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ÖKO-TEST Juli 2016
vom

Warzenmittel

Verätzt, vereist, verschwunden?

Hundertprozentiger Erfolg ist von keinem Warzenmittel zu erwarten, manche Wirkstoffe sind aber immerhin besser erprobt als andere. Fünf Mittel mit Salicylsäure empfehlen wir mit "gut". Auch unkonventionelle Methoden können helfen.

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30.06.2016 | Wie wird man Warzen los? In Mark Twains weltberühmtem Roman Tom Sawyers Abenteuer empfiehlt der wenig zimperliche junge Huckleberry Finn das Prinzip tote Katze: "Na, du nimmst deine Katze und gehst auf 'nen Friedhof, kurz vor Mitternacht, dahin, wo jemand, der 'n schlechter Mensch gewesen ist, begraben liegt, und wenn's Mitternacht ist, kommt 'n Teufel oder vielleicht auch zwei oder drei (...), und wenn sie den Kerl wegholen, schmeißte deine Katze hinterher und sagst: ‚Teufel folg Leiche, Katze folg Teufel, Warzen folg Katze, ich bin euch los!' Das bringt dir jede Warze weg." Deutlich weniger spektakulär kommt da die Schulmedizin des 21. Jahrhunderts daher. Wer in Deutschland rezeptfreie Warzenmittel anwendet, setzt seine Hoffnung auf Wirkstoffe wie Salicylsäure, Milchsäure und Ameisensäure oder auf Vereisung. Das klingt seriöser als eine tote Katze, doch helfen auch diese Mittel beileibe nicht jedem. Warum Wirkstoffe bei manchen Patienten anschlagen, bei anderen hingegen nicht, zähle zu den offenen Fragen in der medizinischen Forschung, sagt Dr. Christian Kors, Facharzt für Dermatologie, Venerologie, Proktologie und Allergologie in Berlin.

Die meisten Hautwarzen sind ungefährlich, sie müssen nicht zwingend behandelt werden. Am häufigsten sind die sogenannten vulgären Warzen sowie Plantarwarzen, die teils zu den vulgären gezählt werden (siehe Kasten). Sie werden durch verschiedene Typen des humanen Papillomavirus hervorgerufen. Es kann leicht durch Kontakt mit bereits geschädigter Haut in den Körper eindringen.

"Anders als Herpesviren tauchen humane Papillomaviren nicht im Blut auf, sie bleiben in der Haut. Dort können sie lange existieren. Auch wenn eine Warze entfernt wird, können deshalb weitere nachwachsen", erklärt Dr. Michael Pawlita, Leiter der Abteilung Molekulare Diagnostik Onkogener Infektionen am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg.

Bei den Geschwülsten selbst handelt es sich meist um ein zeitlich begrenztes Problem. "In der Regel heilen Warzen irgendwann von alleine. Das kann Wochen, Monate, aber auch Jahre dauern", sagt Dermatologe Christian Kors. Viele Patienten wollen nicht so lange warten. Sie haben Schmerzen, vor allem bei Warzen an der Fußsohle, oder schämen sich schlichtweg wegen der als unästhetisch geltenden Wucherungen. Befinden sich Warzen an den Händen oder haben sie sich bereits auf der Haut weiterverbreitet, sollten sie aufgrund der hohen Ansteckungsgefahr behandelt werden. Patienten müssten dafür aber nicht gleich zum Arzt, so Christian Kors. Sofern sich eine Wucherung zweifelsfrei als vulgäre Warze oder Plantarwarze bestimmen lasse, könne sie zunächst auch zu Hause behandelt werden. In Apotheken stehen dafür verschiedene rezeptfreie Tinkturen sowie Mittel zur Vereisung zur Verfügung. Sie zielen auf die Zerstörung des verhornten Gewebes ab, beseitigen also nicht das Virus, sondern lediglich seine Symptome.

Salicylsäure gilt als das am besten erprobte Mittel. Als Lösung aufgetragen, weicht sie verhorntes Gewebe auf, dieses kann dann Stück für Stück abgetragen werden. Salicylsäure wird bisweilen durch die ebenfalls hautätzende Milchsäure ergänzt. Monochlor- und Trichloressigsäure wirken deutlich stärker ätzend als Salicylsäure. Sie zerstören die Proteine der virusbefallenen Zellen, sodass diese absterben. Auch die ebenfalls ätzende Ameisensäure gilt als aggressiver als Salicylsäure.

