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ÖKO-TEST Oktober 2016
vom

Holzspalter

Bis es kracht

Wer Holz selbst spaltet, kann Geld sparen - und mit Holzspaltern auch Zeit und Mühe. Mit manchen Einsteigermodellen arbeitet es sich aber auf lange Sicht unnötig beschwerlich. Und Handschutz braucht man nicht nur gegen Holzsplitter, sondern auch gegen Schadstoffe.

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29.09.2016 | Mit Schwung wuchtet Tamme Bohlen ein Stück Birke auf die metallene Auflage des Holzspalters und schiebt es direkt vor den Keil. Der Mitarbeiter eines norddeutschen Prüfinstituts bringt sich am anderen Ende des Geräts in Position, drückt mit der rechten Hand einen Knopf und betätigt gleichzeitig mit der linken einen Hebel. Sofort surrt der Elektromotor. Vom Bediener aus fährt per Hydraulik eine Druckplatte aus Stahl auf den Birkenstamm zu. Sie erreicht das Holz und presst es unnachgiebig gegen den Keil, bis es mit einem kernigen Knacken in zwei Teile gespalten ist. Tamme Bohlen lässt Knopf und Hebel los, die Platte bewegt sich an ihren Ausgangspunkt zurück. Das nächste Stück ist dran.

Was im Juli 2016 neben einer Scheune in Norddeutschland für ÖKO-TEST geschieht, wiederholt sich jährlich an vielen Orten. Immer mehr Haushalte heizen hierzulande mit Holz. Zwischen 2010 und 2014 stieg ihre Zahl um 10,9 Prozent auf 7,1 Millionen, berichtet das Zentrum Holzwirtschaft der Universität Hamburg. Die meisten verfeuern demnach Scheitholz aus Wald oder Garten, das sie vor allem über Waldbesitzer, Forstämter, Landwirte oder Bekannte beziehen. Brennstoffhandel, Baumarkt oder sonstiger Einzelhandel spielen laut dem Bericht eine untergeordnete Rolle.

Die Scheite kann man sich natürlich auch bequem ofenfertig liefern lassen. Allerdings kostet ein Raummeter gespaltenes, getrocknetes, 33 Zentimeter langes Hartholz durchschnittlich 92 Euro, so das Ergebnis einer deutschlandweiten Umfrage des Technologie- und Förderzentrums im Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe (TFZ) in Bayern. Beim derzeit niedrigen Ölpreis kommt das umgerechnet teurer als Heizöl. Wer Eigeninitiative zeigt und das Holz selbst spaltet, zahlt deutlich weniger. "Wieviel man sparen kann, lässt sich nicht pauschal sagen. Zum einen unterscheiden sich die Preise regional stark, zum anderen hängt es auch maßgeblich davon ab, ob man das Holz nur selbst zerkleinert oder es auch selbst aus dem Wald holt, zurechtsägt oder sogar selbst fällt", sagt Kathrin Bruhn vom TFZ. Auch vom Holzverbrauch hängt es ab, wann sich ein Holzspalter rechnet. Einsteigermodelle gibt es bereits ab 250 Euro.

Zu unterscheiden ist zwischen waagerecht und senkrecht ausgerichteten Spaltern. Die waagerechten funktionieren wie oben beschrieben: Eine Druckplatte schiebt das Holz gegen den feststehenden Keil. Es gibt sie mit und ohne Gestell. Bei den senkrechten steht das Holz auf einer Metallplatte und wird über zwei Bedienarme mittels Krallen fixiert. Drückt man die Arme nach unten, fährt der Keil von oben in den festgehaltenen Stamm. Im niedrigen Preissegment wiegen Senkrechtspalter etwa 100 Kilogramm, rund doppelt so viel wie Waagerechtspalter. Sie sind zumindest theoretisch in der Lage, auch Meterstämme zu bearbeiten. Günstige Waagerechtspalter schaffen Stücke bis zu 50 Zentimetern. Profis wie Forstleute arbeiten dagegen mit deutlich teureren und schwereren Geräten, die gegenüber den kleineren Modellen ein Vielfaches an Spaltdruck ausüben.

