Fingermalfarben im Test: Fingerfarben heute besser als früher

Magazin April 2025: Müsli | Autor: Christine Throl/Heike Baier/Lena Wenzel | Kategorie: Kinder und Familie | 27.03.2025

Fingerfarben im Test: Welche Fingermalfarben überzeugen?
Foto: Selman GEDIK/Shutterstock

Pädagogisch wertvoll, Inhaltsstoffe bedenklich – so lautete in der Vergangenheit häufig das Fazit unserer Tests von Fingerfarben. Wie unsere aktuelle Überprüfung zeigt, haben sich die Produkte inzwischen deutlich verbessert. Auffällig: Entweder sind die Testkandidaten empfehlenswert oder fallen durch. Es gibt kein Mittelfeld. 

  • Fingermalfarben fördern die Fantasie und Kreativität, sprechen mehrere Sinne an und trainieren die Motorik. 
  • Wir haben 18 Fingermalfarben eingekauft und getestet. 
  • Die Testergebnisse sind entweder "sehr gut" bzw. "gut" oder "mangelhaft": Es gibt kein Mittelfeld. 
  • Erfreulich: Im Vergleich zu früheren Tests von Fingerfarben schneiden die Produkte deutlich besser ab. Das zählen wir auch zu unseren Erfolgen. 

Fingermalfarben sind die Matsche der Stadtkinder, sagen Pädagogen. Schon Zweijährige, die mit Stiften oder Pinseln noch Probleme haben, können sich hier künstlerisch austoben – und das mit allen Sinnen. Umso wichtiger ist es, dass die Fingerfarben auch in puncto Zusammensetzung für die Kleinsten geeignet sind. Doch genau in der Hinsicht brachte uns die farbige Matsche jahrelang zur Verzweiflung.

Es war schlichtweg haarsträubend, was wir in den letzten vier Jahrzehnten alles in Fingermalfarben fanden: Krebserzeugende Amine aus Azofarben, toxisches o-Anisidin, vermutlich krebserregende Nitrosamine, hormonwirksame Parabene, allergisierendes o-Phenylphenol, nervengiftiges Blei …

Im Jahr 2025 sind viele dieser Schadstoffe passé. Endlich. Das zeigt unser aktueller Test von 18 Fingermalfarben. Ganz ohne Kritik können wir die Produktgruppe aber nicht entlassen. 

Fingerfarben im Test: Konservierungsstoff über Grenzwert

So ist das von uns beauftragte Labor auf Gehalte des Konservierungsmittels 2-Phenoxyethanol gestoßen, die den Höchstgehalt reißen, der in der Spielzeugrichtlinie 2009/48/EG in Verbindung mit DIN EN 71-7 festgelegt ist. Und bei einer Grenzwertüberschreitung reagieren wir streng: Wir ziehen vier Noten ab. 

Mit Fingerfarben haben Kinder viel Spaß. Ob auf Fensterscheiben oder einem Blatt Papier – mit den Händen zu malen, ist etwas ganz anderes als mit Pinsel oder Stift.
Mit Fingerfarben haben Kinder viel Spaß. Ob auf Fensterscheiben oder einem Blatt Papier – mit den Händen zu malen, ist etwas ganz anderes als mit Pinsel oder Stift. (Foto: Ivanova Ksenia/Shutterstock)

Fast alle Fingerfarben im Test sind mit 2-Phenoxyethanol konserviert, manchmal in Kombination mit weiteren Mitteln. Das halten wir im Grunde für einen Fortschritt gegenüber den Konservierungsstoffen, mit denen Hersteller ihre Farben früher haltbar machten.

Fingermalfarben brauchen eine Konservierung, sie ist sogar in der Spielzeugrichtlinie vorgeschrieben. Denn neben Farbpigmenten, Füllstoffen, Binde- und Feuchthaltemitteln bestehen sie zu einem großen Teil aus Wasser und sind deshalb anfällig für Verkeimung. Vor allem wenn Kinder mit schmutzigen Fingern hineinfassen und die Farben danach länger herumstehen.

In der aktuell gültigen Spielzeugrichtlinie sind für Fingerfarben gut hundert Konservierungsmittel zugelassen.

Tipp: Weil Fingermalfarben leicht verkeimen, angebrochene Tiegel am besten kühl aufbewahren und alsbald aufbrauchen.