Rezeptfreie Produkte zur Vereisung (Kryotherapie) enthalten Dimethylether, Propan- oder (Iso-)Butangas. Die Kälte verursacht eine Entzündung. Wie bei einer Verbrennung entsteht eine Blase, mit der die Warze schließlich abgeworfen werden soll. Mit gleichem Prinzip gehen auch Hautärzte bei einer Vereisungstherapie vor, sie verwenden allerdings den wesentlich kälteren - und potenziell besser wirksamen - Flüssigstickstoff. Die Kryotherapie gilt als relativ schmerzhaft.

Falls die Warze bei Kindern nicht nach wenigen Wochen verschwunden ist, sollte man beim Kinderarzt vorstellig werden. Erwachsene dürfen sich etwa zwölf Wochen Zeit geben, dann sollte ein Hautarzt ran. Der hat neben einigen verschreibungspflichtigen Präparaten auch die Möglichkeit, die Warzen mit verschiedenen Laserverfahren anzugehen. Per Laser werden etwa Blutgefäße verödet, was die Nahrungszufuhr der Warze kappt. Manche Ärzte regen mit wassergefiltertem Infrarotlicht die körpereigenen Abwehrzellen an. Von chirurgischen Eingriffen rät Christian Kors ab: "Das ist nur ein letztes Mittel, es kann tiefe offene Wunden hinterlassen."

Seit jeher kursieren für Warzen auch alternative Hausmittel, ob Schöllkraut oder Schneckenschleim, Zwiebeln oder Zitronensaft, Bananenschalen oder Eigenurin. Hier gilt zum einen: Auf Nebenwirkungen ist zu achten, Zwiebeln oder Knoblauch etwa können eine Kontaktentzündung verursachen. Zum anderen gilt aber auch: Was hilft, hat seine Berechtigung. Warzen verschwinden häufig von selbst, und auch Autosuggestion wie beim Besprechen kann möglicherweise die Immunabwehr stärken und dabei helfen - sofern man nur fest genug daran glaubt. Also, Huckleberry, versuch's besser ohne tote Katze!

ÖKO-TEST bleibt wie gewohnt wissenschaftlich und hat 17 rezeptfreie Mittel gegen Warzen eingekauft. Unser langjähriger Berater Professor Manfred Schubert-Zsilavecz vom Institut für Pharmazeutische Chemie der Goethe-Universität Frankfurt hat Wirkstoffe und Packungsbeilagen für uns begutachtet.

Das Testergebnis

Viel Mittelmaß. Von 17 Produkten erreichen die fünf mit Salicylsäure die Note "gut". Alle anderen Warzenmittel im Test bewerten wir mit "befriedigend", da ihre Wirksamkeit durch Studien nicht so gut belegt ist.

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
In Apotheken und Drogeriemärkten haben wir 17 rezeptfrei erhältliche Mittel gegen Warzen eingekauft. Sieben wirken mittels Vereisung, der Rest enthält verschiedene Wirkstoffe, darunter Salicylsäure, Ameisensäure, Trichlor- und Monochloressigsäure. Auch ein Pflaster mit Salicylsäure ist mit im Test.

Wirksamkeit und Beipackzettel
Professor Manfred Schubert-Zsilavecz vom Institut für Pharmazeutische Chemie an der Goethe-Universität Frankfurt hat für uns die Studienlage für die angegebenen Wirkstoffe geprüft und die Beipackzettel der Produkte begutachtet. In ihnen sollten insbesondere wichtige Angaben zur Anwendung sowie Warnhinweise vorhanden sein.

Die Hilfsstoffe
Warzenmittel enthalten neben Wirkstoffen auch Hilfsstoffe, die möglicherweise Probleme bereiten könnten. Wir haben vor allem auf mögliche Quellen für Allergene wie Kolophonium oder Terpentinöl geachtet und ließen verdächtige Produkte gegebenenfalls im Labor auf Delta-3-Caren prüfen, ein starkes Allergen, das Augen, Haut und Schleimhäute reizen kann.

Die Bewertung
Wenn ein Mittel zwar nicht das verursachende Papillomavirus beseitigt, aber erwiesenermaßen im Kampf gegen Warzen deutlich besser hilft, als auf Spontanheilung zu warten, bewerten wir es mit "gut" ("unterstützende Wirkung"). Ist die Wirksamkeit durch Studien weniger gut belegt, bewerten wir mit "befriedigend" ("Wirksamkeit teilweise belegt"). Mögliche Mängel in der belegten Wirksamkeit sowie in den Gebrauchsinformationen addieren sich und bilden das Gesamturteil.

So haben wir getestet

Ätzende Lösungen sind gefährlich, sie dürfen nicht auf gesunde umliegende Haut gelangen.