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ÖKO-TEST April 2016
vom

Fitness-Apps

Mobile Vorturner

Fix aufs Mobilgerät geladen, haben wir sie ständig dabei und können damit auch im Freien trainieren: Fitness-Apps sind eine günstige Alternative zum Studio oder dem Personal Trainer. Das zieht besonders Anfänger an, die hoffen, schnell fit zu werden. ÖKO-TEST hat sechs Trainingsprogramme getestet. Keines davon können wir uneingeschränkt empfehlen.

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31.03.2016 | Ungeduldig stehe ich in voller Laufmontur im Regen vor unserer Hofeinfahrt und starre auf meinen Fitnesstracker. Der sucht schon seit einer gefühlten Ewigkeit nach dem GPS-Signal. Währenddessen seilt sich ein Regentropfen von einer Haarspitze ab - und landet direkt in meinem rechten Auge. "Na suuuper!", denke ich, schaue in den wolkenverhangenen Himmel und wische mir mit dem Ärmel die pappige Suppe aus Wasser und Haargel weg. Dann, endlich, ist das Signal da. Vermutlich wäre mein Leben auch weitergegangen, hätte ich meine Zehn-Kilometer-Strecke jetzt nicht tracken können. Auf dem Display blinkt ein Herzchen. Der Pulsmesser funktioniert also auch.

Sogenannte Wearables, als Überbegriff für am Körper tragbare Elektronik wie Pulsuhren, Fitnessarmbänder (Activity-Tracker), Smartwatches oder Datenbrillen, sind der Trend schlechthin. Die Geräte zählen Schritte, überwachen den Schlaf, zeigen verbrauchte Kalorien an und schmeißen faulenzende Couch-Potatoes via Vibrationsalarm am Handgelenk vom Sofa. Von den Produkten versprechen sich nicht wenige (Hobby-)Sportler, dass sie ihr Training noch effizienter auf ihre körperliche Leistungsfähigkeit abstimmen können. Mittels Handy-App soll das ebenfalls ganz einfach gehen: Die erfassten Daten werden zunächst mit dem Smartphone, Tablet oder Laptop synchronisiert. Nach dem Log-in können sie dann bearbeitet und ausgewertet werden. Je nach Anbieter bietet die Software integrierte Trainingshinweise, die auf den gemessenen Daten beruhen.

"Daten sind der Rohstoff der Zukunft", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei einem Digitalkongress ihrer Partei im September 2015. Datenschützern stößt diese Tatsache bitter auf. Sie sehen in den sensiblen (Gesundheits-)Daten eine künftige Währung, die besonders Krankenkassen und Lebensversicherungen handeln wollen. Befürworter wenden ein, dass aktive und gesundheitsbewusste Versicherte, die ihren Lebensstil anhand der Daten auf ihrem Fitnesstracker belegen, künftig noch mehr von Prämien, Bonusleistungen oder individuellen Versicherungstarifen profitieren könnten. Kritiker befürchten hingegen, dass künftig all jene diskriminiert würden, die sich dieser Entwicklung verweigern. "Niemand sollte gezwungen sein, seine Fitness überwachen zu lassen", fordert auch Verbraucherminister Heiko Maas (SPD). "Das bedeutet zum Beispiel, dass man bei Krankenversicherungen keine Nachteile haben darf, weil man seine Gesundheitsdaten nicht zur Verfügung stellt."

Dass nicht alle Trainings an ein Datenarmband gekettet sind, zeigen diverse Fitness-Apps, die sich Nutzer zum Trainieren in den eigenen vier Wänden oder im Freien auf ihre Mobilgeräte downloaden können. Die Palette der Software reicht von Übungen für einzelne Körperpartien wie Arme oder Bauchmuskeln, bis hin zu Ganzkörper-Workouts. Das Angebot an entsprechenden Apps nimmt rasant zu. Zur Freude der User. Um schnell fit zu werden oder abzunehmen, werden Zugriffsrechte auf dem Mobilgerät, die die App benötigt, meist ebenso schnell abgenickt wie die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) oder die Datenschutzrichtlinien.

