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17 Wandersocken im Test

ÖKO-TEST Oktober 2015
vom 25.09.2015

Wandersocken

Ende Gelände

Blasenfreie Füße entscheiden übers Wanderglück. Doch im Test sind auch in teuren Bergstrümpfen wunde Füße möglich. Einige Hersteller machen zudem falsche Wirkversprechen. Vor Schadstoffen in Socken müssen Hobbykraxler aber wenig Angst haben.

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25.09.2015 | Nonstop zu Fuß über die Alpen in 49 Stunden ohne Schlaf und längere Pausen. 215 Kilometer am Stück durchs isländische Hochland in 55 Stunden. 209 Kilometer auf dem Rheinsteig entlang in einer 52-Stunden-Tour - der Sportwanderer Thorsten Hoyer geht über Grenzen: "Ich wollte 2005 erstmals die 150 Kilometer ohne Pause knacken, auf dem Kellerwaldsteig durch den Naturpark in meiner nordhessischen Heimat. Über meine Socken hatte ich mir damals keine Gedanken gemacht", erzählt der 47-Jährige. "Ich bekam dann schnell starke Fußschmerzen und bin die letzten Kilometer nur noch sehr langsam gelaufen. Abbrechen war aber keine Option, ich wollte es unbedingt durchziehen. Als ich nach 54 Stunden ohne Schlaf am Ziel ankam, war die Haut an den Fußsohlen komplett offen und wund. Ich habe noch Tage gelitten. Die Socken musste ich wegwerfen."

So weit wie Thorsten Hoyer dürfte es das Gros der etwa 40 Millionen Deutschen nicht treiben, die laut einer Studie des Bundeswirtschaftsministeriums aus dem Jahr 2010 wandern gehen. Blasen und überhitzte Füße führen meist schneller zum Ende im Gelände. Auch auf dem Halbtagsausflug durch die Natur entscheiden deshalb neben guten Schuhen die richtigen Socken mit übers Wanderglück.

Die Hersteller bewerben ihre Strümpfe als textiltechnische Alleskönner: Sie sollen je nach Klima kühlen oder wärmen, den Tritt dämpfen, Feuchtigkeit abführen und so allem voran Knöchel, Sohle und Zehen garantiert vor Blasen schützen. Doch ob eine gekaufte Bergsocke wirklich hält, was sie verspricht, hängt vom Fuß ab. "Die Spanne, wie viel Schweiß Menschen absondern können, ist enorm. Er ist der Blaseninitiator schlechthin. Manche haben nach ein paar Stunden im Gelände auch in atmungsaktiven Schuhen und Socken patschnasse Füße. Bei anderen werden die Socken nur minimal feucht", erklärt Christoph Kruis, Unfallchirurg, Arzt der Bergrettung und langjähriger Bergführer im Allgäu. Auch hochwertige Wandersocken sollten daher wie Schuhe vor der eigentlichen Tour auf ihre individuelle Blasenträchtigkeit getestet werden. Weil schon kleinste Falten Blasen auslösen, sei es zudem wichtig, dass sich die Socke eng am Fuß anschmiegt.

Profiwanderer Hoyer hat aus seinem Fußfiasko gelernt. "Ich habe dann lange experimentiert und alle großen Firmen durchprobiert, bis ich bei meiner heutigen Schuh-Socken-Kombination angekommen bin." Er laufe jetzt auf seinen Extremtouren, etwa in Grönland, blasenfrei in Volllederschuhen und Strümpfen seiner Sponsoren. Nicht zuletzt aber dank eines eigenwilligen Tricks: "Ich trage vor langen Wanderungen nie frisch gewaschene Socken. Der Stoff reibt dann nicht mehr so stark und ist angenehmer zu tragen."

ÖKO-TEST wollte wissen, wie es um die Qualität von aktuell im Handel erhältlichen Wandersocken bestellt ist. Wir haben 17 Paar eingekauft und im Labor auf Schadstoffgehalt, Farbabrieb und Atmungsaktivität überprüfen lassen.



Das Testergebnis

Gut bis mittelmäßig: Wir bewerten elf Sockenpaare mit "gut" und sechs mit "befriedigend

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Von der Supermarktsocke bis zum Markenprodukt: Wir kauften 17 Paar Wandersocken ein. Das billigste für 4,99, das teuerste für 27 Euro. Unterwegs waren unsere Einkäufer dafür in Kaufhäusern und Onlineshops, Outdoorfachgeschäften, Supermärkten sowie im Sporthandel. Der Test umfasst durchweg Modelle für Freizeitausflügler, die sich ganzjährig für Tagestrips etwa durchs Mittelgebirge eignen. Das Gros der Socken passt auf die Füße beider Geschlechter. Aber auch Ware explizit für Männer oder Frauen ist unter den Testkandidaten.

Die Inhaltsstoffe
Gewebt und genäht sind die meisten Wandersocken im Test aus Mischgewebe. Im Garn enthaltenes Silber soll Bakterien töten und so Schweißgeruch hemmen. Unter Experten gilt diese Praxis als überflüssig; sie fördert Keimresistenzen. Wir fragten uns deshalb, wie viel Silber in den Strümpfen steckt und ob die Anbieter ihre Socken gar mit anderen antibakteriellen Substanzen oder Insektiziden ausrüsten. Die von uns beauftragten Labore untersuchten die Strümpfe ferner auf Problemstoffewie hormonell wirksame Weichmacher und Ersatzweichmacher, umweltschädliche Nonylphenolethoxylate sowie umstrittene halogenorganische Verbindungen. Auch auf krebserregende Farbstoffe, PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen sowie hautreizendes Antimon ließen wir die Socken durchchecken. Geprüft wurde zudem, ob die Hersteller bei den Weißtönen mit optischen Aufhellern nachgeholfen haben.

Praxistest
Was nützt die schönste Socke, wenn sie auf die Wanderhose und -schuhe abfärbt und die Füße darin nassschwitzen? Wir wollten deshalb wissen, ob die Farben fest genug im Stoff sitzen und Schweiß sowie Reibung standhalten. Ein darauf spezialisiertes Labor ließen wir zudem analysieren, wie gut die Strümpfe den Schweiß ableiten und die Füße atmen lassen.

Die Bewertung
Ist die Atmungsaktivität einer Socke zu gering, sind schmerzhafte Blasen garantiert. Wer seine Füße den ganzen Tag in Kunstfasern packt, will zudem sicher sein, dass über Haut und Schweiß kein Gift in den Körper gelangt. Dementsprechend werten wir ab. In das Gesamturteil gehen die Ergebnisse zu Materialeigenschaften und Inhaltsstoffen zu jeweils 50 Prozent ein. Das Gesamturteil kann dabei aber nicht besser sein als das Testergebnis Inhaltsstoffe.

So haben wir getestet

Füße schwitzen in Socken - wir ließen ihre Atmungsaktivität im Labor messen.

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