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Fingermalfarben sollen bitter schmecken 

Übrigens: Auch die ordnungsgemäß konservierten "sehr guten" Fingerfarben sind kein Nahrungsmittel, und Kinder sollten möglichst wenig davon verschlucken. Deshalb sind Hersteller verpflichtet, ihren Produkten einen Bitterstoff zuzusetzen und den auf der Verpackung anzugeben. Alle Farben im Test deklarieren den Bitterstoff Denatoniumbenzoat, der als bitterste bekannte Substanz überhaupt gilt.  

Ein kleines bisschen Chaos herrscht im jetzigen Test noch bei der Deklaration: Das beauftragte Labor wies einmal den Konservierungsstoff Benzoesäure nach. Der ist laut Spielzeugrichtlinie erlaubt. Auch der zulässige Höchstgehalt wird eingehalten – allerdings ist der Stoff nicht vorschriftsmäßig deklariert. Das bemängeln wir.

Wenig recyceltes Plastik in den Flaschen 

Und weil neue Zeiten auch neue Herausforderungen mit sich bringen, haben wir die Latte im aktuellen Test im Vergleich zum Jahr 2021 noch ein bisschen höher gelegt: Wir wollten von allen Herstellern wissen, ob sie in ihren Plastikflaschen und -tiegeln Rezyklat aus dem Wertstoffkreislauf einsetzen.

Doch nur ein einziger Anbieter überzeugt uns in dieser Hinsicht: Die Döschen bestehen zu 61 Prozent aus Recycling-Material. Alle anderen Hersteller haben hier noch Entwicklungspotenzial

Endlich gibt es kindgerechte Fingerfarben 

Dass Eltern ihre Kinder inzwischen bedenkenlos mit einigen Fingerfarben malen lassen können, zählen wir auch zu unseren eigenen Erfolgsgeschichten. Noch lange bevor strengere Gesetze die Hersteller zu Verbesserungen ihrer Produkte trieben, taten wir es.

Nach jedem Test von Fingermalfarben hagelte es "Nachwirkungen" – so nennen wir die Produktnachbesserungen durch die Hersteller, die wir in der Rubrik "ÖKO-TEST wirkt" veröffentlichen. Nach dem Test 1998 setzte mehr als ein Drittel der Hersteller ihre Rezepturen neu auf. Test 2015: ein ähnliches Bild.

(Foto: ÖKO-TEST)

Und auch an den strengeren Gesetzen, die nach und nach kamen, war ÖKO-TEST nicht ganz unbeteiligt: Als die EU-Kommission im Jahr 2021 endlich einen Grenzwert für den krebsverdächtigen Farbstoffbestandteil Anilin in Fingermalfarben festlegte, da stützte sie sich in ihrer Entscheidung unter anderem auf "die Ergebnisse einer deutschen Verbraucherzeitschrift".

Seit Jahren hatten wir Anilin nicht nur in Fingermalfarben, sondern auch in anderen Kinderartikeln kritisiert und der EU-Kommission auf Anfrage unsere Daten zur Verfügung gestellt.

Mucki, Staedtler & Co.: Fingerfarben im Test 

Welche Fingermalfarben ÖKO-TEST empfiehlt, können Sie im ePaper nachlesen: 

Fingerfarben im Test: Jetzt ePaper kaufen

Weiterlesen auf oekotest.de: 

Wir haben diese Produkte für Sie getestet

Testverfahren

Im Fachhandel für Künstlerbedarf und Kinderspielzeug, in Drogeriemärkten, Kaufhäusern sowie im Online-Handel haben wir Fingermalfarben von 18 Anbietern eingekauft, jeweils in 4er-Sets mit den Farben Gelb, Rot, Grün und Blau; einmal haben wir nur ein 3er- Set mit Grundfarben erhalten. Wenn keine Sets verfügbar waren, wählten wir vier Einzelfarben einer Marke. Für 100 Milliliter Fingermalfarbe bezahlten wir zwischen 63 Cent und 4,06 Euro.

Fingermalfarben sind wegen ihres Wasseranteils leicht verderblich und müssen deshalb laut Spielzeugrichtlinie 2009/48/EG in Verbindung mit DIN EN 71-7 konserviert sein. Im Labor ließen wir alle Produkte auf ein umfangreiches Spektrum an Konservierungsstoffen analysieren, von Parabenen über Isothiazolinone bis zu Formaldehyd/-abspaltern. Wir überprüften, ob die Hersteller ihre Produkte haltbar machen wie laut Spielzeugrichtlinie vorgesehen, ob sie die dort festgelegten Höchstgehalte einhalten und ob die eingesetzten Konservierungsstoffe mit den Deklarationen übereinstimmen.