ÖKO-TEST wollte wissen, welche Fitness-Apps für Einsteiger bis hin zu Fortgeschrittenen geeignet sind. Dafür haben wir sechs Ganzkörper-Workouts und Zirkeltrainings ausgesucht und Sportstudenten sowie Studenten anderer Studienrichtungen zum Praxistest auf die Matte geschickt. Erfahrene wissenschaftliche Hilfskräfte und Fachmitarbeiter der sportwissenschaftlichen Fakultät einer deutschen Sporthochschule haben die Apps ebenfalls auf ihre Tauglichkeit begutachtet. Von einem Juristen haben wir prüfen lassen, ob die rechtlichen Regelungen Nachteile für Verbraucher enthalten oder anderweitige Transparenzmängel bestehen.

Das Testergebnis

Grundsatzproblem! Von den sechs getesteten Fitness-Apps können wir keine guten Gewissens empfehlen. Zwar schneidet eine in der Praxisprüfung "sehr gut" ab. Ein wesentlicher Knackpunkt ist allerdings allen Programmen gemein: Der Trainer fehlt - und damit die Kontrolle der Übungsausführung wenigstens zu Beginn der Trainingphase. Das Gesamtergebnis tut besonders weh: drei Apps sind "ausreichend" und drei "mangelhaft" beziehungsweise "ungenügend".

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Die Auswahl
Der Markt für Fitness-Apps bietet Nutzern ein vielfältiges Angebot. Für alle, die sich statt einzelne Muskelgruppen zu trainieren lieber mit einem Ganzkörper-Workout fit halten wollen, haben wir sechs Angebote ausgewählt: vom Sieben-Minuten-Training bis zum 100 Tage-Plan.

Die Praxisprüfung
An der Sportwissenschaftlichen Fakultät einer deutschen Universität haben zwölf Studenten, davon sechs trainingsmethodisch erfahrene Sportstudenten höheren Semesters, und sechs Studenten einer anderen Studienrichtung, 14 Tage lang nach den Programmen trainiert und ihr Urteil abgegeben. Die sportliche Aktivität der überwiegend Mitte-zwanzig-Jährigen war kein Auswahlkriterium. Von den Probanden sowie den wissenschaftlichen Hilfs- und Fachkräften wollten wir unter anderem wissen, ob die Fitness-Apps anfängertauglich sind, wie gut die Übungen in Bild und Text erklärt sind und ob sich daraus ein fehlbelastungsfreies Training ergibt. Ebenfalls interessierte uns, wie sie den Schwierigkeitsgrad und die Zusammenstellung der Übungen innerhalb einer Trainingseinheit einschätzen. Außerdem wurden die Fitness-Apps von den Experten auf trainingsmethodische Grundsätze und mögliche bedenkliche Übungen abgeklopft.

Der Datenschutz
Je nach Ausgestaltung einer App gehen Verbraucher einen Kaufvertrag ein. Selbst bei kostenlosen Basisprogrammen kann das durch In-App-Käufe geschehen. In Fällen kostenpflichtiger Angebote ist eine ordnungsgemäße Widerrufsbelehrung vorgeschrieben. Wichtige rechtliche Regelungen zwischen Nutzer und Anbieter stehen außerdem in den AGB, den Nutzungsbedingungen und in der Datenschutzbestimmung. Ein Rechtsanwalt mit dem Fokus auf Medienrecht sowie IT- und Datenschutzrecht hat die Fitness-Apps auf die jeweils erforderliche rechtliche Ausgestaltung geprüft.

Die Bewertung
Die Beurteilungen innerhalb der Praxisprüfung haben wir in vergleichbare Kategorien gefasst und bewertet. Sind Auf- und Abwärmübungen integriert? Sind die Übungen verständlich und genau beschrieben? Ist die Übungsauswahl zielführend, werden einzelne Muskelgruppen möglicherweise überbelastet? Unter dem Testergebnis Rechtliches und Transparenz haben wir unter anderem abgewertet: ein fehlendes Impressum ebenso wie unzulässige Nutzungsbedingungen.

So haben wir getestet

Die Übungen müssen klar erklärt sein, damit die Nutzer richtig trainieren können. Das war nicht bei allen Apps der Fall.