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10 Skihelme im Test

Jahrbuch für 2017
vom 20.10.2016

Skihelme

Hals- und Beinbruch

Ein Helm soll Skifahrer vor schweren Kopf- und Hirnverletzungen schützen. ÖKO-TEST hat die Probe gemacht und zehn Modelle in die Labore geschickt. Sieben Modelle bestanden sogar die erweiterten Härteprüfungen. Doch es gibt starke Einschränkungen beim Komfort.

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20.10.2016 | Wir wollten wissen, wie gut Skihelme schützen. Dafür haben wir zehn Modelle eingekauft und in aufwendigen Praxisprüfungen unter die Lupe genommen. Dass sie keine gesundheitsschädigenden Substanzen enthalten sollen, mussten die Helme im Schadstofftest beweisen.

Das Testergebnis

Von zehn Skihelmen haben sieben Modelle den Teilbereich Schutzfunktion mit "sehr gut" bestanden, drei weitere mit "gut". Abzüge im Praxistest gab es für Mängel in der Handhabung, beim Tragekomfort und der Verarbeitung. Im Bereich Inhaltsstoffe wurde für den Nachweis bedenklicher Substanzen in der Helmauskleidung sowie in anderen Kunststoffteilen abgewertet. Gesamtfazit: Sechs Skihelme können wir mit "gut" empfehlen.

Besser als gefordert - sieben Helme hielten allen erweiterten Sicherheitsprüfungen stand, darunter Tests, wie sie für Helme der Klasse A (z. B. Rennhelme) oder für Fahrradhelme gefordert werden. Die Modelle von Casco, Marker und Rossignol zeigten sich beim Durchstoßtest im Vergleich zur Konkurrenz nicht ganz so widerstandsfähig. Bei dem Test trifft ein beschleunigter konischer Schlagkörper gegen die Helmschale. Die Spitze des Schlagkörpers darf dabei den Prüfkopf nicht berühren. Die Kriterien für Klasse-B-Helme haben die Modelle zwar bestanden. Die Prüfung für A-Helme, bei der ein Einschlag mit einer höheren Geschwindigkeit erfolgt, dagegen nicht.

Beim K2 Diversion, black fehlt eine automatische Lautstärkebegrenzung der integrierten Kopfhörer. Weil wir Musik hören oder Telefonieren beim Skifahren als Sicherheitsproblem ansehen, werten wir den Helm unter Sonstige Sicherheitsmängel ab.

Generell sollten Fahrer auch mit Helm Geräusche um sich herum möglichst gut wahrnehmen können - zum Beispiel die Pistenraupe oder andere Skifahrer. Im Labor wurde deshalb die Geräuschdämmung aller Helme gemessen. Nur der Wed'ze One Feel, schwarz liegt in einem akzeptablen Bereich. Alle anderen Modelle zeigten eine unserer Meinung nach erhöhte bis sehr hohe Geräuschdämmung.

Kaufentscheidend sind neben gutem Schutz auch die Passform, die Handhabung und die Bedienbarkeit. Die meisten Mängel weist nach Meinung unserer Probanden der Wed'ze One Feel, schwarz auf. Der Helm saß nicht fest, ihn enger zu machen, lässt das Modell nicht zu und Verschlüsse sowie die Skibrillenbefestigung ließen sich mit Handschuhen nur schwer bedienen. Den Teilbereich Handhabung und Tragekomfort am besten bestanden haben der Alpina Grap 2.0 und der Marker Consort Men.

Der Uvex P1us Pro, black-red mat enthält problematische Phthalat-Verbindungen. Phthalate stehen im Verdacht, Leber, Nieren und Fortpflanzungsorgane zu schädigen und außerdem wie ein Hormon zu wirken. Außerdem wies ein Labor in diesen sowie in vier weiteren Modellen Ersatzweichmacher nach, deren Langzeitwirkungen für Mensch und Umwelt noch nicht ausreichend erforscht sind.

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Ein Helm muss technisch auf dem neuesten Stand sein. Unsere Einkäufer haben zehn aktuelle Skihelme der Klasse B ausgesucht, also Halbschalenmodelle, wie sie die überwiegende Mehrheit auf der Piste trägt. Die Preise lagen zwischen 16,90 Euro und 149,95 Euro.

Praxistest
Wir haben ein für die Prüfung von Skihelmen akkreditiertes Labor beauftragt, alle Modelle nach den Ansprüchen der aktuell gültigen Norm DIN EN 1077 zu testen. Zunächst wurden die technischen Schutz- und Sicherheitsanforderungen für Helme der Klasse B getestet. Dabei wurde überprüft, wie gut die Helme Stöße dämpfen, ob spitze Gegenstände durchdringen oder ob sie zu leicht vom Kopf abstreifen. Nicht erst seit dem VW-Skandal kennt auch ÖKO-TEST die Tücken und Schlupflöcher praktischer Normprüfungen. Deshalb testen wir allen Kritikern zum Trotz häufig strenger nach. So auch im aktuellen Skihelmtest. Wir wollten wissen, wie gut die Modelle auch den Kriterien nach Normklasse A standhalten, also für die Helme, die etwa von Spitzensportlern bei Weltcuprennen getragen werden. Darüber hinaus haben Laborexperten und Probanden die Handhabung und den Tragekomfort der Produkte beurteilt. Wackelt der Helm trotz engster Einstellung? Lässt sich die Skibrille leicht oder eher umständlich festmachen? Und wie gut kann ein Skifahrer eigentlich Geräusche durch die Ohrpolster wahrnehmen?

Schadstoffe
Helmelemente, mit denen der Träger in Hautkontakt kommt, kamen zur Schadstoffanalyse ins Labor. Die Auskleidung der Helme sowie weitere Kunststoffteile wurden auf verbotene Azo- und Dispersionsfarbstoffe und optische Aufheller untersucht. Außerdem hat ein Labor Teile auf bedenkliche Weichmacher (Phthalate) getestet.

Bewertung
Ein Skihelm soll seinen Träger bei einem Sturz oder Unfall vor Kopfverletzungen schützen. Ebenso sollten keine Substanzen enthalten sein, die ein Gesundheitsrisiko darstellen. Wir haben den Praxistest mit 70 Prozent gewichtet und die Inhaltsstoffe mit 30 Prozent. Fällt ein Helm im Test der Schutzfunktionen nach Klasse B mit "ungenügend" durch, hält also den Minimalkriterien für Halbschalenhelme nicht stand, kann auch das Gesamturteil nicht besser sein.

So haben wir getestet

Aufprallschutz Alle Helme (hier Head Avril, black) mussten im Praxistest ihre Stoßdämpfungsqualitäten beweisen.

So haben wir getestet

Berührungsangst! Eim Test der Durchdringungsfestigkeit darf die Spitze des Stahlkörpers den Prüfkopf nicht berühren.

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