Es erfolgten auch Analysen auf krebserregende aromatische Amine aus Azofarbstoffen, auf vermutlich krebserregende Nitrosamine und deren Vorstufen sowie auf Schwermetalle wie Blei oder Arsen. Das Labor überprüfte für uns außerdem, ob die Farben Titandioxid enthalten und ob es sich dabei um Nanomaterial handelt.

Per Deklaration überprüften wir, ob alle Hersteller die vorgeschriebenen Bitterstoffe einsetzen, und ob sie die Pflichthinweise auf die Verpackung drucken.

Wir interessierten uns auch dafür, wie umweltfreundlich die Plastiktiegel und -flaschen sind: Die  Verpackungen wurden auf chlorierte Verbindungen untersucht; zudem baten wir die Hersteller um Auskunft, ob sie Rezyklat aus dem Wertstoffkreislauf einsetzen und gegebenenfalls um ausreichende Belege mit Bezug zur getesteten Charge.

Bewertungslegende

Soweit nicht abweichend angegeben, handelt es sich bei den hier genannten Abwertungsgrenzen nicht um gesetzliche Grenzwerte, sondern um solche, die von ÖKO-TEST festgesetzt wurden. Die Abwertungsgrenzen wurden von ÖKO-TEST eingedenk der sich aus spezifischen Untersuchungen ergebenden Messunsicherheiten und methodenimmanenter Varianzen festgelegt. Steht bei konkret benannten Analyseergebnissen "nein", bedeutet das "unterhalb der Bestimmungsgrenze" der jeweiligen Testmethode.

Bewertung Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um vier Noten: ein gemessener Gehalt an 2-Phenoxyethanol, der den nach DIN EN 71-7 festgelegten Höchstgehalt von 1,0 % zu mehr als 100 Prozent ausschöpft (in Tabelle: "2-Phenoxyethanol stark erhöht").

Bewertung Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: ein gemessener Gehalt eines Konservierungsmittels innerhalb der zulässigen Höchstkonzentration, aber Konservierungsmittel nicht deklariert. Zur Abwertung um eine Note führt: ein Anteil von Rezyklaten (Post-Consumer-Rezyklat, PCR) von weniger als 30 Prozent in Relation zum Gesamtgewicht der Kunststoffverpackung, keine Angabe hierzu und/oder kein ausreichender Nachweis auf unsere Anfrage.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "ausreichend" ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "gut" ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht. 

Testmethoden 

Elemente im Totalaufschluss: Totalaufschluss in der Mikrowelle, Elementbestimmung mittels ICP-MS. Analyse in Mischprobe aus allen Farben einer Packung (3 bzw. 4 Farben) bzw. von 4 Einzelfarben.
Partikelgrößenverteilung (Titandioxid): Erstellung einer Dispersion mittels Ultraschall. ISO/TS 19590:2019: Single Particle ICP-MS. Zur Berechnung der Größenangaben wird bei der SingleParticle-ICP/MS eine kugelförmige Struktur angenommen.
Migrierbare Elemente nach EN 71-3: Analyse nach EN 71-3. Analyse in Einzelproben.
Konservierungsstoffe: Phenol, Formaldehyd, BIT, MIT, CIT: Prüfung nach DIN EN 71-10:2006-03 und DIN EN 71-11:2006-01. Sorbinsäure, Benzoesäure, Dehydracetsäure, Salicylsäure, 2-Phenoxyethanol, Bronopol, Phenol, Methyl-, Ethyl-, Isopropyl-, Propyl-, Butyl-, Isobutyl-, Phenyl-, Benzyl-, Pentylparaben: Messung mit LC-MS/MS, HPLC-UV. Extraktion mit Methanol/Wasser, Analyse mittels HPLC/UV. Analyse in Mischprobe aus allen Farben einer Packung (3 bzw. 4 Farben) bzw. von 4 Einzelfarben.
Primäre aromatische Amine: Prüfung nach DIN EN 14362-1:2017 und Prüfung in Anlehnung an DIN EN 14362-1:2017 ohne Reduktion. Analyse in Mischproben aus zwei Farben.
Migrierbare N-Nitrosamine, migrierbare N-nitrosierbare Substanzen: Nitrosamine DIN EN 71-12 (2017-03) LC-MS/MS. Analyse in Mischprobe aus allen Farben einer Packung (3 bzw. 4 Farben) bzw. von 4 Einzelfarben.
PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung: Röntgenfluoreszenzanalyse. 

Einkauf der Testprodukte: Dezember 2024 - Januar 2025

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