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14 Donuts im Test

Jahrbuch für 2018
vom 19.10.2017

Donuts

Do nut eat

Schlechte Nachrichten für Donutfans. Die Schadstoffe, die unser Test von 14 Marken zutage gefördert hat, sind echte Spaßbremsen. Kein Produkt ist besser als "ungenügend".

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19.10.2017 | Wenn es nach Homer Simpson geht, dann ist ein Tag ohne Donuts ein verlorener Tag. Das Oberhaupt der Familie Simpson isst die Hefeteigkringel für sein Leben gern - am liebsten die mit dem pinkfarbenen Zuckerguss.

Wir wollten wissen, was unter den bunten Dekoglasuren steckt und haben 14 Produkte in die Labore geschickt. Unsere Einkäufer waren vor allem in Donutketten, Backshops und Supermärkten unterwegs.

Das Testergebnis

Das Ergebnis könnte nicht schlechter sein: Alle Donuts landen mit einem "ungenügend" im Abseits. Der Grund dafür sind vor allem hohe Belastungen mit Fettschadstoffen und Mineralöl.

Donuts schwimmen zum Ausbacken meist in Palmöl. Der Rohstoff aus der Ölpalme bläst die Kringel kalorisch auf, sorgt oft aber auch für einen hohen Eintrag an Fettschadstoffen. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat die Risiken dieser Verbindungen kürzlich neu bewertet. Dabei haben die Wissenschaftler für 3-MCPD und seine Ester eine sehr niedrige tolerierbare tägliche Aufnahme (TDI) festgelegt, an der wir uns orientieren. Für Glycidol, einen anderen Fettschadstoff, der sich aus Glycidyl-Fettsäureestern abspaltet, konnten die Experten keinen sicheren Wert bestimmen. 3-MCPD hat in Tierstudien die Nieren geschädigt und in hohen Dosen zu gutartigen Tumoren geführt, Glycidol gilt als krebsverdächtig und erbgutschädigend - wir sehen Glycidol deshalb besonders kritisch.

Alle Donuts enthalten auffallend hohe Mengen an Glycidol. Am meisten steckt in den Dunkin' Donuts und den Donuts von Real. Die Gehalte sind - bezogen auf einen Erwachsenen und einen Donut als Portion - fast drei Mal so hoch wie unsere Abwertungsgrenze.

Wie viel Glycidyl-Fettsäureester gebildet werden, hängt Experten zufolge mit der Behandlung der Palmölfrüchte vor der Verarbeitung zusammen. Werden die Früchte beispielsweise bei der Ernte beschädigt oder über weite Strecken transportiert, dann entstehen vermehrt Vorläufersubstanzen, die die Bildung von Glycidylestern fördern. Sind viele dieser Verbindungen im Öl, versuchen Hersteller, diese mit höheren Temperaturen herauszubekommen. Dadurch können allerdings ebenfalls Ester entstehen. Bessere Qualitäten sind möglich, aber teurer.

Alle Donuts sind überdies mit gesättigten Mineralölen (MOSH) oder gesättigten Polyolefinen (POSH) belastet. Viermal wurden auch aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH) nachgewiesen, die möglicherweise krebserregende Verbindungen enthalten. Wie diese Verunreinigungen in die Donuts kommen, lässt sich anhand der Analysen nicht sagen. Denkbar sind Einträge aus Verpackungen, der Umwelt oder der Produktion. MOSH sind unerwünscht, da sie sich im Körper anreichern und in Tierversuchen Organe geschädigt haben. Da sich POSH analytisch nicht von den MOSH trennen lassen, haben sie möglicherweise ähnliche Wirkungen. Verbindliche Grenzwerte für Mineralöl wurden bislang nicht festgelegt. Wir orientieren uns unter anderem an dem Entwurf für eine Mineralölverordnung von 2014, wonach aus Papi

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So haben wir getestet

Der Einkauf
Die Angebotsformen und Einkaufsstätten für Donuts sind unterschiedlich. So kauften wir von Rewe, Edeka, Ikea und Markenhersteller Poppies tiefgefrorene Ware, die nur noch aufgetaut werden muss. Meist werden Donuts aber lose, das heißt unverpackt, angeboten, etwa von Donutketten wie Dunkin' Donuts oder Tasty Donuts. Weitere Produkte erstanden wir bei McDonald's und in den Backshops einiger Supermärkte und Discounter. Donuts leben von der Vielfalt. Sofern vorhanden, wurden deshalb bis zu drei Sorten verschiedener Donuts eingekauft. Gefüllte Produkte blieben außen vor.

Die Inhaltsstoffe
Donuts werden in Fett gebacken. Mögliche Schadstoffe, die durch die verwendeten Fette und Öle in die Produkte eingetragen werden könnten, standen deshalb im Fokus der Laboruntersuchungen. Im Einzelnen ließen wir schädliche 3-MCPD- und Glycidylfettsäureester sowie Mineralölbestandteile bestimmen. Auf den Einsatz verdorbener Fette prüften wir unter anderem per Analyse der polaren Anteile im extrahierten Fett. Weitere Untersuchungen betrafen Acrylamid, Transfettsäuren und die Fett- und Zuckergehalte. Umstrittene Zusätze wie Aromen und Phosphate überprüften wir anhand der deklarierten Zutaten.

Die Weiteren Mängel
Offen angebotene Lebensmittel benötigen keine Zutatenliste. Weil wir aber trotzdem wissen wollten, was in den losen Donuts steckt, fragten wir die Hersteller nach den entsprechenden Informationen.

Die Bewertung
Stark erhöhte Gehalte an Fettschadstoffen und erhebliche Belastungen mit Mineralölbestandteilen ziehen die Noten in den Keller. Die oft verwendeten Aromen und Diphosphate tun ein Übriges, sodass letztlich kein Donut besser als "ungenügend" abschneidet. Zu deutlichen Punktabzügen unter den Weiteren Mängeln kam es, wenn Anbieter unsere Anfrage nach den Zutaten unbeantwortet ließen.

So haben wir getestet

Beschädigungen der Palmölfrüchte vor der Verarbeitung führen zu erhöhten Fettschadstoffgehalten im Produkt.

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