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28 Lebensmittel vom Discounter im Test

ÖKO-TEST August 2014
vom 25.07.2014

Discounter, Lebensmittel

Hauptsache billig

Wer beim Discounter kauft, will sparen - aber nicht an der Qualität. Dass diese Rechnung nicht immer aufgeht, zeigt unser Test. Für schlechte Noten sorgten vor allem Kaffee, Reis und Tiefkühlpizza. Verbesserungspotenziale gibt es zuhauf.

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25.07.2014 | Qualität zum kleinen Preis - so oder so ähnlich werben Aldi, Lidl und all die anderen Billigheimer tagtäglich für ihre Produkte. Aber geht das überhaupt? Wie lassen sich die Qualität sichern und Kosten niedrig halten? Was tragen Lieferanten dazu bei? Das fragten wir die Discounter und schickten gleichzeitig - wie schon in der vergangenen Ausgabe im Test Supermärkte - eine Auswahl an Basislebensmitteln ins Labor.

Vom Grundsatz her unterscheidet sich das Vorgehen kaum. Auch Discounter arbeiten nach vergleichbaren Prinzipien. Aldi Nord etwa definiert für die Qualität der eigenen Marken eigene Standards und stellt deren Einhaltung über ein laufendes Monitoring sicher. Dabei gehe man auch über gesetzliche Anforderungen hinaus, was auch die anderen Discounter betonen. Aldi Süd prüft zudem Kriterien von Verbraucherschutzorganisationen oder Verbrauchermagazinen wie ÖKO-TEST und nimmt diese gegebenenfalls mit auf. Alle Discounter bevorzugen die Zusammenarbeit mit bewährten Lieferanten, so weitere Antworten.

Dass zwischen dem Handel und seinen Lieferanten keineswegs immer eitel Sonnenschein herrscht, weiß Dr. Jürgen Sommer von der Firma Freiberger. Das Unternehmen gehört zu den führenden Pizzaherstellern Europas und produziert viele Eigenmarken. Auch die Spinatpizzen von Aldi Süd, Rewe und Kaufland (siehe ÖKO-TEST Supermärkte 7/2014) stammen von Freiberger. "Der Druck ist enorm", beschreibt Sommer, der Leiter des Qualitätsmanagements ist, die Anforderungen seiner Kunden. Das betreffe die Qualität und insbesondere den Preis. "Niedrige Preise sind aber nur möglich, wenn man effizient und in großer Stückzahl produziert", sagt Sommer. Der Qualitätsmanager weiß, wovon er redet: Jeden Tag verlassen über zwei Millionen Pizzen das Unternehmen.

Um eine effiziente Produktion zu gewährleisten, ist es unter anderem unerlässlich, Zutaten einzusetzen, die sich direkt aus dem Karton auf die Pizzen dosieren lassen. Aus eigener Zubereitung kommen bei Freiberger nur noch der Teig und die Tomatensauce.

Alle Rohstoffe unterliegen einer aufwendigen Qualitätskontrolle, so Sommer. Spinat etwa wird tiefgefroren und in einer definierten Schnittgröße geliefert. Der Spinatproduzent hat dafür Sorge zu tragen, dass sämtliche Vorgaben von Freiberger an die Produktsicherheit und Produktqualität nachweislich erfüllt sind. Dabei geht es nicht nur um Schnittgrößen, sondern auch um die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben, etwa für Nitrat, Pestizide oder Cadmium. Den Kontakt zu den Erzeugern haben in der Regel Agrarmanager, die den Anbau und die Ernte des Spinats auf dem Feld überwachen.

Ob die Qualität tatsächlich top ist, ließen wir anhand von fünf verschiedenen Lebensmitteln der einzelnen Discounter untersuchen. Ausgegeben haben wir nicht viel: 69 Cent für einen Liter Vollmilch, 2,49 Euro für zwei Pizzen, 2,49 Euro für das Pfund Kaffee. Preisunterschiede zwischen den Anbietern gab es nicht, es sei denn, es handelte sich um Bio-Produkte.

Das Testergebnis

Nur Mittelmaß. Kein

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So haben wir getestet

Der Einkauf
Eingekauft wurde bei den sechs wichtigsten Discountern. Im Einzelnen ging es um Kaffee, Reis, Milch, Tiefkühl-Spinatpizza und Tofu. Keine passenden Sojaprodukte fanden wir bei Lidl und Penny. Auch nicht erhältlich war eine Lidl-eigene Spinatpizza, weshalb wir uns alternativ für Gemüsepizza entschieden.

Die Inhaltsstoffe
Die Untersuchungen erfolgten produktspezifisch. So stand bei Milch die hygienische Qualität auf dem Programm, während wir die Pizzen unter anderem auf ihren Salzgehalt und die deklarierten Zutatenmengen überprüfen ließen. Bei Reis und Kaffee ging es vor allem um problematische Stoffe. So kann Reis mit anorganischem Arsen belastet sein - und Kaffee mit dem Röstnebenprodukt Acrylamid. Beide Substanzen gelten als krebserregend. Die Sojaprodukte wurden auf gentechnisch veränderte Bestandteile untersucht.

Sonstige Parameter
Beim Kaffee fragten wir die Anbieter, ob er unter fairen Bedingungen erzeugt wurde. Das lässt sich unter anderem an garantierten Mindestpreisen für Rohkaffee und der Einhaltung grundlegender Arbeitsnormen auf den Plantagen festmachen. Die Angaben mussten durch entsprechende Nachweise belegt werden. Bei der Milch fragten wir nach dem Einsatz von gentechnisch veränderten Futtermitteln.

Die Bewertung
Zu Punktabzügen führten erhöhte Gehalte an schädlichen Stoffen wie Acrylamid oder Arsen, aber auch die unfaire Produktion von Kaffee in den Herkunftsländern. Milch, die mit genmanipulierten Futtermitteln erzeugt worden war, konnte bestenfalls mit "gut" abschneiden.

So haben wir getestet

Ungeeignete Zubereitungsempfehlung: Im Labortest wurde die Pizza von Aldi Nord zu braun.

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