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11 Skihelme im Test

ÖKO-TEST Dezember 2015
vom 27.11.2015

Skihelme

Hals- und Beinbruch

Ein Helm soll Skifahrer vor schweren Kopf- und Hirnverletzungen schützen. ÖKO-TEST hat die Probe gemacht und pünktlich zur kommenden Skisaison elf Modelle in die Labore geschickt. Ein Skihelm hielt einem laut Norm geforderten Schutzkriterium im Praxistest nicht stand. Sieben Modelle bestanden dagegen auch die erweiterten Härteprüfungen.

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27.11.2015 | Im Ernstfall kann ein Helm darüber entscheiden, ob Sie nach einem schweren Sturz oder Unfall ein Pflegefall bleiben oder doch noch glimpflich davonkommen. Schlägt ein Mensch mit dem Kopf auf den Boden auf, wirkt die Kraft des Aufpralls ungebremst auf den Schädel. Für das Gehirn, das von der Hirnhaut und dem Hirnwasser, dem Liquor, geschützt ist, kann das böse Folgen haben. "Bei leichteren Stößen gegen den Kopf kann der Liquor noch ganz gut als Puffer wirken", erklärt Professor Gereon Fink von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. "Ist der Aufprall wuchtiger, sind schwere Verletzungen des Schädels, der Hirnhaut oder des Gehirngewebes denkbar." Dieses Risiko soll ein Helm minimieren, indem er die punktuell einwirkende Kraft über seine Schale auf eine größere Fläche verteilt.

Laut Andreas König, Sicherheitsexperte beim Deutschen Skiverband, können Verbraucher auf den Schutz eines Helmes vertrauen, sofern dieser einen Hinweis auf die Skihelmnorm DIN EN 1077 trage. Die Norm legt Mindestsicherheitsanforderungen fest, zum Beispiel dürfen zusätzlich zum Aufprallschutz keine spitzen Gegenstände durch die Schale zum Kopf durchdringen. "99 Prozent der Skihelme auf dem Markt sind sicher", schätzt König - also 99 von 100 Produkten.

Doch stimmt das? Wir wollten pünktlich zur neuen Skisaison wissen, wie gut Skihelme schützen. Dafür haben wir elf Modelle eingekauft und in aufwendigen Praxisprüfungen unter die Lupe genommen. Dass sie keine gesundheitsschädigenden Substanzen enthalten sollen, mussten die Helme im Schadstofftest beweisen.

Das Testergebnis

Sicher ist sicher! Von elf Skihelmen haben sieben Modelle den Teilbereich Schutzfunktion mit "sehr gut" bestanden, drei weitere mit "gut". Abzüge im Praxistest gab es für Mängel in der Handhabung, beim Tragekomfort und der Verarbeitung. Im Bereich Inhaltsstoffe wurde für den Nachweis bedenklicher Substanzen in der Helmauskleidung sowie in anderen Kunststoffteilen abgewertet. Gesamtfazit:Sechs Skihelme können wir mit "gut" empfehlen. Ein Helm kracht allerdings mit "ungenügend" durch, weil er im Praxistest die Mindestschutzanforderungen nicht erfüllt hat.

Verkaufstopp!? Der Head Avril, black hat die Stoßdämpfungsprüfung für Helme der Klasse B nicht bestanden. Bei dem Test wird ein Helm samt Prüfkopf aus einer Höhe von 1,50 Meter auf einen flachen Sockel fallen gelassen. An einem geprüften Aufprallpunkt ("rechts über dem Ohr hinten") wurde der Stoß nicht ausreichend gedämpft. Weil das für einen Skifahrer im Falle eines Falles ein enormes Sicherheitsrisiko ist, sollte der Helm, so wie wir ihn eingekauft haben, nach Meinung des von uns beauftragten Prüflabors nicht (mehr) verkauft werden dürfen. Allerdings: Einem Verkaufsverbot oder behördlich angeordnetem Zwangsrückruf des Produkts wird der Hersteller wohl entgehen. Siehe dazu unseren Text "Der Fall Head Avril, black."

Besser als gefordert - sieben Helme hielten allen erweiterten Sicherheitsprüfungen stand, darunter Tests, wie sie für Helme der Klasse

ÖKO-TEST Dezember 2015

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Ein Helm muss technisch auf dem neuesten Stand sein. Unsere Einkäufer haben elf aktuelle Skihelme der Klasse B ausgesucht, also Halbschalenmodelle, wie sie die überwiegende Mehrheit auf der Piste trägt. Die Preise lagen zwischen 16,90 Euro und 149,95 Euro.

Praxistest
Wir haben ein für die Prüfung von Skihelmen akkreditiertes Labor beauftragt, alle Modelle nach den Ansprüchen der aktuell gültigen Norm DIN EN 1077 zu testen. Zunächst wurden die technischen Schutz- und Sicherheitsanforderungen für Helme der Klasse B getestet. Dabei wurde überprüft, wie gut die Helme Stöße dämpfen, ob spitze Gegenstände durchdringen oder ob sie zu leicht vom Kopf abstreifen. Nicht erst seit dem VW-Skandal kennt auch ÖKO-TEST die Tücken und Schlupflöcher praktischer Normprüfungen. Deshalb testen wir allen Kritikern zum Trotz häufig strenger nach. So auch im aktuellen Skihelmtest. Wir wollten wissen, wie gut die Modelle auch den Kriterien nach Normklasse A standhalten, also für die Helme, die etwa von Spitzensportlern bei Weltcuprennen getragen werden. Darüber hinaus haben Laborexperten und Probanden die Handhabung und den Tragekomfort der Produkte beurteilt. Wackelt der Helm trotz engster Einstellung? Lässt sich die Skibrille leicht oder eher umständlich festmachen? Und wie gut kann ein Skifahrer eigentlich Geräusche durch die Ohrpolster wahrnehmen?

Schadstoffe
Helmelemente, mit denen der Träger in Hautkontakt kommt, kamen zur Schadstoffanalyse ins Labor. Die Auskleidung der Helme sowie weitere Kunststoffteile wurden auf verbotene Azo- und Dispersionsfarbstoffe und optische Aufheller untersucht. Außerdem hat ein Labor Teile auf bedenkliche Weichmacher (Phthalate) getestet.

Bewertung
Ein Skihelm soll seinen Träger bei einem Sturz oder Unfall vor Kopfverletzungen schützen. Ebenso sollten keine Substanzen enthalten sein, die ein Gesundheitsrisiko darstellen. Wir haben den Praxistest mit 70 Prozent gewichtet und die Inhaltsstoffe mit 30 Prozent. Fällt ein Helm im Test der Schutzfunktionen nach Klasse B mit "ungenügend" durch, hält also den Minimalkriterien für Halbschalenhelme nicht stand, kann auch das Gesamturteil nicht besser sein.

So haben wir getestet

Aufprallschutz? Alle Helme (hier der Head Avril, black) mussten im Praxistest ihre Stoßdämpfungsqualitäten beweisen.

So haben wir getestet

Berührungsangst! Beim Test der Durchdringungsfestigkeit darf die Spitze des Stahlkörpers den Prüfkopf nicht berühren.

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