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74 Fieber- und Schmerzmittel im Test

ÖKO-TEST Dezember 2015
vom 27.11.2015

Fiebermittel / Schmerzmittel, Kinder

Neue Erkenntnisse

Ob Kopf- oder Zahn-, Regel- oder Gelenkschmerzen: Vieles lässt sich mit rezeptfreien Schmerzmitteln auch ohne Arztbesuch gut behandeln. Deren Wirksamkeit ist belegt, bei bestimmungsgemäßem Gebrauch sind sie sicher - auch die koffeinhaltigen Kombinationspräparate.

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27.11.2015 | Zuletzt belegten Schmerzmittel hinter Erkältungsmitteln Platz zwei unter den umsatzstärksten rezeptfreien Arzneimitteln: 110 Millionen Packungen setzten Apotheken und Versandhandel ab, der Umsatz betrug 512 Millionen Euro. Nimmt man die 38 Millionen Packungen von Mitteln gegen Muskel- und Gelenkschmerzen hinzu, wurden im vergangenen Jahr nach Angaben des Bundesverbandes der Arzneimittelhersteller fast eine Milliarde Euro für Schmerzmittel ausgegeben.

Die Präparate enthalten zum einen die nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) Ibuprofen, Acetylsalicylsäure (ASS), Naproxen und Diclofenac. Diese wirken nicht nur schmerzlindernd, sondern auch fiebersenkend und entzündungshemmend. Häufig verwendet wird auch Paracetamol, das aber im Gegensatz zu den NSAR in therapeutischen Dosen nicht entzündungshemmend wirkt.

Während ASS seit seiner Markteinführung im Jahr 1899 (Aspirin) keines Rezeptes bedurfte, erhielten andere Schmerzwirkstoffe erst in den vergangenen 20 Jahren den OTC-Status, dürfen seitdem also ohne Rezept über den Tresen (OTC = over the counter) verkauft werden. Damit ein Arzneimittel nicht mehr der Verschreibung eines Arztes bedarf, muss es sich als sicher und gut verträglich erwiesen haben. Das bedeutet allerdings nicht, dass Nebenwirkungen völlig ausgeschlossen sind. Da die meisten unerwünschten Arzneimittelwirkungen mit der eingenommenen Dosis zusammenhängen, ist es besonders wichtig, die im Beipackzettel angegebenen Dosierempfehlungen einzuhalten. "Hält man sich an die Dosierangaben der Hersteller und vermeidet die häufige Einnahme, kann man unbesorgt sein", sagt Dr. Stefanie Förderreuther von der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG). Gefahr bestehe tatsächlich nur, wenn man es in weit höheren Dosierungen als empfohlen einnimmt.

Nierenärzte sehen sich allerdings regelmäßig mit Patienten mit NSAR-geschädigten Nieren konfrontiert. Sie haben eine ganze Reihe von Risikofaktoren ausgemacht: eine bereits bestehende Nierenerkrankung, eine - auch noch unerkannte - Einschränkung der Nierenfunktion, die physiologischerweise bei älteren Menschen auftritt, Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck oder Herzschwäche, die jahrelange notwendige hochdosierte Einnahme von NSAR, beispielsweise aufgrund rheumatischer Erkrankungen. Vor allem die gleichzeitige Einnahme von blutdrucksenkenden Medikamenten (Diuretika, ACE-Hemmer) erhöht das Risiko für Nierenschäden. Schließlich macht auch Flüssigkeitsmangel die Nieren anfälliger. "Schmerzmittel sind nierengefährlich, das wissen wir seit Langem", warnt Professor Jan Galle von der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie (DGfN).

Immer wieder kontrovers diskutiert werden Kombinationspräparate, die meistens ASS und Paracetamol und Koffein enthalten. Ausgangspunkt waren vor allem die Erfahrungen mit der Kombination Phenacetin plus Koffein. Wie sich herausstellte, schädigte der Schmerzwirkstoff Phenacetin die Nieren, woraufhin er hierzulande vor knapp 30 Jahren verboten wurde. "Phenacetin hätte ni

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So haben wir getestet

Der Einkauf
Rezeptfreie Fieber- und Schmerzmittel sind apothekenpflichtig. Wir haben alle Produkte - sowohl Mono- als auch Kombinationspräparate - in der kleinstmöglichen Packungsgröße in der Apotheke eingekauft. Berücksichtigt wurden die gängigen Wirkstoffe Ibuprofen, Paracetamol, ASS und Naproxen. Erstmalig ist auch Diclofenac dabei, das wie Naproxen klassischerweise zwar eher bei Gelenkbeschwerden eingesetzt wird, sich aber auch zur Behandlung von Kopfschmerzen eignet.

Die Begutachtung
Unseren wissenschaftlichen Berater, Professor Manfred Schubert-Zsilavecz vom Institut für Pharmazeutische Chemie der Goethe-Universität Frankfurt, wissenschaftlicher Leiter des Zentrallaboratoriums Deutscher Apotheker in Eschborn, haben wir mit der Begutachtung der Präparate beauftragt. Dabei ging es nicht nur um deren Wirksamkeit, sondern auch um Risiken und Nebenwirkungen. Außerdem haben wir ihn gefragt, ob der Zusatz von Vitamin C zu einem Schmerzmittel dem Anwender Vorteile bringt und inwiefern das Lysinsalz des Ibuprofens dem einfachen Ibuprofen überlegen ist.

Die Hilfsstoffe
Um die Wirkstoffe eines Arzneimittels in eine anwendergerechte Form zu bringen, bedarf es verschiedener Hilfsstoffe. Ob sich darunter umstrittene oder bedenkliche Substanzen wie Farb-, Konservierungsstoffe und Paraffine befinden, haben wir anhand der Deklaration in den Beipackzetteln überprüft.

Die Bewertung
Das A & O eines Arzneimittels ist, dass Wirksamkeit und Sicherheit gegeben sind und der Anwender im Beipackzettel alle notwendigen Informationen zu Risiken, Nebenwirkungen, Dosierung und Anwendungsdauer erhält. Dies schlägt sich im Testergebnis Wirksamkeitsbelege und Beipackzettel nieder. Ein "sehr gutes" Ergebnis hier sollte unserer Meinung nach jedoch nicht durch die unnötige Verwendung problematischer Hilfsstoffe getrübt werden.

So haben wir getestet

Wie gefährlich sind Schmerzmittel mit mehreren Wirkstoffen? Wir sind der Frage nachgegangen.