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Superfoods

Supertox

Superfoods sollen gesund sein, sind tatsächlich aber teils massiv mit Pestiziden, Mineralöl, Cadmium und weiteren Schadstoffen belastet, wie unser Test zeigt. Auch die Werbung mit überdurchschnittlichen Gehalten an Vitaminen und Mineralstoffen ist ein Schuss in den Ofen, denn Superfoods sind schlicht überflüssig.

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20.10.2016 | Superfoods werden meist als Pulver, Samen oder Extrakt angeboten. Sie sollen vorzugsweise Smoothies oder Müsli aufwerten. Chiasamen etwa sollen gegen Blutzuckerstress, Schlaganfallrisiko und Herzinfarktgefahr wirken. Gojibeeren und Moringablätter gelten als Anti-Aging-Mittel und Hanfsamen sollen Müdigkeit und Erschöpfung vertreiben. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Allein wissenschaftliche Belege sucht man vergebens. Stattdessen wird mit hohen Gehalten an Vitaminen, Mineralstoffen, sekundären Pflanzenstoffen oder Enzymen geworben. "Superfood wird meist ein besonders großes antioxidatives Potenzial nachgesagt", sagt Angela Clausen von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. "Dieses lässt sich im Reagenzglas messen und wird gelegentlich als ORAC-Wert angegeben." ORAC bedeutet Oxygen Radical Absorbance Capacity und besagt, wie viele freie Radikale mit einem Gramm Saft oder Frucht neutralisiert werden können. "Die ORAC-Werte sind jedoch reine Laborwerte. Die bei der Messung ablaufende Reaktion findet so im menschlichen Körper gar nicht statt."

Dennoch stellt sich die Frage: Wenn die Produkte schon wenig bewirken, sind sie dann wenigstens unbedenklich? Zumindest bei Chiasamen ist man sich da offenbar nicht ganz sicher. So fehlen in Europa bislang Erfahrungen und Daten über die Auswirkungen eines langfristigen Verzehrs, weshalb die Ölsaat seit 2013 als neuartiges Lebensmittel zugelassen ist - verbunden mit der Auflage, die Samen ausschließlich vorverpackt und mit dem Hinweis auf eine maximale tägliche Aufnahme von 15 Gramm an den Verbraucher abzugeben. Uns interessierte in erster Linie die Belastung mit Schadstoffen. Wir ließen 21 Produkte einkaufen und in spezialisierten Laboren untersuchen.

Das Testergebnis

Mineralöl, Blei und Cadmium, dazu überhöhte Funde von Pestiziden - so super, wie man es gern hätte, ist Superfood keineswegs. Im Gegenteil: Knapp zwei Drittel der Produkte fallen mit einem "ungenügend" oder "mangelhaft" durch. Nur vier Produkte - es handelt sich um Bio-Gojibeeren, Bio-Chiasamen und zwei Bio-Kokosöle - erreichen ein "sehr gut" beziehungsweise "gut".

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Superfoods fand unser Einkäufer in Bio-Läden, Reformhäusern, Supermärkten und sogar bei Aldi Süd. Im Test landeten hauptsächlich Chiasamen, Gojibeeren und Hanfsamen, außerdem Weizengras, Algenpulver und Rohkakao sowie weitere, einzelne Produkte. Die Produkte sind nicht immer als Superfood gekennzeichnet. Wesentlich für die Auswahl waren einschlägige Listen etwa in Onlineportalen.

Die Inhaltsstoffe
Im Fokus standen Rückstände und Verunreinigungen. So ist bekannt, dass Gojibeeren erheblich mit Pestiziden belastet sein können. Von Algenprodukten weiß man, dass sie große Mengen an polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) enthalten können. Auf Mineralöl ließen wir testen, da mit einem Eintrag durch dieselbetriebene Trocknungsanlagen oder Ähnliches zu rechnen ist. Weiterhin ging es um die Belastung mit Keimen. Denn Superfoods werden nicht nur bei niedrigen Temperaturen hergestellt, sondern üblicherweise auch roh verzehrt.

Die Deklaration
Die Etiketten nahmen wir wie gewohnt kritisch unter die Lupe. Wir schauten, ob nicht erlaubte gesundheitsbezogene Aussagen gemacht werden und ob die Kennzeichnung transparent und eindeutig ist.

Die Bewertung
Superfoods sind überflüssig, denn normale Lebensmittel versorgen uns mit allen Nährstoffen, die wir brauchen. Umso schlimmer, wenn viele Superfoods auch noch hoch mit Mineralöl, Cadmium, Blei oder PAK belastet sind, so dass nur ein "ungenügend" bleibt. Werden gesetzliche Höchstmengen überschritten, ist ohnehin die rote Karte fällig. Unglaublich: Eine Probe Bio-Chiasamen und ein Bio-Rohkakao sind noch nicht einmal verkehrsfähig.

So haben wir getestet

Weizengraspulver wird für die Bestimmung von Schimmelpilzgiften vorbereitet.

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