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26 Dr.-Oetker-Produkte im Test

ÖKO-TEST Januar 2016
vom 28.12.2015

Dr.-Oetker-Produkte

Mängel in der Doktorarbeit

Weltweit bietet Dr. Oetker mehr als 3.500 Produkte an. 26 davon - vom Vanillezucker bis zum Pizzaburger - haben wir ins Labor geschickt. Das Ergebnis: Erstaunlich viel Mineralöl und Zucker steckt in vielen Produkten. Nur vier können wir empfehlen.

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28.12.2015 | Wir wissen ja, eine Frau hat zwei Lebensfragen: "Was soll ich anziehen und was soll ich kochen?", tönt eine tiefe, sympathische Männerstimme aus dem Fernseher. Eine junge Frau, adrett, mit perfekt sitzenden Locken und weißem Schürzchen, stimmt dem Mann fröhlich in die Kamera lächelnd zu: "Ja. Und das Allerwichtigste für ihn ist: der Pudding!" Der Pudding, der in dieser Werbung aus den 50er-Jahren beworben wird, stammt von Dr. Oetker und aus einer Zeit, als das Unternehmen sich noch auf einige wenige Backzutaten wie das Backpulver, Vanillezucker und eben den Pudding konzentrierte.

Ebenso wie das Frauenbild, das die Werbung spiegelt, hat sich in den vergangenen 70 Jahren auch das Sortiment der Unternehmensgruppe verändert: Zum Backpulver kamen nach und nach Götterspeise, Vanillesaucen, Backmischungen, Backdekorationen, Fertigkuchen, diverse Instantpulver, Müslis und Tiefkühlpizzen. Mit dem Kauf der Radeberger-Gruppe gesellten sich auch einige Biersorten dazu - und wenn die Mitarbeiter einmal auf ihren Erfolg anstoßen wollen, können sie das auch mit Henkell trocken, Deinhard oder Wodka Gorbatschow aus dem firmeneigenen Imperium tun. Mehr als 3.500 Produkte gehören inzwischen zum Sortiment.

Vieles hat sich verändert bei Dr. Oetker. Aber der Pudding, der ist geblieben. Und der fehlt natürlich auch nicht in unserem Test. Außerdem haben wir 25 weitere, ganz unterschiedliche Produkte von Dr. Oetker ins Labor geschickt und gewohnt umfangreich auf Schadstoffe und Verunreinigungen untersuchen lassen.

Das Testergebnis

Man nehme: einen Löffel "sehr gut", drei Teile "gut", einen großen Messbecher voll "befriedigend" und "ausreichend" sowie acht Messerspitzen "mangelhaft" und zwei Prisen "ungenügend" - fertig. So breit wie die Produktpalette sind auch die Testergebnisse. Der Großteil spielt sich in der Mitte ab, die Mandeln, gehobelt sind der Ausreißer nach oben, der Kakao zum Backen und die Choco Lava 4 Törtchen, Backmischung, die Produkte, die den Eindruck vom Unternehmen nach unten ziehen.

Mineralöl in jedem zweiten Produkt: In 14 von 26 Produkten haben die von uns beauftragten Labore erhöhte Mengen an Mineralöl aus gesättigten Kohlenwasserstoffen (MOSH) gefunden, in vier dieser Fälle fanden die Labore sogar stark oder sehr stark erhöhte Werte. Laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) können MOSH im Körper gespeichert werden und zu Schädigungen der Leber und der Lymphknoten führen. Es gibt verschiedene Eintragswege für Mineralölrückstände: Druckfarben von Papier- und Kartonverpackungen können zu Übergängen auf Lebensmittel führen, aber auch recycelte Kartonverpackungen enthalten häufig Rückstände von Mineralöl. Sie bestehen oft aus Zeitungspapier, das mit mineralölhaltigen Farben bedruckt wurde. Als Eintragsquelle kommen aber auch Schmieröle, die etwa bei der maschinellen Produktion eingesetzt werden, in Betracht. Am stärksten belastet mit MOSH ist der Bourbon Vanille Zucker. Immerhin: Die als gesundheitlich bedenklicher geltenden aromatis

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Weitere Informationen

So haben wir getestet
Der Einkauf
Von der Fertigpizza über Pudding bis hin zu Backmischungen und Vanillezucker: Im Warenkorb landeten 26 Produkte von Dr. Oetker. Dabei haben unsere Einkäufer darauf geachtet, ein möglichst breites Produktspektrum abzudecken. Bio-Waren sind nicht dabei - die hat Dr. Oetker nicht im Angebot.

Die Inhaltsstoffe
So breit wie die Produktpalette war auch das Spektrum der Laboruntersuchungen: Die Prüfung auf Mineralölrückstände stand unter anderem bei Lebensmitteln in Karton- oder Papierverpackungen im Fokus, gehörten Früchte oder Getreide zu den Inhaltsstoffen, haben wir ein umfangreiches Pestizidscreening durchführen lassen. Sehr umfangreiche Aromenanalysen haben wir beauftragt, wenn "Bourbonvanille" etwa oder Zitronenaroma ausgelobt waren. Auch Schimmelpilzgifte, unerwünschte Weichmacher, Schwermetalle und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe etwa standen je nach Produktgruppe auf dem Prüfplan.

Die Bewertung
Den Ausschlag für die Bewertung geben die Inhaltsstoffe. Negativ wirken sich hier vor allem die Mineralölrückstände aus. Auch unnötige Zusätze wie Aromen, die den Geschmack standardisieren sollen, werten wir in vielen Produkten ab. Beim Kakao wollten wir zusätzlich wissen, wie es um die Bemühungen steht, menschenwürdige Arbeitsbedingungen in den Plantagen zu schaffen. Auch das hier fehlende Engagement führt zu Abwertungen.

So haben wir getestet

In Verpackungen aus Altpapier steckt oft Mineralöl.