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19 faire Kosmetika im Test

ÖKO-TEST Oktober 2017
vom 28.09.2017

Faire Kosmetik

Fairtrauen ist gut ...

Verbraucher wollen mitbestimmen, welchen Einfluss ihr Konsum auf Umwelt, Mensch und Tier hat. Da liegt der Griff zu "fairer Kosmetik" nahe. Doch was ist eigentlich faire Kosmetik? Und sind die Produkte automatisch unbedenklich? Unser Test zeigt: Es gibt einige gute Ansätze, aber auch viele offene Fragen.

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28.09.2017 | Natürlich, vegan, fair: Das sind Kaufargumente, wenn Verbraucher zu einer besseren Welt beitragen wollen. Naturkosmetik und vegane Kosmetik sind längst feste Größen. Nach fair gehandelten Produkten muss man bisweilen länger suchen. Das Beispiel des Fairtrade-Siegels zeigt, wie klein die Nische ist: Wurden 2016 rund 416 Millionen Euro Umsatz mit Fairtrade-Kaffee gemacht, gefolgt von Bananen mit rund 130 Millionen Euro, waren es bei Kosmetika gerade einmal 530.000 Euro.

Man sollte meinen, dass sich da leicht die Spreu vom Weizen trennen lässt. Doch ein Grundsatzproblem macht auch vor der Kosmetik nicht Halt: Der Begriff "fair" ist nicht rechtlich geschützt. Für den Laien bleiben oft kaum überprüfbare Versprechen oder Verweise auf geförderte Projekte. Außerdem: Meist ist nur ein Teil der umfangreichen Rezeptur aus fairem Handel verfügbar. Solche Rohstoffe, etwa Honig, Zucker, Kokosöl, Kakao- oder Sheabutter, können zwar auch in Kosmetik zum Einsatz kommen. Wasser, einer der Hauptinhaltsstoffe, lässt sich hingegen nicht als fair zertifizieren. Um den prozentualen Anteil fair gehandelter Inhaltsstoffe höher erscheinen zu lassen, rechnet mancher Hersteller auch schon mal das Wasser heraus.

Wir haben die Inhaltsstoffe von 19 Kosmetikprodukten im Labor prüfen lassen. Zusätzlich haben wir den Herstellern einen Fragebogen geschickt und um Nachweise für ihre Auslobungen und Aussagen zum Thema fairer Handel gebeten. Wir haben die Bemühungen der Anbieter um faire Produkte in diesem Test nicht im Gesamturteil bewertet - zu unterschiedlich sind die Ansätze der einzelnen Unternehmen. Die Daten, die sie uns zur Verfügung gestellt haben, lassen aber drei grundsätzliche Herangehensweisen erkennen, mit denen sie das Konzept eines fairen Handels umsetzen wollen. Alle bieten Verbrauchern, die nach fairen Produkten suchen, Vorteile. Aber auch Nachteile.

Das Testergebnis

Alles in allem können sich die Produkte sehen lassen: Von insgesamt 19 schneiden 15 mit einem "sehr guten" Gesamturteil ab. Nur ein Produkt - und das stammt ausgerechnet aus dem Weltladen - fällt mit "ungenügend" komplett durch, dicht gefolgt von einem "mangelhaften" und einem "ausreichenden" Produkt.

Fair ist nicht gleich Naturkosmetik. Die Gepa Handgemachte Vegane Seife Rose sieht unscheinbar aus und zieht aus ihrem Verkauf im Weltladen einen gewissen Vertrauensvorschuss. Doch im Labor zeigten sich unübersehbare Mängel: Parfümiert wird sie unter anderem mit künstlichem Moschusduft, der sich im menschlichen Fettgewebe anlagert und für den Hinweise auf Leberschäden vorliegen. Außerdem enthält die Seife den Duftstoff Lilial, der sich in Tierversuchen als fortpflanzungsgefährdend erwiesen hat, und Diethyl- phthalat, das den Schutzmechanismus der Haut stören kann. Zu allem Überfluss hat das Labor auch noch halogenorganische Verbindungen nachgewiesen. Welcher Stoff sich hinter dem Ergebnis verbirgt, lässt sich mit der angewandten Methode zwar nicht sagen - allerdings handelt es sich bei halogen

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Weitere Informationen

So haben wir geprüft

Der Einkauf
Was ist eigentlich faire Kosmetik? Offizielle und einheitliche Kriterien gibt es nicht, deshalb haben wir uns drei Produktkategorien vorgenommen:
1. solche mit Label; 2. solche, auf deren Verpackung über fairen Handel informiert wird, und 3. Produkte von Herstellern, die ein faires Unternehmenskonzept kommunizieren. Eingekauft haben wir die Pflegecremes, Körperlotionen, Seifen und Haarpflegeprodukte in Drogerien, im Weltladen und im Internet.

Die Versprechen
Was steckt hinter der versprochenen Fairness? Wir haben die Hersteller gebeten, einen umfangreichen Fragebogen zu beantworten und sie außerdem nach Belegen für ihre Aussagen gefragt. Um die verschiedenen Konzepte zum Thema fairer Handel in der Kosmetik gegenüberzustellen, haben wir die Vor- und Nachteile in Form dreier Gruppenporträts beleuchtet.

Die Inhaltsstoffe
Häufig, aber nicht immer, ist faire Kosmetik gleichzeitig zertifizierte Naturkosmetik. Doch auch das ist nicht zwingend ein Garant für einwandfreie Inhaltsstoffe. Wir wollten es genauer wissen und haben die Produkte in den Laboren auf problematische Duftkomponenten, bedenkliche Konservierungsmittel und andere Substanzen prüfen lassen.

Die Bewertung
Das Gesamturteil ergibt sich aus dem Testergebnis Inhaltsstoffe und möglichen Abzügen durch das Testergebnis Weitere Mängel. Je mehr problematische Stoffe nachgewiesen wurden, desto schlechter das Ergebnis.

So haben wir getestet

Fairsiegelt: Diese Label schmücken einige der Produkte im Test. Wir wollten wissen, welche Vorgaben die Hersteller erfüllen müssen, um sie tragen zu dürfen.