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ÖKO-TEST Dezember 2017
vom

Tee, Wellness

Eine Tasse Auszeit

Draußen herrschen Minusgrade, drinnen ist es bei einer dampfenden Tasse Tee kuschelig warm. Noch besser lässt sich der Tee genießen, wenn er frei von Schadstoffen ist. Unser Test zeigt: Mit den Bio-Tees steht der kleinen Pause fast nichts im Weg.

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23.11.2017 | Zielgruppenkenntnis heißt das Zauberwort. Zumindest wenn es um den Erfolg eines Unternehmens geht. Wirft man einen Blick in die Teebranche folgt daraus: farbenfrohes Verpackungsdesign, außergewöhnliche Produktnamen und exotische Mischungen in den Supermarktregalen.

Ja, es gibt noch diesen Kunden, der seit 30 Jahren immer die gleiche Teemarke, immer die gleiche Sorte trinkt - eben das, was er kennt. Für die großen Hersteller zahlt sich das aus. Meßmer, Teekanne und Co. sind eben deshalb so erfolgreich, weil es sie schon so lange gibt. Nun will aber eine neue Zielgruppe erobert werden: jung, umwelt- und gesundheitsbewusst. Für diese neue Teetrinkergeneration ziehen die Hersteller immer außergewöhnlichere Geschmacksrichtungen aus dem Hut. Auch ein weiterer Faktor sorgt laut Bastian Foerster vom Deutschen Institut für Marketing für eine langfristige Loyalität der Kunden gegenüber einer Teemarke. "An Tee sind spezielle Emotionen geknüpft, die bei anderen Getränken nicht existieren. Tee steht für Gemütlichkeit, Wärme, Wohlfühlen", sagt Foerster. Die Hersteller transportieren diese Emotionen, um Kunden zu gewinnen und an die eigene Marke zu binden. Dies fängt bereits bei der Produktgestaltung an.

Eine Marke, bei der das besonders gut geklappt hat, ist Pukka. Die Produkte haben ein auffälliges Design, heißen "Frauenzauber", "Love" oder "Revital" und sind natürlich zu 100 Prozent bio. Pukka verkauft Tee nicht nur als Getränk, sondern als Lifestyle-Lebensmittel. Auf der Homepage heißt es zum Beispiel: "Wir hoffen, dich dafür zu begeistern, mehr über dich selbst herauszufinden und über den schönen Planeten, auf dem wir alle leben. Genieße diese Reise!" Und Pukka Herbs hat Erfolg. Laut Euromonitor 2016 ist das Unternehmen der am schnellsten wachsende Teehersteller der Welt.

Und somit auch interessant für die ganz großen Konzerne. Und das ist dann auch schon das Ende eines kleinen, feinen, aufstrebenden Bio-Unternehmens: Seit Kurzem verkauft Pukka Herbs seine Produkte unter dem Dach von Unilever. Mit der Marke Lipton ist der Lebensmittelgigant bereits Weltmarktführer für Tee. Ein Unternehmen wie Pukka Herbs mit seiner jungen und umweltbewussten Zielgruppe hat Unilever nach eigenen Angaben aber noch gefehlt. "Pukka ist ein Premiumanbieter im Bio-, Health- und Wellness-Segment, der schnell wächst, attraktiv und skalierbar ist", heißt es von Unternehmensseite. "Skalierbar" ist eine Firma dann, wenn sie ihren Umsatz steigern kann, ohne kontinuierlich in Produktion und Infrastruktur investieren und Fixkosten erhöhen zu müssen. An dem Konzept des Pukka-Tees soll diese Übernahme nichts ändern. Das Marketing, das genau auf die Zielgruppe zugeschnitten ist, funktioniert ja auch.

Um zu überprüfen, ob hinter den blumigen Namen und schönen Verpackungen auch wirkliche Qualität steckt, haben wir 20 Wohlfühltees, darunter fünf Chai-Tees, ins Labor geschickt.

Das Testergebnis

Bio vor, noch ein ... Tee. Von neun Bio-Produkten sind sieben "sehr gut", eines ist "gut".

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So haben wir getestet

Der Einkauf
Die kalte Jahreszeit ist Teezeit. Wir haben deshalb 20 Tees eingekauft und ins Labor geschickt. Dabei haben wir uns auf die Produkte konzentriert, die durch ihre Aufmachung den besonderen Wohlfühlmoment versprechen. Darunter sind fünf Chai-Tees. Deren Hauptzutaten Zimt, Ingwer und Kardamom passen ganz besonders gut in die Winterzeit.

Die Inhaltsstoffe
Die Tees sind Mischungen aus vielen verschiedenen Kräutern, Blüten und Gewürzen. Jede Zutat kann Schadstoffe in den Tee einbringen. Zum Beispiel Pestizide oder das vermutlich krebserregende Anthrachinon. Bei der Ernte können außerdem Beikräuter in den Tee gelangen, die potenziell krebserregende Pyrrolizidinalkaloide, kurz PA, enthalten. Cassia-Zimt weist mitunter relativ hohe Mengen an Cumarin auf, das in Tierversuchen die Leber schädigte. Wir haben deshalb den Cumaringehalt im Teeaufguss untersuchen lassen. Des Weiteren prüften wir die Zutatenliste, ob die Hersteller Aromen zur Geschmacksgebung einsetzen.

Die Weiteren Mängel
Wer auf der Verpackungsvorderseite mit einer Zutat wie zum Beispiel Schokolade wirbt, sollte auch angeben, wie viel Schokolade enthalten ist. Wir überprüften außerdem, ob die Hersteller die Orientierungswerte des Bundesverbandes Naturkost Naturwaren (BNN) für Bio-Produkte einhalten.

Die Bewertung
Für verschiedene Zutaten in den Teemischungen gelten unterschiedliche gesetzliche Pestizidhöchstwerte. Da wir nicht mehr nachvollziehen können, welche Zutat welches Pestizid in die Teemischung eingetragen hat, legen wir für unsere Bewertung den höchsten infrage kommenden Grenzwert zugrunde. Bezüglich der PA orientieren wir uns an dem vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfohlenen Tagestoleranzwert.

So haben wir getestet

Nicht ausreichend deklariert. Kakaobohnen stehen an vierter Stelle, Orangenschalen an fünfter: Über die genaue Menge der Zutaten lässt uns der Anbieter aber im Dunkeln.

Video zum Thema

Video

ÖKO-TEST-Magazin 12/2017:

Wellness-Tees

Eine Tasse Auszeit.

Wohlfühltee, herzerwärmender Bio-Tee, Schwarz-Teekuss, Teekomposition "Warm um's Herz", Time-to-Relax-Tee - die Hersteller haben Tee mittlerweile zu einem Lifestyle-Getränk gemacht. Ein Blick in die Tee-Regale der Supermärkte zeigt farbenfrohe Verpackungsdesigns mit außergewöhnlichen Produktnamen und exotischen Mischungen. ÖKO-TEST wollte wissen, ob in diesen Wohlfühltees auch Qualität steckt. Das Testergebnis löst bei so manchen Produkten leider kein wohliges Gefühl aus.