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ÖKO-TEST Juni 2016
vom

UV-Schutzanzüge für Kleinkinder, Baden

Macht mal halblang!

Sonnenbrand bei Kindern kann im Alter üble Folgen haben. Ihre Haut muss daher besonders vor gefährlichen UV-Strahlen geschützt werden. ÖKO-TEST wollte wissen, ob spezielle UV-Schutzanzüge, die sich zum Planschen und Spielen in der Sonne eignen sollen, wirklich wirken. Die meisten Teile schaffen das. Aber nur ein Produkt ist empfehlenswert.

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25.05.2016 | Werden Kinder nicht gut genug vor gefährlichen UV-Strahlen geschützt, erhöht sich mit jedem Sonnenbrand ihr Hautkrebsrisiko im Erwachsenenalter. Ihre Haut ist dünn und hat nur einen geringen natürlichen Eigenschutz. Leider ist das immer noch nicht allen Eltern bewusst. Sorglos lassen sie ihren Nachwuchs ohne ausreichenden Schutz im Freien toben. Laut einer Umfrage der Europäischen Hautkrebsstiftung (ESCF) gaben gerade einmal 14 Prozent der Eltern an, ihren Kindern zum Spielen im Freien eine Mütze aufzusetzen. Auf Kleidung, die vor UV-Strahlen schützt, achte nur jedes fünfte Elternteil. Dafür klagte bereits jedes fünfte Kind im Kindergartenalter über mindestens einen Sonnenbrand bis hin zu mehreren Sonnenbränden.

Wie das Kinderkrebsregister in Mainz mitteilt, sind in den vergangenen zehn Jahren rund 50 Hautkrebserkrankungen bei Kindern unter 14 Jahren verzeichnet worden - also nur eine Handvoll Fälle pro Jahr. Trotzdem, warnen Experten, sollte das Thema nicht auf die leichte Schulter genommen werden. "Dass Sonnenbrände in der Kindheit die Melanomhäufigkeit, aber auch die Häufigkeit der Neuerkrankungen des hellen Hautkrebses deutlich erhöhen, ist wissenschaftlich gut belegt", erklärt der Dermatologe Professor Eggert Stockfleth, zugleich Vorsitzender der ESCF. Bereits im Jugendlichenalter, so die Statistiken, können sich Spätfolgen übermäßiger Sonnenbäder zeigen.

Weil Kinder täglich immer mehr Zeit im Kindergarten oder in Kindertagesstätten verbringen, lastet die Verantwortung zur Vermeidung der UV-Belastung heute mehr als früher auf den Erziehern. 2009 entschied deshalb das ESCF, schon frühzeitig mit der Aufklärung zu beginnen und entwickelte das Projekt "Sunpass - Gesunder Sonnenspaß für Kinder". Das Ziel: In sogenannten Sonnenschutzkindergärten von Kindesbeinen an ein Bewusstsein für das Thema schaffen und so langfristig die Zahl der Hautkrebsneuerkrankungen senken.

"Jeder von uns hat ein individuelles UV-Konto, auf das er zwar sein Leben lang einzahlt, von dem er aber nichts abheben kann", gibt Stockfleth zu bedenken. "Der gesunde Umgang mit Sonne sollte für Kinder deshalb genauso selbstverständlich sein wie Zähneputzen oder richtige Ernährung." Das sollen die Kleinen in den Sonnenschutzkindergärten lernen.

Wie man diese Auszeichnung erhält, ist schnell erklärt: Nach der Anfrage bekommt die Einrichtung Besuch von einem Mitarbeiter der Landeskrebsgesellschaft. Dieser verschafft sich einen ersten Überblick: Wann und wie lange gehen die Kinder nach draußen? Werden sie eingecremt und bekommen sie Mützen auf? Geachtet wird auch darauf, ob die Kinder im Schatten oder in der Sonne toben. Wie viele Schattenplätze bietet das Areal? Gibt es Verbesserungspotenzial? Außerdem wird beobachtet, ob die Erzieher mit gutem Beispiel vorangehen und sich ebenfalls schützen. Ein Mitarbeiter, der sein Gesicht sonnenanbetend gen Himmel reckt, dürfte da weniger gut ankommen. Etwa zeitgleich wird an einem Infoabend der Kenntnisstand der Eltern und Erzieher abgefragt und zu einem späteren Zeitpunkt überprüft. "Nach etwa drei Monaten bekommt die Einrichtung dann unangemeldet erneuten Besuch", sagt Stockfleth. "Werden Verbesserungen festgestellt, steht der Auszeichnung als ‚Sonnenschutzkindergarten' nichts mehr im Weg." Obendrein gibt es ein Schild, auf dem der Titel prangt.