Unterschiede gibt es auch beim Antrieb. Viele der günstigeren Geräte werden elektrisch über einen 230-Volt-Anschluss betrieben. Waagerechtspalter verfügen in der Regel über ein eigenes Stromkabel, während an der Rückseite der Senkrechtspalter ein Stromanschluss angebracht ist, sodass man hier auf jeden Fall ein Verlängerungskabel benötigt. Andere Modelle laufen mit Starkstrom oder Kraftstoffmotor.

Wie gut arbeiten relativ günstige Spalter? Gibt es Unterschiede in der Handhabung? Und sind sie mit Schadstoffen belastet? ÖKO-TEST hat sieben Waagerecht- und vier Senkrechtspalter mit 230-Volt-Anschluss in verschiedene Labore geschickt.

Das Testergebnis

Siebenmal "befriedigend", viermal "ausreichend". Die vier Senkrechtspalter zeigen gute Leistungen beim Spalten, verhageln sich das Gesamturteil aber durch viel zu viele Schadstoffe in den Griffen. Zwei Waagerechtspalter spalten zwar ebenfalls gut, unterm Strich lässt sich mit dieser Variante aber bestenfalls "befriedigend" arbeiten. Immerhin ist in puncto Sicherheit fast alles in Ordnung.

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Weitere Informationen

So haben wir getestet

Der Einkauf
Wir haben elf elektrische Holzspalter mit 230-Volt-Anschluss eingekauft, davon sieben Waagerecht- und vier Senkrechtspalter. Alle Waagerechtspalter verfügen über ein Gestell. Die Geräte sollten für Einsteiger geeignet sein, ausgelobt sind fünf bis sieben Tonnen Spaltkraft. Für das günstigste Produkt zahlten wir 230 Euro, für das teuerste knapp 500 Euro.

Der Praxistest
Ein auf elektrische Geräte spezialisiertes Prüfinstitut spaltete mit jedem Gerät Hart- und Weichholz von je 25 und 33 Zentimetern Länge und beurteilte das Ergebnis. Die Experten erhoben technische Daten wie Spaltkraft, Spalthub, Lautstärke, Stromverbrauch oder Geschwindigkeit. Sie überprüften wichtige Sicherheitsaspekte und beantworteten unter anderem diese Fragen: Wie gut lässt sich das Gerät aufbauen, anschließen und bedienen? Wie einfach lässt es sich an einen anderen Ort schaffen? Wie gut verkraftet es eine Überlastung? Schließlich warfen sie auch einen kritischen Blick auf die Gebrauchsanleitung.

Die Inhaltsstoffe
Insbesondere weiche Griffe sind immer wieder mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) verunreinigt, einer Gruppe von Stoffen, von denen einige krebserregend sind. Verdächtiges Griffmaterial ließen wir nicht nur darauf testen, sondern auch auf hormonell wirksame Phthalate, giftige Elemente wie Blei oder Antimon sowie chlorierte Verbindungen.

Die Bewertung
Die Geräte müssen gut spalten können, deshalb geht das Teilergebnis Spalten zu 60 Prozent in die Praxisprüfung ein. Die restlichen 40 Prozent entfallen auf Ausstattung, Handhabung und Sicherheit. Die Praxisprüfung macht 80 Prozent des Gesamturteils aus. Inhaltsstoffe fließen nur zu 20 Prozent ein, weil man zum Holzspalten ohnehin Handschuhe tragen sollte und eher nicht direkt mit den Schadstoffen in Berührung kommt.

So haben wir getestet

Mitarbeiter eines Prüfinstituts spalteten für ÖKO-TEST mit jedem Produkt etwa einen Raummeter Holz.