthilfe macht einiges richtig, die Tiefe der Röhrchen reicht aber nicht aus. (Foto: NABU)

Nisthilfe 3: 

Niströhrchen aus Schilf mit ausgefransten Öffnungen, teilweise nicht gut verklebt und/oder hinten offen. Die Tiefe ist mit max. 9 cm in Ordnung. Bohrungen seitlich in Hartholz, aber nur maximal 5 cm tief. Positiv ist, dass es nur Nistmöglichkeiten sind (keine Platzverschwendung), leichte Variabilität in Öffnungsdurchmessern. Dach schräg und gut verarbeitet. Holz ist behandelt, keine Angabe zu FSC und keine Angaben zur verwendeten Farbe. Schutzgitter vorhanden.

  • Hersteller: Windhager
  • Gekauft bei: Bauhaus
  • Preis: 19,95 Euro
  • NABU-Bewertung: 2,5 von 5 Bienen 
Diese Nisthilfe hat nur wenige funktionsfähige Niströhrchen und bekommt deshalb die schlechteste Bewertung.
Diese Nisthilfe hat nur wenige funktionsfähige Niströhrchen und bekommt deshalb die schlechteste Bewertung. (Foto: NABU)

Nisthilfe 4: 

Geringer Anteil an funktionsfähigen Niströhren, viele zusätzliche Elemente. Öffnungen sind sauber, Stäbe sind größtenteils fest aber teilweise hinten nicht gut abgeschlossen. Tiefe von 3 cm (bei Bohrungen) und maximal 6 cm bei Bambusröhren nicht ausreichend. Körper aus dünnem Sperrholz (100 % FSC) ist nicht wetterbeständig. Verpackung durch Abbildungen von Honigbienen irreführend.

  • Hersteller: Gardigo
  • Gekauft bei: Obi
  • Preis: 19,89 Euro
  • NABU-Bewertung: 0,5 von 5 Bienen
Am meisten überzeugt den NABU diese Nisthilfe von Dobar
Am meisten überzeugt den NABU diese Nisthilfe von Dobar (Foto: NABU)

Nisthilfe 5: 

Alle Öffnungen sind sauber. Keine Elemente, die nicht als Nisthilfe dienen, jedoch etwas ungenutzter Raum zwischen Elementen. Mischung aus gut befestigten, hinten verschlossenen Pappröhren und Bohrungen im verklebten Hartholz. Niströhren sind 9 cm, und es sind zwei verschiedene Durchmesser vorhanden. FSC Mix Holz. Solide Nisthilfe, die aber noch durch tiefere Gänge, mehr Variation in den Durchmessern, ein schräges Dach und ggf. ein Drahtnetz verbessert werden könnte.

  • Hersteller: Dobar
  • Gekauft bei: Hornbach
  • Preis: 39,99 Euro
  • NABU-Bewertung: 4 von 5 Bienen 
Dieses Insektenhotel von Dobar hat zwar keine Platzverschwendung, die Röhrchen sind jedoch schlecht verarbeitet.
Dieses Insektenhotel von Dobar hat zwar keine Platzverschwendung, die Röhrchen sind jedoch schlecht verarbeitet. (Foto: NABU)

Nisthilfe 6: 

Niströhrchen aus Schilf mit ausgefransten Öffnungen, viele schlecht angeklebt und/oder hinten offen, maximal 7 cm tief. Bohrungen im Stirnholz von Birke (zu weiches Holz), saubere Öffnungen, maximal 7 cm tief. Positiv ist, dass es nur Nistmöglichkeiten sind (keine Platzverschwendung), leichte Variation bei Öffnungsdurchmessern. Dach mit Schräge, aber schlecht verarbeitet, FSC Mix Holz. Kein Schutzgitter.

  • Hersteller: Dobar
  • Gekauft bei: Hornbach
  • Preis: 14,99 Euro
  • NABU-Bewertung: 2 von 5 Bienen 
Eigentlich eine gute Nisthilfe, aber die Röhrchen sind nicht stabil.
Eigentlich eine gute Nisthilfe, aber die Röhrchen sind nicht stabil. (Foto: NABU)

Nisthilfe 7:

Alle Öffnungen sind sauber. Nur Nisthilfen-Elemente vorhanden. Pappröhrchen mit verschiedenen Durchmessern und 10,5 cm Tiefe. Röhrchen sind aus dünnem Material, weshalb sie vermutlich nicht länger als eine Saison halten werden. Holz 100 % FSC, Dach mit Schräge, kein Schutzgitter. Wäre sehr gute, einfache Nisthilfe, wenn Röhrchen stabiler wären, außerdem ist die Produktion in China zu bemängeln und der Aufkleber auf der Nisthilfe, der eine Honigbiene abbildet.

  • Hersteller: Esschert Design
  • Gekauft bei: Obi
  • Preis: 18,89 Euro
  • NABU-Bewertung: 3,5 von 5 Bienen 

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