Stockfleths Engagement trägt Früchte. Was 2009 als kleines Pilotprojekt im Kindergarten des Rudolf-Virchow-Klinikums in Berlin startete, hat sich mittlerweile deutschlandweit etabliert. Bundesweit sind derzeit mehr als 250 Sonnenschutzkindergärten ausgezeichnet. Im vergangenen Jahr kamen 95 Kitas neu dazu. Neun Landeskrebsgesellschaften nehmen an dem Projekt teil, darunter Bayern, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. 2013 gewann das Projekt den Innovationspreis. Andere europäische Länder sitzen bereits mit im Boot. Das sonnige Griechenland will als Nächstes mitziehen. An Italien und Spanien sei man gerade dran. Die klassischen und zuweilen liebsten Urlaubsländer der Deutschen also.

Weil es neben Urlaub in Meeresregionen Eltern mit ihren Kindern an warmen Tagen auch an Badeseen und in Freibäder zieht, wollte ÖKO-TEST wissen, wie gut UV-Schutzanzüge für Kleinkinder beim Planschen und Toben in der Sonne schützen. Dafür haben wir 15 Produkte eingekauft und in die Labore geschickt. Hält der ausgelobte UV-Schutz, was der Hersteller verspricht? Behält der Stoff seine Farbe im Chlorwasser? Welche Schadstoffe stecken in den halblangen Anzügen?

Das Testergebnis

Heiter bis stark bewölkt: Nur einen UV-Schwimmanzug können wir mit dem Gesamturteil "gut" empfehlen. Drei fallen mit "ungenügend" und einer mit "mangelhaft" durch. Zehn Produkte landen mit "befriedigend" und "ausreichend" im Mittelfeld. Nur ein einziges Produkt besteht die Materialprüfungen mit "sehr gut".

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
UV-Schutzanzüge sollen Kinder gut vor den schädlichen Sonnenstrahlen schützen. Und natürlich soll der Nachwuchs darin auch gut aussehen. Wir haben deshalb besonders intensiv in Internetshops gestöbert und dort insgesamt 15 topmodische Produkte zwischen 11,90 Euro und 49,95 Euro eingekauft.

Die Materialprüfungen
Hält der UV-Schutz, was der Anbieter verspricht? Wichtig dabei ist, dass die Textilien nicht nur neu nach dem Auspacken vor UV-Strahlen schützen, sondern besonders dann, wenn sie schon etwas älter sind. Der UV-Standard 801 berücksichtigt sowohl Neuzustand als auch bereits beanspruchtes Gewebe, weshalb dieses Verfahren - im Gegensatz zum europäischen Standard EN 13758 oder dem AS/ZNZS 4399, die keinen Tragegebrauch simulieren - für uns das aussagekräftigste ist. Weil aber auch die Optik zählt, haben beauftragte Labore die Stoffe und/oder Motivdrucke auf Farbechtheiten nach DIN-Normen getestet.

Die Inhaltsstoffe
Bunte Farben, Brustmotive, Reißverschlüsse: Selbst das kleinste Emblem bietet Platz für problematische Inhaltsstoffe. Stecken giftige zinnorganische Verbindungen drin? Löst sich Antimon heraus, das Haut und Schleimhäute reizen kann? Werden verbotene Phthalate oder krebserzeugende aromatische Amine eingesetzt?

Die Bewertung
Gerade weil Kinderhaut gut geschützt werden muss, sehen wir falsche UV-Schutzfaktoren sehr kritisch. Ebenso ärgerlich finden wir, wenn die Textilien beim Baden im Meer oder im Schwimmbad ihre Farbe verlieren. Sind diese Farben dann auch noch gesundheitsschädigend, hört der Spaß ganz auf. In das Gesamturteil gehen das Testergebnis Materialprüfungen und das Testergebnis Inhaltsstoffe zu jeweils 50 Prozent ein. Es kann nicht besser sein als das Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Produkt mit einem "ungenügenden" Testergebnis Materialprüfungen kann auch insgesamt nicht besser sein.

So haben wir getestet

Unter Spannung
wird beim UV-Standard
801 überprüft, welchen UV-Schutzfaktor
Textilien im Gebrauchszustand erreichen.