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72 Produkte Made in Germany im Test

ÖKO-TEST März 2014
vom 28.02.2014

Produkte "made in Germany"

Doppelte Staatsbürgerschaft

"Made in Germany" steht für Qualität, Langlebigkeit, deutsche Ingenieurskunst. Dafür - und in der Hoffnung, etwas für Arbeitsplätze im eigenen Land zu tun - zahlen Kunden gerne mehr. Wir haben 72 Hersteller gefragt, wie viel "Germany" in ihrem Produkt steckt. Knapp die Hälfte hat bewiesen: jede Menge.

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28.02.2014 | Frau Schmidt kommt in Russland gut an. Das Waschmittel wurde speziell für den russischen Markt erfunden - weil deutsch klingende Produktnamen beim Kunden für mehr stehen: für Qualität, Langlebigkeit, Zuverlässigkeit. Das soll bei Schreibwaren von Erich Krause, Anzügen von Kanzler oder Altstein-Bier ebenfalls funktionieren.

Auch die deutsche Industrie wirbt gerne mit "made in Germany". Denn beim Kunden weckt es nicht nur das Gefühl, ein gutes, durchdachtes Produkt zu kaufen, sondern auch die Hoffnung, dass es hierzulande unter einigermaßen akzeptablen Arbeitsbedingungen hergestellt wurde. Burladingen ist nun mal nicht Bangladesch.

Gleichzeitig hat sich langsam herumgesprochen, dass selbst in Produkten, die als "made in Germany" beworben werden, ein gehöriger Anteil an China oder Polen stecken kann. Und ist es in einer globalisierten Welt nicht ganz normal, dass komplette Bauteile aus dem Ausland zugekauft oder Fertigungsprozesse in Länder mit günstigeren Arbeitslöhnen ausgelagert werden?

Eine feste Regelung, ab wann ein Produkt als "made in Germany" beworben werden kann, gibt es nicht. Lediglich aus Gerichtsurteilen lassen sich Hinweise ableiten. Zuletzt legten die Richter des Düsseldorfer Oberlandesgerichts die Sache sehr frei aus: Was zählt, sei die allgemeine Verkehrserwartung, also das, was der durchschnittliche Verbraucher von einem Produkt erwartet. Bei einem Besteckset, auf dem ein "made in Germany" prangt, darf demnach das Messer nicht aus China stammen. Und bei einem Kondom genügt es nicht, dass es in Deutschland eingesiegelt, kontrolliert und verpackt wurde, erklärten die Richter des Oberlandesgerichts Hamm.

Auch der Zollkodex der EU bietet Herstellern Orientierung. Entscheidend für die Herkunftsbezeichnung ist demnach der Ort, an dem das Produkt der "letzten wesentlichen Be- und Verarbeitung" unterzogen wurde.

Die EU-Kommission möchte das schon länger verschärfen, bisher ohne Erfolg. Anfang 2013 wurden nun im Produktsicherheits- und Marktüberwachungspaket neue Pläne vorgestellt: Die Herkunftsbezeichnung soll zur Verpflichtung werden. Und was als Ursprungsland gilt, soll der Zollkodex regeln. Ziel des Ganzen ist es, die Produktsicherheit zu verbessern - eine bessere Rückverfolgbarkeit soll es der Marktüberwachung leichter machen, für sichere Produkte zu sorgen.

Die Industrie läuft gegen diese Pläne Sturm. "Das Vorhaben der EU-Kommission höhlt die Qualitätsbezeichnung für deutsche Produkte faktisch aus", kritisiert der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Eric Schweitzer, den Vorstoß, "die Auszeichnung der Produkte soll sich künftig an Zollvorschriften und nicht mehr an Qualitätsmerkmalen orientieren." Aber was wären solche Qualitätsmerkmale? Etwa Marke, Design, Qualität, erklärt Felix Neugart vom DIHK. Begriffe, die im Zollrecht keine Rolle spielen. "Ein Indikator für die Herkunftsbestimmung", so Neugart, "kann die letzte wesentliche Be- und Verarbeitung des Produkts sein." Es soll also alles so ble

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So haben wir getestet

Der Einkauf
Ziel war es, sowohl Produkte von großen und bekannten Firmen als auch von kleineren Anbietern unter die Lupe zu nehmen. Herausgekommen ist eine bunte Mischung aus 72 Produkten. Bedingung: Auf dem Produkt oder im Internet wird angegeben, dass in Deutschland produziert wird - oder der Hersteller hat es uns direkt gesagt.

Produktion und Transparenz
Wer ein Produkt mit dem Herstellungsland Deutschland bewirbt, sollte auch nachweisen können und wollen, dass dem tatsächlich so ist. Wir haben allen Herstellern einen Fragenkatalog geschickt, um zu erfahren, woher sie ihre Rohstoffe, Materialien oder Bauteile beziehen, welche Fertigungsschritte für die Herstellung ihres Produkts nötig sind und natürlich, wo diese erfolgen. Ergänzend baten wir um Nachweise dafür.

Die Bewertung
Bewertet wurde zum einen, wie transparent ein Hersteller Auskunft über seine Produktion gibt. Zum anderen, inwiefern die wesentlichen Fertigungsschritte tatsächlich in Deutschland stattfinden. Welche Fertigungsschritte "wesentlich" sind, machten wir nicht an Wertschöpfungstiefe oder Ähnlichem fest, sondern daran, was man als durchschnittlicher Verbraucher von einem Produkt erwartet. Schwierig wird es beispielsweise, wenn der Stoff, aus dem ein Bettwäscheset hergestellt wird, aus Thailand bezogen wird, denn dahinter steckt ein wichtiger Arbeitsschritt. Nicht bewertet wurde die Herkunft der Rohstoffe selbst - Baumwolle wächst nun mal nicht in der Eifel. Statt Noten vergeben wir dieses Mal Smileys.

So haben wir getestet

Welche Fertigungsschritte werden vor Ort durchgeführt? Woher stammt das verwendete Material? Wir haben nachgefragt.