Startseite
20 LED-Lampen im Test

ÖKO-TEST November 2016
vom 27.10.2016

LED-Lampen, Retrofits

Licht und Schatten

Retrofits, also LED-Lampen mit Schraubgewinde, haben die ersten Kinderkrankheiten hinter sich. Ihre Energieersparnis kann sich sehen lassen. Lichtqualität und Helligkeit sind aber noch verbesserungswürdig, wie unser Test zeigt.

577 | 15
Zu diesem Thema ist ein neuer Artikel vorhanden.

27.10.2016 | Von Zinnsoldaten über edle Kosmetikverpackungen hin zur Produktion von LED-Leuchtmitteln? Das gibt's. Um immer wieder am Markt zu bestehen, zeigte sich die 1830 als Zinngießerei in Marburg gegründete Firma Seidel wandlungsfähig. Als Aluminium zunehmend Zinn als Werkstoff ablöste, verlagerte der Hersteller sein Geschäft auf medizinisches Zubehör und später auf Teile edler Parfümflakons und anderer Kosmetikverpackungen. Angefangen hat dies 1952 mit der bis heute unveränderten rot-goldenen Kappe für 4711 - Echt Kölnisch Wasser, später belieferte Seidel die Produzenten namhafter Marken wie Chanel, L'Oréal, Estée Lauder und Christian Dior. Auch die Aluminiumgehäuse hochpreisiger Schreibgeräte von Lamy und Co. stammen von Seidel aus Marburg. Vorläufiger Schlusspunkt sind Lampen - made in Germany.

Über Jahrzehnte hat sich der Hersteller ein großes Know-how in der Verarbeitung von Metallen und von Kunststoffen erarbeitet. Seit 2008 bietet das Unternehmen unter der Marke Carus auch einige hauseigene Designprodukte an. Doch wer überleben will, braucht immer neue Geschäftsideen. Dem Geschäftsführer und Inhaber der Firma, Dr. Andreas Ritzenhoff, ist auf der Messe "Light & Building" in Frankfurt quasi ein Licht aufgegangen. Er hat sich gewundert, warum die angebotenen LED-Lampen mit Aluminium-Kühlkörpern so schwer waren: "Das können wir besser, das geht auch mit weniger Materialeinsatz", davon war er überzeugt. So fing er an, sich mit einer für ihn neuen Technologie zu beschäftigen.

Sein Ziel ist eine materialeffiziente Massenfertigung von LED-Leuchtmitteln am Standort Deutschland - aus ökologischen Gründen. "Der internationale Schiffsverkehr ist einfach ein super Klimavergifter, der Millionen Tonnen CO2 produziert." Eine Umweltsünde ohnegleichen. Mit seinen Argumenten gelang es ihm, 2014 fünf Millionen Euro an öffentlichen Fördergeldern aus dem Umweltinnovationsprogramm zu bekommen. Damit sollten leichtere Lampen mit weniger Aluminium, Zinn, Kupfer sowie Kunst- und Klebstoffen produziert werden, die dadurch auch besser zu recyclen wären. Die Firma verwendet nun dünne gefaltete Bleche statt massive Alu-Körper. Dadurch, so Ritzenhoff, lassen sich bis zu 60 Prozent Gewicht und jährlich 260 Tonnen Aluminium einsparen. Weiterer Vorteil: Durch das große Know-how produziere die Firma auch mit wenig Ausschuss. "In chinesischen Firmen landen Millionen Lampen aufgrund von Fehlern im Müll", kritisiert Ritzenhoff.

Heute laufen im lichtdurchfluteten Zweitwerk in Fronhausen zwischen Gießen und Marburg auf der einen Seite der riesigen Halle Metall- und Kunststoffteile der Firma Seidel vom Band. Walzen, Pressen und Spritzgießen formen sie, durch Eloxieren erhalten sie eine schöne und beständige Oberfläche. Auf der anderen Seite des Werks hat sich die neue Schwesterfirma Carus etabliert, die die Retrofits vollautomatisch zusammenbaut. Das heißt, Fassung, Kühlkörper und Kunststoffkalotte werden hier hergestellt und zusammen mit der Elektronik montiert. Dabei wird nicht ge

ÖKO-TEST November 2016

Gedruckt lesen?

ÖKO-TEST November 2016 ab 4.50 € kaufen

Zum Shop

ÖKO-TEST November 2016

Online lesen?

ÖKO-TEST November 2016 für 3.99 € kaufen

Zum ePaper

Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
LED-Retrofits mit E27-Gewinde, die eine 60-Watt-Glühlampe ersetzen, warmweiß und nicht dimmbar, standen auf der Einkaufsliste. Unter den 17 Testprodukten finden sich die großen Marken Osram und Philips sowie Eigenmarken der Märkte. Im Gegensatz zur Formenvielfalt im letzten Test gibt es nur noch Lampen mit einer Kugelkalotte beziehungsweise mit der neuen Filament-Technologie. Außerdem testeten wir drei Lampen mit geringerer Helligkeit (600 Lumen), weil sie mit flimmerfreiem Licht oder "made in Germany" ausgelobt waren.

Licht und Energieeffizienz
Wir ließen drei Muster jedes Produkts fast ein halbes Jahr lang 3.000 Stunden mit An- und Ausschaltphasen brennen, um frühzeitigen Ausfällen und starken Helligkeitsverlusten auf die Spur zu kommen. Wie hell die Lampen leuchten, wurde nicht nur nach der offiziellen Methode in der Ulbrichtkugel gemessen, sondern auch praxisnah in einer Hängeleuchte. Außerdem ermittelten die Tester mit dem Abstrahlwinkel den Bereich, in dem die Lampen zumindest noch die Hälfte an Helligkeit bringen. Wir wollten auch wissen, wie farbtreu und flimmerfrei das Licht ist.

Elektrosmog
Wo Strom fließt, entstehen elektrische und magnetische Felder. Also auch bei Lampen. Bei solchen mit aufwendiger Elektronik sind sie oft stärker als bei Glühlampen. Gemessen wurde, welche Felder an der Lampe entstehen und ob sie einigermaßen "sauber" sind oder durch Störfrequenzen und Oberwellen verschmutzt. Vergleichsbasis ist das TCO-Prüfsiegel für Computerbildschirme.

Die Bewertung
Das A und O für Lampen ist das Licht, weshalb dieses Teilergebnis am stärksten gewichtet wird. Lampen, bei denen die Helligkeit nach 3.000 Stunden so stark abnahm, dass die Werte unter die gesetzlichen Anforderungen rutschten, werden deutlich abgewertet und können am Ende nicht besser als "ausreichend" beziehungsweise "mangelhaft" sein. Die Testergebnisse Energieeffizienz, Elektrosmog und Weitere Mängel gehen gleichgewichtet in das Ergebnis ein. Das Gesamturteil kann jedoch nicht besser sein als die Testergebnisse Licht oder Energieeffizienz.

So haben wir getestet

In der Ulbrichtkugel wurde die Helligkeit der Lampen nach Norm geprüft